An Lehrbuch mitgeschrieben
18.08.2026 Gelterkinden, BaselPhysiotherapeutin Ursula Biland ist Co-Autorin eines umfassenden Buchs zur MS
Ein neues Lehrbuch mit dem Titel «Multiple Sklerose verstehen und behandeln» ist am Freitag in Basel vorgestellt worden. Die auf neurologische Erkrankungen spezialisierte Physiotherapeutin Ursula ...
Physiotherapeutin Ursula Biland ist Co-Autorin eines umfassenden Buchs zur MS
Ein neues Lehrbuch mit dem Titel «Multiple Sklerose verstehen und behandeln» ist am Freitag in Basel vorgestellt worden. Die auf neurologische Erkrankungen spezialisierte Physiotherapeutin Ursula Biland-Thommen aus Gelterkinden ist Mitautorin des Buchs.
Jürg Gohl
Einen kurzen Moment wurde es emotional. Als die beiden Herausgeberinnen Regula Steinlin Egli und Ursula Biland-Thommen ihren Familien für den Rückhalt und die Unterstützung dankten, versagte beiden kurz die Stimme. Diese Szene liess die Gäste an der Buchvernissage im Universitätsspital vom vergangenen Freitag erahnen, welche Last den beiden Gastgeberinnen von der Schulter gefallen sein muss, als sie ihr gemeinsames Werk mit dem Titel «Multiple Sklerose verstehen und behandeln» vorstellten.
Als interessierter Gast sass sogar Prof. Dr. Ludwig Kappos, ein führender Neurologe, für einmal auf einem der Klappstühle des Hörsaals. Der Wissenschaftler hat das Geleitwort zum neuen Buch beigesteuert. Darin dankt er den beiden Autorinnen und wünscht sich, dass sich das Buch für Physiotherapeutinnen und -therapeuten in der Ausbildung als «unentbehrliche Begleiterin» erweisen wird. Auch weist er neben der Forschung und der ärztlichen Betreuung der Physiotherapie eine ebenbürtige Rolle zu.
In erster Linie Lehrbuch
Am Fuss der Titelseite ist zwar bescheiden «2. Auflage» vermerkt. Die erste Auflage, welche die Binningerin Regula Steinlin noch alleine herausgegeben hat, ist aber bereits vor 15 Jahren erschienen. Inzwischen hat sich in der Forschung sehr viel getan, und es wurden weit wirksamere Medikamente gegen das Leiden entwickelt, das meist erst schubförmig und danach schleichend das Nervensystem beschädigt. Multiple Sklerose wird oft als «Krankheit der 1000 Gesichter» bezeichnet, weil sie sich mit verschiedenen Symptomen bemerkbar macht, die unterschiedlich kombiniert sind. Seit 2011 konnte sich die Physiotherapie für MS-Betroffene nachhaltiger etablieren.
Im Unterschied zur Erstauflage zeichnet im neuen Buch Ursula Biland-Thommen aus Gelterkinden als Co-Herausgeberin. Sie ist in ihrer Wohngemeinde Mitinhaberin einer Physiotherapie-Praxis, die auf neurologische Krankheiten spezialisiert ist. Ursula Biland ist in diesem Bereich zudem an der Universität Basel als Fachexpertin und Dozentin tätig. Entsprechend verstehen die beiden Autorinnen ihr Werk in erster Linie als Lehrbuch für angehende Physiotherapeutinnen, die sich auf das Behandeln neurologischer Erkrankungen fokussieren. Sich hier auf die weibliche Form zu beschränken ist statthaft, weil die Fachgruppe Physiotherapie bei MS aktuell 122 Physiotherapeutinnen und nur vier -therapeuten zählt.
Bald veraltet?
Ohne die Anhänge am Schluss umfasst das Buch 400 Seiten. Nach Beiträgen namhafter Neurologen zum Stand der Forschung werden mehrere (anonymisierte) Fallbeispiele geschildert sowie allerlei Hilfsmittel und Gehhilfen mit ihren Vor- und Nachteilen vorgestellt. Auch auf alternative Formen wie Wasser- oder Pferdetherapie wird eingegangen. Spezielle Übungen bilden einen wesentlichen Bestandteil des Lehrbuchs. Sie sind immer wieder mit «Tipps aus der Praxis» ergänzt. Das dürfen sich die beiden Autorinnen auch anmassen, vereinen sie nicht weniger als 72 Jahre Berufserfahrung.
Geht es nach Ursula Biland, so sollen bis zur dritten Auflage nicht wieder 15 Jahre ins Land ziehen. Sie hoffe, sagt die Oberbaselbieterin etwas überraschend, dass die Nummer zwei sehr schnell veraltet sei. Denn das würde bedeuten, dass man in der Forschung, aber auch in der Therapie erneut grosse Fortschritte erzielt habe.

