Anlaufschwierigkeiten
19.06.2026 GelterkindenTagesstrukturen werden zu wenig genutzt
Die Gelterkinder Rechnung 2025 profitiert von einer guten Wirtschaftslage und weist einen Überschuss von 954 500 Franken auf. Die schulergänzenden Tagesstrukturen kommen dagegen nicht richtig vom Fleck und mussten bereits angepasst ...
Tagesstrukturen werden zu wenig genutzt
Die Gelterkinder Rechnung 2025 profitiert von einer guten Wirtschaftslage und weist einen Überschuss von 954 500 Franken auf. Die schulergänzenden Tagesstrukturen kommen dagegen nicht richtig vom Fleck und mussten bereits angepasst werden.
Sander van Riemsdijk
Gute Nachrichten aus der Gelterkinder Finanzpolitik waren in den vergangenen Jahren eher selten. An der Gemeindeversammlung vom Mittwoch war es anders. Dank einer guten Wirtschaftslage konnte Gemeinderat und Finanzchef Urs Dünner bei einem Ertrag von 31,5 Millionen Franken mit einem Überschuss von fast 1 Million Franken den 75 anwesenden Stimmberechtigten eine erfreuliche Jahresrechnung präsentieren. Damit wurde die finanzielle Prognose um satte 823 000 Franken übertroffen.
Positive Faktoren für das Resultat zeigten sich in den Bereichen Soziale Sicherheit, Bildung sowie insbesondere beim höheren Steuerertrag von 1,1 Millionen Franken. Nichtdestotrotz erhöht sich die Verschuldung der Gemeinde auf 31,15 Millionen Franken, was bei einer Einwohnerzahl von 6556 Personen umgerechnet eine nicht geringe Verschuldung von 4751 Franken pro Einwohner bedeutet. Der Souverän stimmte der Jahresrechnung einstimmig zu.
Magere Bilanz
Zum ersten Mal informierte Gemeinderat Matthias Schürch die Versammlung über das Pilotprojekt 2025 bis 2028 zu schulergänzenden Tagesstrukturen im «Lindenhof». Er zog eine magere Bilanz: Nicht nur die Belegung mit durchschnittlich 15 Kindern am Mittagstisch blieb unter den Erwartungen, auch bei den neu eingeführten Nachmittagsmodulen mit durchschnittlich zwischen 11 und 12 Kindern wurde das Ziel verfehlt – wenn auch knapp. Noch düsterer sieht es bei den Planzahlen der Ferienangebote aus, die statt der erwarteten 14 Kinder von nur 3 bis 4 Kindern in Anspruch genommen wurden.
Der Gelterkinder Gemeinderat sah schon früh Handlungsbedarf. Er entschied sich für mehrere Anpassungen, unter anderem beim Pensum der Leiterin. Zudem senkte er die Modulkosten für das zweite Betriebsjahr. Damit einher geht die Hoffnung auf eine gesteigerte Attraktivität des Angebots und mehr Anmeldungen. Zudem wurden die Tagesstrukturen organisatorisch und führungsmässig neu der Gemeindeverwaltung unterstellt.
Im ersten Betriebsjahr wird der Aufwand voraussichtlich leicht über den Planungszahlen und der Ertrag deutlich darunter liegen, sagte Matthias Schürch:Ausgaben von 255 000 Franken stünden Einnahmen von knapp 150 000 Franken gegenüber. Nach zwei Betriebsjahren wird das Pilotprojekt vollumfänglich beurteilt. Dann wird sich zeigen, ob die getroffenen Massnahmen wirksam waren.
Ebenso präsentierte der Gemeinderat das neue Reglement über die familienergänzende Kinderbetreuung, das «sich grundsätzlich bewährt hat», so Schürch. Das sah die Versammlung ebenso und stimmte dem neuen Reglement mit einer Gegenstimme deutlich zu.
Neue Logopädie-Vereinbarung
Seit den 1980er-Jahren führt Gelterkinden einen Logopädischen Dienst, dem sich seinerzeit 14 Gemeinden angeschlossen hatten. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen haben sich seither stark verändert und der gültige Vertrag aus dem Jahr 1987 ist veraltet. Deshalb hat sich 2018 eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Gemeinderäten von vier Vertragsgemeinden, aufgemacht, die gut 30-jährigen Dokumente zu prüfen. Seitens einiger Vertragsgemeinden wurde dabei kritisiert, die Abrechnung sei zu wenig transparent und nicht mehr zeitgemäss.
Einige Gemeinden sind unterdessen aus dem Vertrag ausgestiegen, und als die Gemeinde Kienberg kürzlich den Vertrag auf das Jahr 2027 kündigte, wurde dies zum Anlass genommen, einen neuen Logopädie-Vertrag abzuschliessen. Aufgrund der Berechnungen, die in Zukunft hauptsächlich verursachergerecht erfolgen, werden die Kosten für den Logopädischen Dienst grösseren Schwankungen unterliegen als bisher. Gelterkinden rechnet im Mehrjahresschnitt jedoch mit ungefähr gleich hohen Kosten wie bis anhin.
Die neue Vereinbarung über den Logopädischen Dienst wurde zusammen mit der Ermächtigung für den Gemeinderat, mit interessierten Gemeinden den Vertrag zu unterzeichnen, einstimmig angenommen. Um 20.30 Uhr konnte Gemeindepräsident Christoph Belser die Versammlung zeitig abschliessen.

