Asiatische Hornisse im Visier
13.10.2026 LangenbruckTabea Haupt ist mit vier Spürhunden unterwegs
Neben Borkenkäfer und Laubholzbockkäfer gilt die Suche vermehrt auch der Bekämpfung der Asiatischen Hornisse und dem Schutz der ungiftigen Schlingnatter. Die «Volksstimme» hat Hundeführerin Tabea Haupt aus ...
Tabea Haupt ist mit vier Spürhunden unterwegs
Neben Borkenkäfer und Laubholzbockkäfer gilt die Suche vermehrt auch der Bekämpfung der Asiatischen Hornisse und dem Schutz der ungiftigen Schlingnatter. Die «Volksstimme» hat Hundeführerin Tabea Haupt aus Langenbruck begleitet.
Elmar Gächter
Kaum hält der Van an diesem für dieses Jahr typischen Hitzetag in der Einfahrt zur schattigen Waldstrasse, macht sich im Innern des Fahrzeugs freudige Erwartung breit. Riley, Brenden, Drive und Piper können es kaum erwarten zu zeigen, zu welchen aussergewöhnlichen Leistungen sie fähig sind. Die drei Border Collies und die Holländische Schäferhündin sind der Stolz ihrer Besitzerin Tabea Haupt.
Wie an vielen Abenden ist sie mit ihrer Kollegin Lena Bühlmann unterwegs, um sich für die Biodiversität in unseren Wäldern einzusetzen. Haupt ist Biologin und begeisterte Hundeführerin. Die frühere Pro-Natura-Mitarbeiterin engagiert sich heute als selbstständige Unternehmerin mit ihrer Firma «Hauptsach Natur» für Umweltanliegen.
Vor rund vier Jahren begann sie, ihre Vierbeiner zu Spürhunden auszubilden. Lag ihr Fokus zunächst auf dem Aufspüren von Borkenkäfern, setzt sie ihre Hunde heute vor allem gegen den Asiatischen Laubholzbockkäfer und die Asiatische Hornisse ein. Darüber hinaus widmet sie sich der Erforschung der Vorkommen der ungiftigen Schlingnatter, die – wie die meisten Reptilien in der Schweiz – stark gefährdet ist.
Grundsätzlich könne man die meisten Hunde zu Spürhunden ausbilden, sagt Tabea Haupt. «Es kommt auf das Individuum an. Voraussetzung ist, dass das Tier gerne mit dem Menschen zusammenarbeitet. Ist es stur, hat man wohl keine Chance.» Ihre Hunde hätten von Anfang an gut auf die rund zweijährige Ausbildung angesprochen. Doch jeder reagiere anders: Manche müsse man stärker motivieren, andere eher bremsen. «Alle nehmen ihre Aufgabe jedoch ‹megagern› wahr», sagt die Hundehalterin.
Hilfe für die Forstwirtschaft
Da die meisten Förster im Baselbiet den Borkenkäfer nicht mehr intensiv bekämpften, sei dieser Einsatzbereich etwas in den Hintergrund gerückt. Der Asiatische Laubholzbockkäfer sei bedeutend schwieriger aufzuspüren. Ihn weist man unter anderem über seine Eier oder die Larvenaktivität im Baum nach, während beim Borkenkäfer Pheromone detektiert werden. Pheromone – Duftstoffe, die gezielt zur Kommunikation mit Artgenossen ausgeschüttet werden – sind für die Spürhunde leichter zu lokalisieren. Tabea Haupt ist mit ihren Hunden, von denen zwei auf das Aufspüren von Asiatischen Laubholzbockkäfern ausgebildet sind, beim Monitoring von Fundstellen im freiburgischen Marly im Einsatz. Die Bekämpfung dieses invasiven Quarantäneschädlings, der enorme wirtschaftliche und ökologische Schäden anrichtet, ist in ganz Europa vorgeschrieben.
In einer ersten Versuchsreihe auf ehrenamtlicher Basis prüft Tabea Haupt mit ihrem Team und Maria Corpataux vom Bienenzüchterverein Liestal, ob sich Spürhunde auf den Geruch der Asiatischen Hornisse konditionieren lassen. «Anhand der Nester, die uns zur Verfügung gestellt wurden, konnten wir in Innenräumen zeigen, dass die Hunde den Geruch der Nester gut erkennen.»
Fachleute halten Erfolgschancen für durchaus vielversprechend. Die Hornissen lassen beim Bau der Nester Material zu Boden fallen, das es den Hunden erleichtert, den Geruch aufzuspüren. Generell hänge der Erfolg jedoch von den Wetterbedingungen während des Einsatzes ab, insbesondere davon, ob die Thermik den Geruch in die Höhe trägt oder Wind ihn stark verwirbelt. «Wir hoffen, mit unseren Tests wertvolle Ergebnisse zu generieren, sodass Spürhunde die Asiatische Hornisse klar von Nestern einheimischer Insektenarten unterscheiden können», sagt Haupt.
Die Schlingnatter, auch Glattnatter genannt, ist eine kleine, unscheinbare Schlangenart aus der Familie der Nattern. Sie ist ungiftig und für den Menschen völlig harmlos, wird jedoch nicht selten mit der Kreuzotter verwechselt. Wie in vielen andern Ländern stehen beide Arten auch bei uns unter Schutz, sie dürfen weder verfolgt noch gefangen werden. Das Vorkommen der Schlingnatter ist allerdings schwer nachzuweisen. Haupt: «Deshalb sind wir auf die Idee gekommen, Spürhunde einzusetzen, um sie besser aufzuspüren und entsprechend besser schützen zu können.»
Gemeinsam mit einem Umweltberatungsbüro und den Naturschutzabteilungen der Kantone Baselland, Aargau und Zürich beteiligt sich Haupt mit zwei ihrer Spürhunde an einem Pilotprojekt. Die Hunde finden zuverlässig die Häutungen der Schlingnatter, zeigen aber noch Herausforderungen beim Detektieren von lebenden Nattern. Im Projekt soll herausgefunden werden, ob die Schlangenhäute für die Hunde gleich riechen wie lebende Schlangen. «Im Moment sind noch viele Fragen offen. Ich hoffe aber, dass dieser Versuch weitergeführt wird», so Haupt.
Es ist beeindruckend zu beobachten, wie die Spürnasen an diesem Trainingsabend ihre Aufgaben erfüllen. Während Drive und Riley das Terrain systematisch und langsam nach den versteckten Geruchsproben absuchen, brauchen Brenden und Piper dafür nur wenige Minuten. Gemeinsam sind allen die hohe Motivation und Selbstständigkeit bei ihrer Arbeit. Und im Erfolgsfall freuen sich alle auf das Lob ihrer Hundeführerinnen und natürlich auf ihr «Goodeli» – mit Ausnahme der Schäferhündin. Sie will lieber mit ihrem Lieblingsspielzeug weiter beschäftigt werden. Beide Hundeführerinnen betonen, wie bereichernd die Arbeit mit den Spürhunden ist. «Sie fördert die Selbstständigkeit und das Selbstbewusstsein des Hundes und zeigt ihm, wo seine Stärken sind.»

