Auf den Spuren von «Ütige»
01.10.2026 ItingenNeuer Kulturpfad erzählt die Dorfgeschichte
In Itingen ist in Verbindung mit der Jubiläumsfeier «800 Johr Ütige» ein Kulturpfad entstanden. Dieser präsentiert an elf Stationen den Wandel des Dorfs. Auf historischen Fotografien, primär im Umfeld des ...
Neuer Kulturpfad erzählt die Dorfgeschichte
In Itingen ist in Verbindung mit der Jubiläumsfeier «800 Johr Ütige» ein Kulturpfad entstanden. Dieser präsentiert an elf Stationen den Wandel des Dorfs. Auf historischen Fotografien, primär im Umfeld des Dorfkerns, wird die Geschichte veranschaulicht.
Willi Wenger
Dass sich Itingen in den vergangenen 130 Jahren verändert hat, zeigt der unlängst eröffnete Kulturpfad eindrücklich. Auf einem gut anderthalb Stunden dauernden Spaziergang kann an elf Stationen in verschiedene Themen eingetaucht werden. Beschrieben ist etwa die Entwicklung von Landwirtschaft, Gewerbe, Versorgung und Verkehr bis hin zu Schule und Dorf-Badi. Sie alle dokumentieren auf eindrückliche Weise, wie sich das einstige Bauerndorf zum modernen, lebendigen Wohn-, Industrie- und Gewerbeort entwickelt hat. Alt Gemeindepräsident Hansruedi Bieri ist voll des Lobs über das Kulturobjekt, das «bis auf Weiteres» der Öffentlichkeit zugänglich sein soll.
Die Geschichte und der Wandel von «Ütige», wie die Einheimischen ihr Dorf nennen, haben auf dem Kulturpfad ihren verdienten Platz gefunden. Neben Bieri trug mit Walter Peter ein weiterer Ur-Itinger die Verantwortung für die Geschichten und Rohtexte. Beide Chronisten treten als «Chrampfer» hinter dem Projekt in Erscheinung. Professionell aufgearbeitet und gestaltet wurden die Pfeiler, zu denen der Baselbieter Swisslos-Fonds einen substanziellen Beitrag beisteuerte, von Selina Locher und Dunja Kotschenreuther.
Bieri, einst Gemeindepräsident (1984 – 1995) sowie FDP-Landrat (1987 – 2000), zeigt der «Volksstimme» auf einem Rundgang mit Freude und Genugtuung das Werk, das inhaltlich massgeblich seine Handschrift trägt. So entlang der Dorfstrasse, wo heute zwar keine Miststöcke mehr zu erkennen sind, aber dennoch deren einstige Standorte. «Diese Strasse war und ist noch heute eine Art Lebensader für die Gemeinde. Hier in den Vorgärten wurde angepflanzt und geerntet. In den Bauernhäusern wurden zudem Kühe, Rinder, Ziegen und Schweine gehalten, bis in die 1960er-Jahre eine Selbstverständlichkeit», blickt Bieri zurück.
Ferienverkehr im Dorf
Bieri weiss auch, dass die einstige Landstrasse zwischen Lausen und Sissach, im Speziellen das Teilstück durch Itingen, in den 1950er- und 1960er-Jahren sehr «gefragt» war und sich damals als unverzichtbar erwies. «Zu jener Zeit quälte sich der stetig zunehmende Ferienverkehr auf der Route Hamburg – Neapel durch unser Dorf. Im Gasthof ‹Ochsen› übernachteten während der Ferienzeit häufig Reisende aus Nordeuropa auf dem Weg in den Süden. Bei der Einmündung zur Dorfstrasse gab es sogar zwei Benzinzapfsäulen.» Erst ab 1967 habe die neue Hauptverkehrsstrasse H2 – heute A22 – den Dorfkern entlastet.
Der Dorfkern von Itingen mit seinen charakteristischen, geschlossenen Häuserzeilen, der 1986 in das Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz aufgenommen wurde, ist trotz allem das geblieben, was er einst war. Heimelig und zum Anfassen nah. Er bildet quasi das A und O des Kulturpfads. Fünf der elf Stationen sind dort angesiedelt; im engeren Umfeld markieren die Standorte Sitzbank Waldrand, Sitzbank Badi, Sitzbank Waldeingang sowie die beiden Punkte Schulhaus Pausenplatz und Bahnhof Süd ihre Berechtigung. «Nur» der Standort Reservoir Sonnenberg ist etwas weiter weg gelegen. An allen Standorten wird eines deutlich: Man sieht stolze Itinger. So etwa Bauern bei ihrer Arbeit auf dem Feld, Handwerker vor ihren Werkstätten oder Schulkinder in der Mode vergangener Jahrzehnte.
Ein halbes Dutzend Läden
Das Dorfleben von Itingen ist am Kulturpfad prominent vertreten. Hansruedi Bieri weiss, dass dieses in der jüngeren Geschichte einen starken Wandel erlebte. «Früher hatten wir hier ein halbes Dutzend Läden», sagt er, der das «Konsum», wo sich seit 1912 auch die öffentliche Telefon-Sprechstelle befand, im gleichen Atemzug erwähnt wie das «Usego-Lädeli», die Metzgerei Schafroth und das angrenzende «Salzlädeli». Das Angebot habe aber auch eine Bäckerei, einen Schuhmacher, einen Sattler sowie einen Sargund Stuhlschreiner umfasst. «Die drei Gaststätten, das ‹Rössli›, der ‹Rebstock› und der ‹Ochsen›, waren früher gefragte Orte des kulturellen Lebens», so Bieri weiter.
Dass am Kulturpfad entlang auch die Badi besucht werden kann, ist nunmehr logisch. Der Talweiher, ab 1930 ursprünglich als Fischbecken und als Löschwasserreserve angelegt, ist seit 1952 die «heutige» Badi, die 1981 letztmals umfassend erneuert wurde. Der Besuch ist kostenlos; auswärtige Gäste werden um einen finanziellen Beitrag gebeten, wird den Leserinnen und Lesern auf der dortigen Kulturpfadtafel mitgeteilt. Auch dies bedeutet Eintauchen in die Geschichte von Itingen. Gemeindepräsidentin Cécile Schmidt Bur sieht dies jedenfalls so und sagt, dass ihr der Kulturpfad das Verständnis für das Dorf, vom Ursprung bis heute, nähergebracht habe.
Es gilt also, die Wanderschuhe zu schnüren. Ein gedruckter Flyer mit einer Übersichtskarte liegt ab sofort bei der Gemeindeverwaltung auf und steht auf der Website bereit.
Der Kulturpfad auf einen Blick
Umfang: 11 Stationen mit historischen Fotografien und Informationstexten zur Dorfgeschichte aus den vergangenen 130 Jahren.
Themen: Unter anderem Landwirtschaft, Gewerbe, Verkehr, Schulwesen, Versorgung und die Geschichte der Badi.
Start/Ziel: Individuell wählbar. Der Einstieg ist an jeder Station möglich.
Dauer: Der Rundgang dauert zu Fuss gut eineinhalb Stunden. Er ist 2,5 Kilometer lang. Er verläuft auf befestigten, flachen Wegen und ist barrierefrei und kinderwagentauglich.
Kosten: Der Kulturpfad ist frei zugänglich und kostenlos.
Willi Wenger

