Auf den Spuren des Haribold
05.05.2026 ArboldswilDorfrundgang zum Auftakt des Jubiläumsjahrs
Der Name des «Sonnendorfs» wurde im Jahr 1226 erstmals urkundlich erwähnt. Vier Dorfrundgänge markieren den Auftakt zum 800-Jahre-Jubiläum, das 2028 mit einem Dorffest begangen werden soll.
Elmar ...
Dorfrundgang zum Auftakt des Jubiläumsjahrs
Der Name des «Sonnendorfs» wurde im Jahr 1226 erstmals urkundlich erwähnt. Vier Dorfrundgänge markieren den Auftakt zum 800-Jahre-Jubiläum, das 2028 mit einem Dorffest begangen werden soll.
Elmar Gächter
Nach und nach füllte sich die «Grande place» mit dem von Jungbürgerinnen und Jungbürgern geschmückten Maibaum immer mehr mit Besuchern, darunter vielen Heimweharboldswilerinnen und -arboldswilern. Es soll gefeiert werden, denn Arboldswil gibt es verbrieft seit 800 Jahren. Dass das Jubiläum mit einem Dorffest begangen wird, steht zwar fest. Es wurde jedoch auf 2028 verschoben, weil das ursprüngliche Konzept neu ausgerichtet und redimensioniert werden musste.
Vier Dorfrundgänge sollen dennoch bereits dieses Jahr an die Geschichte und die Besonderheiten des Dorfs erinnern. Den Auftakt machte am vergangenen Donnerstagabend der erste Rundgang unter dem Titel «Vom Hof des Haribold zum Dorf Arboldswil». Johannes Sutter freute sich über den grossen Aufmarsch – gegen 100 Interessierte waren gekommen – und vor allem auch, dass Rémy Suter durch die mehr als 800 Jahre Dorfgeschichte führt. «Die Rundgänge waren seine grossartige Idee», so der Gemeindepräsident.
Schmelztiegel Sisgau
Haribold ist der Namensgeber für Arboldswil: Der Ortsname bedeutet «beim Gehöft im Besitz eines Mannes namens Haribold». «Er ist keine Erfindung, aber so böse und brutal, wie ihn alt Schulinspektor Ernst Grauwiler in seinem Geschichtsbuch ‹Ruhu, der Höhlenbube› in den 1960er-Jahren beschrieben hat, waren weder Haribold noch seine alemannischen Zeitgenossen», hielt Suter fest.
Die Siedler aus dem süddeutschen Raum nisteten sich im 7. Jahrhundert nach und nach am Rand der alten galloromanischen Siedlungen ein. Die unterschiedlichen Kulturen tauschten sich aus und glichen sich auch sprachlich immer mehr an. Das Gebiet gehörte schon länger zum merowingischen Frankenreich mit einer Verwaltungsstruktur, die es von den Römern übernommen hatte. Es entstanden alemannische Siedlungen mit Endungen wie -ingen (beispielsweise Eptingen) und sogenannte Wil-Dörfer wie Reigoldswil und Arboldswil. Haribold kam im Lauf des 8. Jahrhunderts in die Gegend von Arboldswil und traf vor allem Urwald an. Grund für sein Bleiben dürften vor allem zwei Quellen sein, die der Sippschaft Wasser sicherten.
Im Hochmittelalter gehörte Arboldswil zum Königreich Burgund, und die eingewanderten Alemannen waren Untertanen der burgundischen Herrscher. 1041 schenkte der römischdeutsche Kaiser Heinrich III. dem Bischof von Basel das Sisgau, zu dem auch Arboldswil gehörte, der es seinerseits an die Grafen von Froburg zu Lehen gab. Der Adel der Grafen gewann zunehmend an Einfluss, und ganz Europa wurde ein Gebiet der Höfe. Das wichtigste Verwaltungszentrum war ein Herrenhof mit sogenannten Fronhöfen wie dem «Dinghof» in Bubendorf. Arboldswil selbst hatte nie einen Herrenhof.
Gegenwert: 160 Gramm Silber
1226 wird Arboldswil erstmals schriftlich erwähnt. Der Basler Bischof Heinrich von Thun bestätigt in einem Dokument, in dem auch viele andere Gemeinden erstmals aufgeführt sind: «in villa Arboltswilre quoddam allodium, solvens octo solidos; …» Das bedeutet, dass ein Pächter, der nicht namentlich erwähnt ist, für das Lehen von Arboldswil einen Zins von 8 Schillingen zahlt, was ungefähr dem Silberwert von 160 Gramm entsprach. Von nun an beherrschten die Frohburger das Sisgau, bis 1366 der letzte Graf von Waldenburg starb und das Gebiet an den Bischof von Basel zurückging; bald wurde die Stadt Basel Lehensträgerin der Herrschaft. Die von ihr eingesetzten Landvögte auf Schloss Waldenburg amteten bis 1798, als das Schloss abbrannte.
Dass es in den Dörfern bereits im späten Mittelalter «urdemokratisch» zuging, erklärte Rémy Suter anhand der sogenannten «Einungen», bei denen über Steg und Weg oder die Überwachung von Allmend und Wald entschieden wurde, sofern die Beschlüsse nicht den Rechten der Grundherren widersprachen. Abstimmen durften die «Einsassen», andere galten als «Hintersässen» oder «Nichtbürger» und hatten wenig zu sagen. Im Gegensatz zu den Herrenhöfen, wo der verantwortliche «Meier» vom Landvogt bestimmt wurde, wählte die Dorfgemeinschaft ihre Beamten wie die zwei Geschworenen als «Einigsmeister» oder die «Wiesen-» und «Holzbannwarte».
Geschichte, eingängig präsentiert
Christoph Tschopp, der seit 50 Jahren in Arboldswil wohnt, zeigte sich begeistert vom Gebotenen. «Der Rundgang war sehr informativ. Mir gefällt vor allem die Art und Weise, wie Rémy Suter die historischen Fakten sicher, lebendig und humorvoll präsentiert. Er spricht die Sprache, die wir hier reden. Zudem finde ich die Idee gut, dass wir unser Dorfjubiläum in Etappen feiern und einen etwas unüblicheren Weg gehen als andere Gemeinden.»
Abschluss des Rundgangs bildete das Maisingen mit dem Männerchor Harmonie sowie die Festwirtschaft in der «Hofmet-Schüüre». Weitere Rundgänge finden statt am 21. August mit dem Thema Leben und Arbeiten, am 16. Oktober mit Glauben und Aberglauben und am 4. Dezember mit dem sagenhaften Arboldswil.

