Alte Mauern und neue Perspektiven
12.06.2026 SissachNach der Sanierung verbindet das Pfarrhaus Geschichte und zeitgemässes Wohnen
Nach fast zwei Jahren Bauzeit ist die Sanierung des Läufelfinger Pfarrhauses nahezu abgeschlossen. Das über 500 Jahre alte Gebäude wurde denkmalgerecht restauriert, technisch modernisiert und ...
Nach der Sanierung verbindet das Pfarrhaus Geschichte und zeitgemässes Wohnen
Nach fast zwei Jahren Bauzeit ist die Sanierung des Läufelfinger Pfarrhauses nahezu abgeschlossen. Das über 500 Jahre alte Gebäude wurde denkmalgerecht restauriert, technisch modernisiert und in zwei Wohnungen umgebaut – bei Kosten von 1,2 Millionen Franken.
Christian Horisberger
Die Fassade ist aufgefrischt, der Vorplatz befestigt, der 50 Meter lange Gartenzaun von Efeu befreit und erneuert und die mächtige Birke im Garten gefällt. Jetzt hat das Pfarrhaus von Läufelfingen vom Dorf aus betrachtet wieder die herrschaftliche Wirkung, die ihm bei seinem Bau vor mehr als 500 Jahren zugedacht war.
Die Stiftung Kirchengut hat das imposante Gebäude vor der Kirche in den vergangenen zwei Jahren nicht nur äusserlich aufgewertet, sondern auch dessen Inneres umfassend renoviert und die Haustechnik auf den neuesten Stand gebracht. Ausserdem wurden das 1491 erbaute Pfarrhaus und der Anbau von 1588, die später mit Mauerdurchbrüchen verbunden worden waren, wieder getrennt: vier Durchgänge wurden zugemauert. So konnten im bis 2024 ausschliesslich von der Läufelfinger Pfarrfamilie genutzten Pfarrhaus zwei Wohnungen geschaffen werden, die nach einer Zusammenarbeitsvereinbarung der Kirchgemeinden Läufelfingen und Rümlingen an Private vermietet werden. «Mit dieser Trennung sind wir wieder näher an der ursprünglichen Struktur der beiden Häuser», erklärt Architekt Thomas Mangold, der von der Stiftung Kirchengut als Eigentümerin des Pfarrhauses mit der Sanierung betraut worden ist.
Zurück zu ursprünglicher Struktur
Durch das Verschliessen der Durchgänge von Haus zu Haus hätte im angebauten Hausteil die Erschliessung zwischen den Stockwerken gefehlt. Daher wurde eine neue Treppe erstellt. Das Bad wurde in einem Raum im Obergeschoss eingebaut. An dessen Decke befindet sich eine bemerkenswerte Deckenmalerei. Damit diese historische Kostbarkeit nicht durch Feuchtigkeit beschädigt wird, wurde sie mit Gipsplatten bedeckt – und damit aber auch versteckt. Nach wie vor zu sehen sind die Malereien im angrenzenden Raum, wo sie sich fortsetzen. Ein spezialisiertes Unternehmen habe die Malereien «mit der Pinzette» gereinigt und die Farbpigmente gefestigt.
Das angebaute Haus von 1588 wird als 2,5-Zimmer-Wohnung angeboten und ist laut Mangold für einen Einbis Zweipersonenhaushalt geeignet. Der ältere Hausteil, in dem ein Raum zur Küche umfunktioniert wurde – die bisherige befand sich im anderen Hausteil –, wird auf Immobilienportalen mit 4,5 Zimmern und 144 Quadratmetern Wohnfläche angeboten.
Im 1. Obergeschoss befindet sich ein repräsentativer Raum, der die herrschaftliche Wirkung des Gebäudes unterstreicht. Mit Pfarrhäusern wie diesem, so Mangold, hätten die Basler Herren den Pfarrleuten, die sie in die ländlichen Gemeinden entsandten, das Arbeiten in der Provinz schmackhaft gemacht.
Für Bankette oder Empfänge der einst einflussreichen Pfarrherren dürfte der grosszügige Raum im Obergeschoss einst seine Berechtigung gehabt haben. Im Interesse des höheren Wohnnutzens wurde der Raum mit einer Wand in Leichtbauweise unterteilt und der neue, kleinere Raum mittels Mauerdurchbruch erschlossen – dies mit dem Segen der Hüter historischer Bauten, wie Mangold betont. In manchen Positionen habe die Denkmalpflege sehr klare Vorstellungen, sagt er. Deren Vertreterinnen und Vertreter sähen aber auch ein, dass die Häuser für deren Bewohner auch «funktionieren» müssten. Überhaupt, so Mangold, «ein solches Haus wird über die Jahrhunderte immer wieder verändert und muss auch heute Veränderungen zulassen dürfen».
Neun Farbschichten auf Tür
Die von Mangold angesprochenen Veränderungen manifestieren sich beispielhaft an der Tür, die zum erwähnten repräsentativen Raum führt, wenn dies auch «nur» deren Anstrich betrifft: Im Auftrag der Denkmalpflege hat das auf Restaurierungen spezialisierte Gelterkinder Malergeschäft Buess die Anstriche der Tür analysiert, um Hinweise auf die ursprüngliche Farbigkeit und auf spätere Fassungsphasen zu erhalten. Neun Farbschichten konnten die Restauratoren freilegen und haben diese dokumentiert: «Auffällig ist, dass die ersten vier nachweisbaren Farbschichten oder -fassungen jeweils braune, holzfarbige Töne aufweisen. Darauf folgt eine graue Zwischenfassung (5. Phase), bevor erneut mehrere braune Fassungen appliziert wurden. Erst in der jüngsten Phase wurden zwei helle, weisse Anstriche aufgebracht.» Bei Weiss ist es geblieben.
Nicht nur Denkmalpflege und Restauratoren, auch die Kantonsarchäologie war während der Sanierung, die gegen zwei Jahre dauerte, des Öfteren vor Ort: «Wenn bei den Arbeiten etwas zutage gefördert wurde, das von historischer Bedeutung sein konnte, wurde die Archäologie benachrichtigt», sagt der Projektleiter. Als Beispiel nennt er eine Wand zwischen dem Treppenhaus und der heutigen Küche im Bau von 1491. Hinter einer Gipsschicht sei bemaltes Fachwerk hervorgekommen. Die Archäologinnen und Archäologen hätten die Entdeckung dokumentiert, worauf der Bereich wieder mit einer Gipsplatte bedeckt worden sei. Ausserdem: Bevor am Estrich Hand angelegt werden durfte, musste der Fledermausverantwortliche des Kantons grünes Licht geben. Und bei der Aufwertung des historischen Eingangsbereichs und der klaren Trennung in zwei «Haushälften» habe ein Brandschutzfachmann ein Wörtlein mitgeredet. Die Anliegen aller Gruppen mussten in die Planung einbezogen werden; wo Konflikte bestanden, waren Kompromisse zu finden, was laut Thomas Mangold auch gelungen sei – «zu einem für uns bezahlbaren Preis», ergänzt Martin Innerbichler von der Stiftung Kirchengut als Auftraggeberin der Sanierung.
Jetzt befindet sich die Renovation in den letzten Zügen. Im Inneren fehlen hier noch ein Türrahmen und da ein Pinselstrich. An der Südwestwand steht noch immer ein Baugerüst: Hier wird in der Bruchsteinmauer eine Konstruktion verbaut, durch die im Mauerwerk keine Feuchtigkeit mehr hochsteigt. Mit demselben System sind auch die «im Hang» stehenden Mauern ausgestattet worden.
Kostenrahmen eingehalten
Als die «Volksstimme» vor zwei Jahren über das Sanierungsvorhaben berichtete, betrug der Kostenvoranschlag 1,2 Millionen Franken. Zur Freude von Martin Innerbichler wurde das Budget eingehalten. Ebenso grosse Freude bereite ihm das Ergebnis – von der Wärmepumpe mit Erdsonde, die eine Pelletheizung ablöste, über die gelungene Aufwertung des Eingangsbereichs mit seinen Holzsäulen, die Treppe in den Wohnbereich bis hin zum Vorplatz in Mergeloptik und der nun freien Sicht aufs Haus.
Die Birke davor hat sich laut dem gelernten Forstwart Innerbichler nicht mehr im besten Zustand befunden und hätte in den nächsten fünf bis zehn Jahren ohnehin gefällt werden müssen. Im Zuge der Aufwertung des Pfarrgartens sei die Massnahme lediglich vorgezogen worden. Als Ersatz für die Birke wurden im Garten zwei Hochstamm-Obstbäume gepflanzt. Die junge Linde, die neben dem Pfarrhaus, unterhalb der Kirche, ebenfalls neu gepflanzt worden ist, soll in wenigen Jahrzehnten dazu beitragen, dass das Erscheinungsbild des Ensembles aus Kirche, Pfarrhaus und prägendem Baum nicht allzu stark beeinträchtigt wird, wenn die Tage der alten Kirchlinde einmal gezählt sein werden.
Denkmalpflege zieht positive Bilanz
ch. Die Kantonale Denkmalpflege wertet die Sanierung des Läufelfinger Pfarrhauses insgesamt als gelungen. Positiv bewertet Projektleiter Frank Pütz insbesondere die Bereitschaft der Beteiligten, Planungen immer wieder an neu entdeckte historische Befunde anzupassen. Als besonders wertvoll erachtet die Denkmalpflege die Freilegung und Sicherung der bemalten Balkendecke aus dem 17. Jahrhundert. Diese mache die historische Bedeutung des Raums deutlich besser erkennbar als zuvor. Ebenfalls begrüsst wird, dass auf eine ursprünglich vorgesehene Wohnnutzung eines Teils des Dachstocks verzichtet wurde. Dadurch habe der historische Dachstuhl von einer später angebrachten Innenverkleidung befreit und wieder sichtbar gemacht werden können.
Die grösste Konzession aus denkmalpflegerischer Sicht sei die Aufteilung des Gebäudes in zwei separate Wohnungen gewesen. Dadurch wurden bauliche Eingriffe notwendig. Ziel der Denkmalpflege sei jedoch nicht, einen bestimmten historischen Zustand «einzufrieren», betont Pütz. Vielmehr gehe es darum, eine zeitgemässe Nutzung zu ermöglichen und dabei den Denkmalwert möglichst zu bewahren. Diesen sieht die Denkmalpflege durch die Sanierung nicht geschmälert. Die historische Struktur und die Baugeschichte des Hauses seien weiterhin nachvollziehbar. Zudem seien die neuen Einbauten grundsätzlich reversibel und könnten bei Bedarf wieder entfernt werden.
Auch die Neugestaltung des Gartens wird positiv beurteilt. Die neu gepflanzten Hochstamm-Obstbäume entsprächen dem historischen Charakter eines Baselbieter Pfarrhausgartens besser als die entfernten Birken und Nadelbäume jüngeren Datums. Gleichzeitig werde damit die historische Gliederung des Gartens wieder angedeutet.



