Alterssiedlung findet Bauland
07.05.2026 SissachGrundstück für Neubau an zentraler Lage
Die Genossenschaft Alterssiedlung Sissach muss zugunsten des Altersheims Ende 2031 ihr Mehrfamilienhaus beim Altersheim aufgeben. Ganz in der Nähe hat sie ein Grundstück für einen Ersatzneubau gefunden. Jetzt sucht sie ...
Grundstück für Neubau an zentraler Lage
Die Genossenschaft Alterssiedlung Sissach muss zugunsten des Altersheims Ende 2031 ihr Mehrfamilienhaus beim Altersheim aufgeben. Ganz in der Nähe hat sie ein Grundstück für einen Ersatzneubau gefunden. Jetzt sucht sie weitere Genossenschafter und günstige Darlehen.
Christian Horisberger
Wenige Schritte von Arztpraxen, Läden und einem lebendigen Ortszentrum entfernt und ein paar mehr vom Bahnhof befindet sich die Liegenschaft, mit der die Genossenschaft Alterssiedlung Sissach (GASS) einst ihre Tätigkeit aufgenommen hat. Einen besseren Standort für Alterswohnungen gibt es kaum. Entsprechend stark war der Schock für die Verantwortlichen und Mieter der Genossenschaft, als der Gemeinderat im vergangenen Oktober entschied, den Baurechtsvertrag für das Grundstück nicht über das Jahr 2031 hinaus zu verlängern. Den aktuellen Ausbauwünschen des Zentrums Mülimatt wurde der Vorrang gegeben. Der 1969 erbaute Wohnblock mit 18 Alterswohnungen muss weichen.
Die Genossenschaft hatte sich vor der Hiobsbotschaft aus dem Gemeindehaus aufgrund der grossen Nachfrage noch mit dem Gedanken getragen, ihr Wohnungsangebot auszubauen. Nun steht sie vor der Aufgabe, ihren Wohnungsbestand zu erhalten, um Kündigungen vermeiden zu können (die «Volksstimme» berichtete).
Glückliche Fügung
Aufgrund der neuen Ausgangslage hat der Vorstand im Herbst in seinem Wunschgebiet mögliche Grundstücke evaluiert und deren Eigentümer angefragt, ob für sie ein Verkauf infrage kommt. Wenige Wochen nach der Kündigung die glückliche Fügung: «Am Herbstmarkt wurde ein Vorstandsmitglied von einer Miteigentümerin auf ein zum Verkauf stehendes Grundstück angesprochen, das sich nur etwa 100 Meter vom heutigen Gebäude entfernt befindet», berichtet GASS-Präsidentin Martina Chrétien der «Volksstimme». Sofort wurden Nägel mit Köpfen gemacht. Am 30. April konnte der Vorstand den Kaufvertrag über das Grundstück unterzeichnen und an der Generalversammlung vom Dienstag den Mitgliedern der Genossenschaft die Neuigkeit verkünden.
Beim Bauland handelt es sich um die Parzelle 477 am Teichweg und an der Mühlegasse, alt eingesessenen Sissachern bekannt als das «Rieder-Land». Das Grundstück in der WG2/ K-Zone (zwei Vollgeschosse, Gewerbeund Wohnnutzung, Kernzone) hat eine Fläche von 2331 Quadratmetern und ist heute mit einem Wohnhaus, einem Carport und einem Schuppen bebaut.
Der parkähnliche Garten wird beschattet von mächtigen Bäumen. Die Gebäude sind mit dem Landkauf ebenfalls ins Eigentum der Genossenschaft übergegangen, wobei die vormaligen Eigentümer sowie eine eingemietete Partei alle als Mieter im Haus verbleiben können, wie Chrétien betont.
Der Neubau ist auf der Südseite des Grundstücks, am Teichweg, vorgesehen. Das bestehende Mehrfamilienhaus wird nicht tangiert. Gemäss einer Machbarkeitsstudie soll ein Gebäude mit zonenkonformem Satteldach und voraussichtlich 15 2,5- und 3-Zimmer-Wohnungen im Erd-, Ober- und Dachgeschoss entstehen. Die Wohnflächen liegen laut Chrétien zwischen 45 und 60 Quadratmetern.
Investition von 8 bis 9 Millionen
«Die Verkäufer sind uns beim Preis wegen unserer gemeinnützigen Tätigkeit entgegengekommen», sagt die Präsidentin dankbar, «bei einem profitorientierten Investor hätten sie sicher mehr herausholen können.» Dennoch bleiben die Kosten für die GASS erheblich. Die Gesamtinvestitionen dürften sich inklusive des Landkaufs auf 8 bis 9 Millionen Franken belaufen.
Die Monatsmieten im Altbau betragen heute 900 bis 1200 Franken. Für einen Neubau seien solche Beträge jedoch unrealistisch. Die Genossenschaft strebe Mietpreise von unter 1400 Franken an, sagt Martina Chrétien. Um dieses Ziel zu erreichen, sei die GASS auf möglichst viele Eigenmittel angewiesen, damit die Zinsbelastung tief gehalten werden kann. Deshalb benötigt sie weiteres Genossenschaftskapital sowie günstige Darlehen. Ausserdem erhofft sie sich eine möglichst hohe Entschädigung für die Altliegenschaft, die mit dem Ende des Baurechtsvertrags ins Eigentum der Gemeinde Sissach übergeht. Die Verhandlungen über die sogenannte «Heimfallentschädigung» seien mit Schätzungen des Marktwerts des Hauses von beiden Parteien bereits angelaufen und dürften Ende des Jahres zum Abschluss kommen, wie Chrétien sagt. Zur Grössenordnung der Entschädigung macht sie keine Angaben.
Die Gemeinde Sissach hat die GASS nach dem Nackenschlag nicht alleine gelassen: «Sie bot uns an, den Verkauf eines Grundstücks am Bützenenweg an die Genossenschaft Alterssiedlung zu prüfen», so die Präsidentin. Dort hätte die Möglichkeit bestanden, über den Ersatz der verlorenen Wohnungen hinaus zusätzliche Wohnungen zu schaffen, was nun auf dem «Rieder-Land» unrealistisch sei. Doch haben die Nähe zum Zentrum und die Unabhängigkeit von einem Baurecht den Ausschlag zugunsten dieses Grundstücks gegeben. Mit der gefundenen Lösung ist Martina Chrétien rundum zufrieden. Denn durch den früh erfolgten Grundstückserwerb habe die Genossenschaft ausreichend Zeit für Planung und den Bau, damit die Mieterinnen und Mieter bis Ende 2031 sicher in ihr neues Heim einziehen können.

