«Alte Wacht» soll verkauft werden
11.06.2026 WaldenburgGemeinderat will die leer stehende Liegenschaft wieder abstossen
Die Zukunft der «Alten Wacht» beschäftigt erneut die Waldenburger Stimmberechtigten. Der Gemeinderat beantragt den Verkauf des historischen Gebäudes und verweist auf fehlende Nutzungsmöglichkeiten ...
Gemeinderat will die leer stehende Liegenschaft wieder abstossen
Die Zukunft der «Alten Wacht» beschäftigt erneut die Waldenburger Stimmberechtigten. Der Gemeinderat beantragt den Verkauf des historischen Gebäudes und verweist auf fehlende Nutzungsmöglichkeiten sowie die angespannte Finanzlage.
Pascal Kamber
Das «Stedtli» Waldenburg strotzt nur so vor historischen Gebäuden. Eines davon ist die «Alte Wacht», und um sie geht es bei der Einwohnergemeindeversammlung am kommenden Montag. Gemäss den Unterlagen beantragt der Gemeinderat jetzt, die Liegenschaft für 230 000 Franken zu verkaufen. Neu ist das Vorhaben nicht: Bereits bei der Festlegung der Legislaturziele für die Jahre 2016 bis 2020 beschloss der Gemeinderat, ungenutzte Liegenschaften zu veräussern – damals noch zum Preis von 270 000 Franken. Damit sollte der angeschlagene Finanzhaushalt entlastet werden.
Im September 2017 stimmten die Einwohnerinnen und Einwohner des «Stedtli» dem Verkauf zu. Weil sich für die «Alte Wacht» jedoch kein Käufer fand, übernahm der Verein «Waldenburg belebt» das Zepter. Im Rahmen einer Zwischennutzung entstand das «Lädeli und Kaffi Alte Wacht», das sich rasch zu einem beliebten Treffpunkt entwickelte.
Unterdessen ist der neu gegründete Verein «Lädeli und Kaffi Alte Wacht» in die Räume des ehemaligen Bezirksgerichtsgebäudes umgezogen und betreibt dort gemeinsam mit dem Verein «Kulturraum Waldenburg» Angebote für Kultur, Kaffee und «Secondhand». Seit vergangenem Januar steht die «Alte Wacht» deshalb leer. Die Idee, im Gebäude Asylsuchende unterzubringen, zerschlug sich schnell. «Um die entsprechenden Anforderungen zu erfüllen, hätten wir die Liegenschaft sanieren müssen. Das kostet viel Geld, das wir aber nicht haben», erklärt Waldenburgs Gemeindepräsidentin Andrea Sulzer: «Weitere Nutzungsmöglichkeiten bestehen nicht.»
Stimmt die Versammlung am Montag dem neuerlichen Antrag zu, die Liegenschaft zu veräussern, wird der Gemeinderat gleichzeitig ermächtigt, die «Alte Wacht» zum bestmöglichen Preis zu verkaufen – sofern sich kein Käufer für die geforderten 230 000 Franken findet. Dass das historische Gebäude stark unter Wert über den Tisch geht, hält Andrea Sulzer für unwahrscheinlich: «Es müsste schon viel passieren, damit wir das zulassen.»
Auflagen an die Käuferschaft seien keine vorgesehen, betont Sulzer. Weil sich die «Alte Wacht» am «Stedtli»-Eingang gegenüber der Kirche befindet, hofft der Gemeinderat aber, dass die nötige Sanierung im Einklang mit der Denkmalpflege über die Bühne geht. «Die ‹Alte Wacht› ist ein historisch wertvolles Gebäude und soll ihre Ausstrahlung bewahren. Uns ist aber bewusst, dass wir bei diesem Anliegen auf das Wohlwollen der Käuferschaft angewiesen sind», sagt Andrea Sulzer.
Am Sparkurs festhalten
Trotz der längeren Vorgeschichte erwartet die Gemeindepräsidentin keine kontroverse Diskussion. «Es gibt keine sachlichen Gründe, die gegen einen Verkauf sprechen. Ausserdem haben die Einwohnerinnen und Einwohner diesen bereits einmal beschlossen», sagt Sulzer. Gleichzeitig verweist sie auf die finanziell angespannte Lage der Gemeinde: «Wir sind darauf angewiesen, die Liegenschaft zu verkaufen.»
Weil sich die «Alte Wacht» bereits im Besitz der Gemeinde befindet, hätte ein Verkaufserlös von 230 000 Franken allerdings keinen Einfluss auf die Erfolgsrechnung, er widerspiegelt sich bloss in der Bilanz. «Er würde aber unsere Liquidität verbessern», erklärt Sulzer. Erst wenn die «Alte Wacht» über ihrem Buchwert verkauft werden kann, würde der daraus resultierende Gewinn zum Abbau des Bilanzfehlbetrags verwendet.
Unabhängig davon, wie die Zukunft der «Alten Wacht» aussieht, sind die schwierigen Zeiten für Waldenburg also noch nicht vorbei. Daran ändert auch der Ertragsüberschuss von rund 72 000 Franken nichts, den die Jahresrechnung 2025 ausweist. «Wir sind auf einem guten Weg, aber es braucht weiterhin Ausgabendisziplin. Darauf werden wir die nächsten fünf Jahre hinweisen müssen», sagt Andrea Sulzer. Nur so könne Waldenburg langfristig auf gesunden Beinen stehen.

