Auf drei Rädern Richtung Süden
09.10.2026 Gelterkinden30 Jahre alte Twikes fuhren zum Jubiläum quer durch Italien
3500 Kilometer vom Baselbiet bis nach Sizilien: Zum 30-Jahre-Jubiläum des Twike machte sich sein Erfinder Ralph Schnyder mit dem ersten Serienfahrzeug auf grosse Fahrt. Der Gelterkinder blickt auf drei Jahrzehnte ...
30 Jahre alte Twikes fuhren zum Jubiläum quer durch Italien
3500 Kilometer vom Baselbiet bis nach Sizilien: Zum 30-Jahre-Jubiläum des Twike machte sich sein Erfinder Ralph Schnyder mit dem ersten Serienfahrzeug auf grosse Fahrt. Der Gelterkinder blickt auf drei Jahrzehnte Twike-Geschichte zurück.
Fiona Findlay
Fünf Leichtelektrofahrzeuge bildeten die ungewöhnliche Reiseflotte. Im Mai ging es zur Feier des 30-Jahre-Jubiläums der ersten Serienfahrzeuge des Twike nach Sizilien. Bei der «Twike Europe Challenge» dabei waren der Gelterkinder Entwickler Ralph Schnyder sowie seine langjährigen Geschäftspartner Peter Zeller und Christian Meyer. Zwei der fünf Twikes gehörten sogar zu den ersten Serienfahrzeugen aus dem Jahr 1996.
«Twikes sind eigentlich wie ein guter Wein», erzählt Schnyder während des Besuchs der «Volksstimme» im Unternehmen «dreifels» in Gelterkinden. «Im Alter werden sie nur noch reifer», so der Gelterkinder Architekt. Schon vor dem Gebäude stehen zahlreiche Twikes, darunter auch die mittlerweile 30-jährigen Fahrzeuge aus der ersten Serie.
Das Twike kombiniert einen reinen Elektroantrieb mit einem mechanischen Tretantrieb. Das zweisitzige Dreirad mit der Flugzeugkuppelform hat sowohl im Baselbiet als auch schweizweit eine treue Kundschaft. Einige Twike-Fahrerinnen und -Fahrer sind seit den Anfängen dabei. Das Unternehmen «dreifels» optimiert und repariert die Twikes der Kundschaft vor Ort in Gelterkinden.
Kurz vor unserer Ankunft hat Ralph Schnyder in der Werkstatt noch an einem Twike getüftelt. Auch nach vielen Jahren haben die dreirädrigen Fahrzeuge für den 61-Jährigen noch lange nicht ausgedient. Sie können immer wieder erneuert und technisch aufgewertet werden.
Dass auch die ältesten Twikes auf der Reise nach Sizilien mit den jüngeren mithalten konnten, überrascht Schnyder deshalb nicht. Schnyder und seine Frau Jane waren im Twike Nummer 1 unterwegs – dem allerersten Serienfahrzeug. Technische Probleme habe es keine gegeben, erzählt Schnyder. Nicht einmal einen platten Reifen habe die Reisegruppe verzeichnet.
Die Anfänge des Twike
In diesem Jahr liegt auch die Entwicklung des sogenannten Ur-Twikes 40 Jahre zurück. Das Aufkommen der Liegevelos in den 1980er-Jahren diente als Inspiration für den Prototyp des heutigen Twike. Im Dezember 1986 stellte eine Projektgruppe aus Studierenden unter der Leitung von Schnyder das dreirädrige Fahrzeug für die «Innovative Vehicle Design Competition» der Weltausstellung in Vancouver vor. Schnyders heutige Geschäftspartner Peter Zeller und Christian Meyer wirkten bereits an der Entwicklung dieses ersten Twike-Prototyps mit. Dass Zeller und Meyer bei ihrem gemeinsamen Unternehmen «dreifels» das Twike bis heute begleiten, schätzt Schnyder besonders.
Für die ergonomische Gestaltung des Ur-Twike erhielten die Studierenden den «Functionality Award». Was diese Auszeichnung damals genau bedeutete, sei ihnen kaum bewusst gewesen, erinnert sich Schnyder heute. Rückblickend passe die Funktionalität jedoch besonders gut zum Grundgedanken des Twike.
Im Lauf des Jahres 1996 wurde die Pilotserie des Twike ausgeliefert. Dem elektrisch angetriebenen Fahrzeug sei damals mit Skepsis begegnet worden. «Man hat geglaubt, so etwas funktioniert sowieso nicht», erinnert sich Schnyder. Das zweiplätzige Fahrzeug mit seiner Flugzeugkuppelform hat sich im Alltag bewährt und hat nach 30 Jahren Betrieb noch lange nicht ausgedient. Bis heute wurden 1070 Twikes hergestellt.
Unterwegs seit 1998
Eine Reise mit dem Twike habe ihren eigenen Rhythmus, so Schnyder. Statt möglichst schnell ans Ziel zu gelangen, führte die Jubiläumsreise durch Ortschaften und Gegenden, die bei einer gewöhnlichen Fahrt über die Autobahn oder bei einer Flugreise verborgen bleiben. Pro Tag legten die Reisenden ungefähr 200 bis 300 Kilometer zurück. Meist ging es am Morgen zunächst 50 bis 100 Kilometer weit, bevor während der Mittagspause die Batterien geladen wurden und in aller Ruhe und Gemütlichkeit gespeist wurde.
«Die meisten Leute waren völlig aus dem Häuschen», erzählt Schnyder über die Begegnungen während der Reise. Twikes bekomme man in Italien kaum zu Gesicht. Wo die Reisegruppe anhielt, hätten sich Menschen versammelt und Fotos gemacht.
Die Fahrt nach Sizilien war nicht das erste grosse Reiseprojekt der dreirädrigen Fahrzeuge. Bereits im Jahr 1998 brachen sechs Twikes von Bern Richtung Nordkap auf. Während der «Twike Challenge 98» legten die Fahrzeuge innerhalb von 70 Tagen 12 000 Kilometer zurück. Zu dieser Zeit waren Ladestationen für elektrische Fahrzeuge noch kaum verbreitet. Was damals eine Herausforderung war, bereitete auf der diesjährigen Italientour keine Sorgen mehr. Die Ladepausen hätten laut Schnyder sogar das Reiseerlebnis bereichert: Sie hatten Zeit, versteckte Dörfer und Sehenswürdigkeiten zu erkunden.
Mit der Italientour sind die Twike-Reisen noch nicht zu Ende: Die Gruppe plant bereits weitere Etappen durch Europa. Künftig soll möglichst jedes Jahr im Mai eine Twike-Tour stattfinden. Als Nächstes ist eine Fahrt von Genua nach Barcelona geplant.


