Auf dem Speiseplan von Mensch und Schnecke
26.03.2026 TecknauPilze selber züchten liegt im Trend
Wer sich für Pilze aus dem eigenen Garten interessiert, dem bot der Gartenverein Region Sissach am Samstag eine gute Gelegenheit, mehr darüber zu erfahren. Die Kursteilnehmenden konnten selber Holzrugel mit Pilzsporen beimpfen.
...Pilze selber züchten liegt im Trend
Wer sich für Pilze aus dem eigenen Garten interessiert, dem bot der Gartenverein Region Sissach am Samstag eine gute Gelegenheit, mehr darüber zu erfahren. Die Kursteilnehmenden konnten selber Holzrugel mit Pilzsporen beimpfen.
Brigitte Keller
Mehrere Palettrahmen mit frisch zugesägten «Rugeln» aus Buchenstämmen warten beim Eintreffen der Kursteilnehmenden darauf, in den folgenden rund zwei Stunden mit Pilzsporen beimpft zu werden. Auch die dafür benötigten Werkzeuge und Hilfsmittel wie Bohrmaschinen, Hammer und Plastikfolien liegen bereit. Kursleiterin Daniela Sager, Präsidentin des Gartenvereins Region Sissach, hatte mit Unterstützung ihrer Familie alles vorbereitet.
Den Gartenverein Region Sissach gibt es bereits seit 1939 und er zählt rund 300 Mitglieder. Bis vor Kurzem hiess er noch Gartenbauverein Sissach und Umgebung. Die Umbenennung des Schweizerischen Verbandes in «Verterra» nahmen die Vereinsverantwortlichen zum Anlass, dem eigenen Vereinsnamen und den Statuten ebenfalls ein «Lifting» zu verpassen. Das diesjährige Jahresprogramm beinhaltet zwölf Anlässe. Darunter sind Kurse, die auch Nichtmitgliedern offenstehen. Der Kurs «Speisepilze im eigenen Garten anbauen» stand dabei zum ersten Mal zur Auswahl.
«Das Holz muss frisch geschlagen sein und darf nicht schon am Boden gelegen haben», erklärt Daniela Sager nach der Begrüssung. «Sonst könnte das Holz schon von anderen Pilzsporen befallen sein, was wir ja nicht wollen.» Die Frische der Holzrugel macht sich beim Hereintragen zu den Tischen bemerkbar: 15 Kilogramm und mehr bringt ein solches Stück Rotbuchenstamm mit einem Durchmesser ab etwa 25 Zentimeter locker auf die Waage. Liegt das gute Stück auf dem Arbeitstisch parat, kann das Löcherbohren beginnen. Das geht dank der professionellen Metallbohrer aus der Werkstatt des Familienunternehmens Sager auch für Ungeübte erstaunlich leicht von der Hand.
Sogar die Waschküche ist ideal
In die rund 30 bis 40 Löcher pro Stamm werden anschliessend die mit Pilzsporen geimpften Holzdübel eingeschlagen. Es stehen die drei PilzsortenAusternseitling, Lungenseitling und Stockschwämmchen zur Auswahl. «Diese Sorten eignen sich sehr gut für Anfänger», erklärt Daniela Sager. Ist eine genügend grosse Anzahl Dübel eingeschlagen, werden die Holzrugel möglichst luftdicht in durchsichtige Plastikfolie verpackt. Damit ist dieser Schritt der zukünftigen «Pilzzucht» abgeschlossen.
Als Nächstes brauchen die geimpften und verpackten Rugel etwa fünf Monate Zeit, damit das Myzel das Holz durchdringen und nach aussen wachsen kann. Dies kann entweder an einem Ort im Freien sein, wo es schattig, windstill, feucht und gleichmässig warm ist. Oder, wie Daniela Sager erklärt, kann es auch einfach ein Keller, eine Garage oder die eigene Waschküche sein – so wie bei ihr: «Ich habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht in den vergangenen Jahren.»
Wenn das Holz mehr oder weniger komplett vom weissen Myzel umgeben ist, folgt der nächste und wohl anspruchsvollste Schritt: Es wird Zeit, die Stämme aufrecht in die Erde einzupflanzen, wobei etwa zwei Drittel des Stammes in die Erde gehören. Der Standort sollte schattig und ganzjährig feucht sein respektive feucht gehalten – und vor Schnecken geschützt werden. Passt der Standort und gelingt die Schneckenabwehr, kann ein paar Monate später mit der ersten Erntewelle gerechnet werden.
Ohne Helfer geht es nicht
Vorfreude ist bekanntlich die grösste Freude. Die Kursteilnehmenden in Tecknau sehen sich bereits beim Pflücken der Pilze im eigenen Garten und beim Zubereiten leckerer Pilzgerichte. Und schon macht die Idee die Runde, dass im kommenden Frühling doch ein Pilzkochkurs ins Programm aufgenommen werden könnte. Ob daraus etwas wird, steht in den Sternen.
Ideen gäbe es viele, aber es braucht auch immer die Menschen, die sie anpacken. Dass es an deren Fehlen scheitern kann, zeigt sich schmerzlich an einer anderen Stelle des Jahresprogramms des Vereins: Der beliebte Geranien- und Blumenverkauf in Sissach kann in der bisherigen Form nicht mehr durchgeführt werden. «Es war immer eine super Sache, aber der Aufwand ist riesig und die Helferinnen und Helfer werden immer älter», erklärt Vereinsaktuar Peter Kaufmann.
Als ab diesem Jahr zusätzliche Kosten für die Marktstände und Bankgarnituren angekündigt wurden, habe man sich schweren Herzens dazu entschlossen, den traditionellen Markt nicht mehr auszurichten, so Kaufmann. Für die Vereinsmitglieder und Grosskundinnen wird aber weiterhin die Möglichkeit angeboten, Pflanzen zu bestellen sowie diese einpflanzen und nach Hause liefern zu lassen.


