An Tagen wie diesen
23.06.2026 PolitikDaniel Meier, Gemeindepräsident Buckten, parteilos
Die heisse Luft legt sich bleiern auf meine Glieder, während ich im Garten sitze und nach einem guten Essen einen Kaffee trinke, um meine Motivation zum Schreiben dieser Kolumne etwas zu erhöhen – ...
Daniel Meier, Gemeindepräsident Buckten, parteilos
Die heisse Luft legt sich bleiern auf meine Glieder, während ich im Garten sitze und nach einem guten Essen einen Kaffee trinke, um meine Motivation zum Schreiben dieser Kolumne etwas zu erhöhen – oder den Start dazu noch etwas zu verzögern.
Mein Blick schweift über den Garten, welcher förmlich nach Arbeit ruft. Dafür ist es in diesen Hitzetagen aber definitiv zu heiss, das kann ich getrost sein lassen. Die Hängematte unter dem Schatten spendenden Baum lädt ein, den längsten Tag des Jahres in seiner vollen Pracht noch etwas zu geniessen. Was für ein Sommer-Wochenende! Ferienstimmung macht sich breit und mir geht ein Lied der «Toten Hosen» durch den Kopf. «An Tagen wie diesen» bringt meine Stimmung gut auf den Punkt. Der Liedtext beschreibt zwar nicht einen ruhigen Garten, sondern handelt von der Freude an Rhythmus und Musik, vom Gedränge der Menschenmenge, davon, dass alles laut ist und alle drauf und dran sind durchzudrehen; also wohl von einem sommerlichen Musikfestival. Und dann ist da eben diese Beschreibung eines Glücksgefühls, das man immer behalten möchte: «An Tagen wie diesen wünscht man sich Unendlichkeit» und «kein Ende in Sicht». Ja genau, das möchte ich jetzt.
Diesen Wunsch, die Zeit anzuhalten und die wunderbare Stimmung ewig zu behalten, kennen wir wohl alle. Doch nicht alle erleben die gleiche Situation als glücklich machend, es gibt auch endloses Leiden. Dies zeigt sich gerade auch in diesen Tagen, wo die grosse Hitze vielen Leuten zu schaffen macht, weil sie trotzdem hart arbeiten müssen und ihr nicht ausweichen können. Als Kind waren für mich solche Sommertage ein Traum, doch irgendwann kam dann nach x Tagen in der Badi auch die Ernüchterung, die Langeweile der langen Sommerferien machte sich breit. Heute geht es uns als Erwachsenen nicht besser. Mit der Zeit verliert manches an Reiz und wir suchen nach neuen Erlebnissen. Nach dem olympischen Motto «schneller, höher, stärker» suchen wir ständig nach Verbesserung, sei es bei der Arbeit, beim Sport oder auch in den Ferien, wo neue, exotische Destinationen locken.
Ist man unglücklich, so ist das Streben nach Veränderung selbstverständlich. Die Zeit anzuhalten, ist längerfristig aber auch für die Glücklichen keine Lösung. Die Menschheit hatte zwar schon immer den Traum vom ewigen Leben, vom Jungbrunnen. Und heute sind diverse Tech-Milliardäre geradezu besessen davon, gesund und ewig zu leben. Wer die finanziellen Möglichkeiten hat, versucht mit allen erdenklichen Methoden und Eingriffen das Leben zu verlängern, respektive das wahre Alter zu vertuschen. Abgesehen davon, dass sich dies nur ein kleiner Teil der Menschheit leisten kann, ist Unsterblichkeit aus meiner Sicht auch nicht erstrebenswert. Ewiges Leben führt zwangsläufig zur Langeweile und Freudlosigkeit, erlebt und fühlt man doch dauernd das Gleiche. Der Alterungsprozess und letztlich unsere Sterblichkeit sind zwar schwer zu akzeptieren, aber sie gehören zum Leben. Nur durch Veränderung und Loslassen kann Neues entstehen. Den Glücksmoment im sommerlichen Garten kann ich trotzdem ausgiebig geniessen.
In der «Carte blanche» äussern sich Oberbaselbieter National- und Landratsmitglieder sowie Vertreterinnen und Vertreter der Gemeindebehörden zu einem selbst gewählten Thema.

