Angekommen um anzupacken
16.04.2026 KulturSeit 100 Tagen ist Markus Eigenmann als Bildungsdirektor im Amt
Markus Eigenmann hat sich eingearbeitet – nun legt der neue Baselbieter Regierungsrat seine Prioritäten fest. Im Fokus stehen bessere Sprachkompetenzen, eine Stärkung der Regelschule und die steigenden Kosten ...
Seit 100 Tagen ist Markus Eigenmann als Bildungsdirektor im Amt
Markus Eigenmann hat sich eingearbeitet – nun legt der neue Baselbieter Regierungsrat seine Prioritäten fest. Im Fokus stehen bessere Sprachkompetenzen, eine Stärkung der Regelschule und die steigenden Kosten im Bildungswesen.
Pascal Kamber
Drei Monate lang war es bemerkenswert ruhig rund um die Baselbieter Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion (BKSD). Nun hat ihr Vorsteher, der neue Baselbieter Regierungsrat Markus Eigenmann, diese Funkstille höchstpersönlich gebrochen. Gestern blickte der 55-jährige Arlesheimer in der Kantonsbibliothek in Liestal auf seine ersten 100 Tage im Amt zurück. Die ungewohnte Ruhe sei ihm nicht ungelegen gekommen, gestand er schmunzelnd. «Es war eine arbeitsreichen Zeit, in der ich viel gelesen und zugehört habe», sagte Eigenmann. Die Intensität, welche die Arbeit als Regierungsrat mit sich bringe, habe ihn als ehemaligen Arlesheimer Gemeindepräsidenten weniger überrascht, sondern vielmehr die Vielfalt der Themen. «Das macht es aber auch attraktiv. Zudem komme ich mit vielen Menschen in Kontakt, das ist ein grosses Privileg», so Eigenmann. Vertraut machen musste er sich auch mit den Abläufen in der Kantonsverwaltung und der Landratssitzungen: «Mittlerweile bin ich aber im Amt angekommen und es macht grossen Spass.» Bei seinem ersten grossen Auftritt stellte der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektor die Bildung in den Vordergrund. Hier bestehe wegen Auswirkungen auf die Kantonsfinanzen und dem überregionalen Kontext der dringendste Handlungsbedarf. «Bildung ist ein Standortfaktor. Wir investieren viel Geld, deshalb sollten wir auch die grösstmögliche Wirkung erzielen», konstatierte Eigenmann. Den Hebel ansetzen will er bei den Fremdsprachenkompetenzen – auch aus persönlichem Interesse: «Französisch liegt mir am Herzen. Ich habe fünf Jahre in Lausanne studiert und gelebt.» Heute sehe er die berufliche Wichtigkeit, und als Schweizerin oder Schweizer bringe einem eine zweite Sprache auch international Vorteile.
Von vielen Faktoren abhängig
Aus diesem Grund will Eigenmann das «Sprachenkonzept Volksschule» weiterentwickeln: Schülerinnen und Schüler sollen nach der obligatorischen Schulzeit vor allem in Französisch, aber auch in Englisch besser abschneiden. «Der Startzeitpunkt allein ist nicht matchentscheidend», sagte der Bildungsdirektor. Für den Lernerfolg spielten auch die Kompetenzen der Lehrpersonen eine Rolle – etwa, wie viel man mit der Sprache umgehe und wie der Unterricht gestaltet sei. Den Lehrpersonen die alleinige Schuld in die Schuhe schieben wollte Eigenmann indes nicht: «Sie machen einen tollen Job unter den Voraussetzungen, die sie haben.» Wo geschraubt werden soll, will Eigenmann basierend auf einer umfangreichen Studie zur Standortbestimmung entscheiden. Die Ergebnisse der Studie lägen bereits vor, der Bildungsdirektor möchte aber koordiniert mit den anderen Nordwestschweizer Kantonen vorgehen. Noch dieses Jahr soll laut Eigenmann ein Bericht der Erziehungsdirektorenkonferenz vorliegen, die derzeit den Spielraum des Harmos-Konkordats «auslotet». Mit einer Umsetzung der kantonalen Massnahmen rechne er ab 2030.
Ein weiteres Sorgenkind im Baselbieter Bildungswesen ist die zu tiefe Tragfähigkeit der Regelschule. Von 2020 bis 2024 stieg die Anzahl der Sonderschülerinnen und Sonderschüler im Baselbiet um 39 Prozent. In diesem Zeitraum wuchsen die Sonderschul-Kosten von 59 auf mehr als 88 Millionen Franken. Dies wegen komplexerer Fälle und der fortschreitenden Teuerung, hauptsächlich aber wegen mehr Zuweisungen. «Die Gesellschaft ist heute eine andere als vor 20 Jahren», mutmasste Eigenmann über die Ursachen. Heute sei ein ausgeprägter Graubereich vorhanden: «Wenn nicht klar ist, ob ein Kind einen Sonderschulstatus benötigt oder ob es mit den bestehenden Mitteln in der Regelschule adäquat gefördert werden kann, besteht heute eher die Tendenz, das Kind in die Sonderschule zu schicken.» Um die steigenden Ausgaben zu dämpfen, soll die Regelschule bis 2029 mehr sonderpädagogische Kompetenz erhalten, beispielsweise mit der Stärkung des Schulpsychologischen Dienstes.
Als dritten Schwerpunkt nannte Eigenmann die Finanzierung der Universität Basel. Er betonte, an der Trägerschaft durch das Baselbiet festhalten zu wollen: «Die Universität ist wichtig für die Region. Sie soll finanzielle Stabilität haben und wissen, woran sie ist.» Aus diesem Grund wolle das Baselbiet die Kostenverteilung zusammen mit dem Kanton Basel-Stadt überprüfen. Im Fokus liege dabei die Quantifizierung des Standortvorteils, den der Stadtkanton bereits mit höheren Zahlungen an die Universität abgelte. Eine gerechte Beteiligung konnte Eigenmann nicht beziffern: «Dazu fehlen mir noch die Grundlagen. Zuerst müssen wir uns auf ein Modell einigen, hinter dem beide Kantone stehen können.» Auch bei den Beiträgen von Nicht-Universitäts-Kantonen will Eigenmann über die Bücher. «Sie zahlen zu wenig für ihre Studentinnen und Studenten», sagte er.
Folgt bald der Wechsel?
Abschliessend betonte Markus Eigenmann nochmals, dass er eine sehr gut aufgestellte Direktion mit engagierten Mitarbeitenden angetroffen habe. «Mit diesen Strukturen kann ich arbeiten, ich muss nicht alles auf den Kopf stellen», so der Arlesheimer. Ob er sich auch nach dem 1. Oktober den Herausforderungen im Baselbieter Bildungswesen stellen wird, ist aber nicht in Stein gemeisselt. Nach dem angekündigten Rücktritt von Baudirektor Isaac Reber wird gemunkelt, dass FDP-Politiker Eigenmann – diplomierter Elektroingenieur ETH und Unternehmer – das BKSD bereits wieder verlassen könnte. «Man weiss nie, was passiert, bis alle Posten besetzt sind. Am Ende entscheidet die Gesamtregierung», gab sich Eigenmann diplomatisch, um dann keinen Hehl daraus zu machen, wie es für ihn in der Baselbieter Exekutive weitergehen soll: «Ich fühle mich wohl in meiner Direktion und habe einen grossen Aufwand betrieben, um mich zu vernetzen. Ein Direktionswechsel liegt für mich deshalb nicht an vorderster Stelle.»


