Als «Ureinwohner» neu in der Exekutive
20.03.2026 LampenbergUnternehmer Alex Gysin wurde in den Gemeinderat gewählt
Alex Gysin ist als Patron der gleichnamigen Tiefbaufirma aus Hölstein weit über die Lampenberger Gemeindegrenzen hinaus bekannt. Er möchte aus heutiger Sicht fünf Jahre im Gemeinderat bleiben und ...
Unternehmer Alex Gysin wurde in den Gemeinderat gewählt
Alex Gysin ist als Patron der gleichnamigen Tiefbaufirma aus Hölstein weit über die Lampenberger Gemeindegrenzen hinaus bekannt. Er möchte aus heutiger Sicht fünf Jahre im Gemeinderat bleiben und «seinem» Dorf etwas zurückgeben.
Elmar Gächter
Mit einer guten Stimmenzahl wurde Alex Gysin am 8. März in den Gemeinderat von Lampenberg gewählt. Mit ihm zieht ein «Ureinwohner» des Dorfs, wie er im Gespräch mit der «Volksstimme» sich und seine Vorfahren bezeichnet, in die kommunale Exekutive ein. Seine Wurzeln gehen zurück auf mehrere Generationen; Urgrossvater und Grossvater waren hier Förster, sein Vater gelernter Landwirt und später Unternehmer.
«Den Gedanken, für den Gemeinderat zu kandidieren, trage ich als politisch interessierter Einwohner schon längere Zeit in mir. Das berufliche Engagement als Geschäftsführer der Gysin Tiefbau AG hielt mich jedoch bis heute von einer Kandidatur ab. Im Lauf des kommenden Jahres werde ich die Verantwortung für die Firma an die nächste Generation übergeben, sodass der Schritt für mich jetzt passt», hält Alex Gysin fest. Wichtig sei ihm, dass sowohl seine Frau als auch seine beiden Söhne und die Tochter seine Kandidatur unterstützt haben.
Der 61-Jährige stieg erst in den Wahlkampf ein, als neben einer bereits bestehenden Vakanz kurz vor den Wahlen ein zweites Gemeinderatsmitglied zurücktrat und die Wahlunterlagen bereits verteilt waren. «Es war wie eine Art Notsituation, die mich zur Kandidatur bewogen hat.» Dass er weniger Stimmen erhielt als seine neue Kollegin, die erst seit wenigen Monaten im Dorf wohnt, stört ihn nicht und kam für ihn auch nicht überraschend. Wer wie er seit jeher im Dorf wohne und als Macher gelte, habe nicht nur Freunde. «Für mich ist die gute Stimmenzahl jedoch eine schöne Bestätigung, und es hat mich sehr gefreut, dass mir viele zur Wahl gratuliert haben.»
Bürgerlicher mit sozialer Ader
Er wisse zwar noch nicht, was ihn in seinem Amt konkret erwarte. Er möchte sich dort einbringen, wo er mit seinem Wissen etwas bewirken kann. Alex Gysin ist überzeugt, dass ihm dabei sein breites Netzwerk zugutekommt. Er gehört keiner Partei an, bezeichnet sich aber als «bürgerlich mit einer sozialen Ader». «Wir haben einen guten Zusammenhalt und ein problemloses politisches Klima in Lampenberg mit vielen Zuzügerinnen und Zuzügern, die sich für das Dorfleben interessieren und mitmachen.» Dieses funktioniere auch dank der aktiven Vereine, die sich heuer besonders stark für das grosse Dorffest im September engagieren. Er selbst war 25 Jahre lang Mitglied im Musikverein und turnt seit 15 Jahren in der Männerriege.
Zu den grössten Herausforderungen für Lampenberg zählt er gesunde Finanzen. In den vergangenen Jahren sei viel gebaut worden – aus seiner Sicht fast zu viel aufs Mal – und die Bevölkerungszahl sei stark gewachsen. Dies führe vorübergehend zu höheren Kosten bei Bildung und Investitionen. «Dabei darf man sich als Gemeinde durchaus antizyklisch verhalten und in einem gewissen Ausmass auch verschulden, um den Leuten etwas bieten zu können», ist Gysin überzeugt. Noch offen ist das Problem der zu hohen Baulandreserven und der drohenden Rückzonungen. Aus seiner Sicht ist es jedoch lösbar.
Alex Gysin übernimmt als Gemeinderat das Bauwesen mit Baugesuchen, Gebäuden, Fernheizung, Friedhof, Raumplanung, Jagd und Fischerei sowie Forst. Als früherer Bürgerrat, langjähriger Baufachmann und Mitglied der Zonenplankommission sind ihm viele dieser Aufgaben nicht fremd. Das Ressort Tiefbau und Strassenbau, das ihm ebenfalls angeboten wurde, kam für ihn nicht infrage, da es zu eng mit seiner jetzigen Berufstätigkeit verbunden wäre.
Bereits Nachfolger angesprochen
Alex Gysin fällt es leicht, sich in ein Team zu integrieren. Den Teamgedanken pflegt er auch in seinem Betrieb. «Sowohl meine Mitarbeitenden als auch meine Familie sollen ihre Meinung äussern können. Nur so zieht jeder motiviert am gleichen Strick.» Letztlich brauche es jedoch jemanden, der Entscheidungen treffe. «Wenn ich von einem Lösungsvorschlag überzeugt bin, kann ich beharrlich sein», betont er.
Ambitionen, künftig das Gemeinderatspräsidium zu übernehmen, hegt er nicht. «Dies ist für mich überhaupt kein Thema.» Aus heutiger Sicht möchte er sein Mandat fünf Jahre ausüben. Da ihm Kontinuität wichtig ist, hat er bereits über Nachfolgelösungen nachgedacht und jüngere Personen angesprochen. «Ich bin zuversichtlich, dass sich der eine oder die andere für eine Mitarbeit im Gemeinderat interessiert.»
«Bis zur Übergabe meiner Firma im Lauf des kommenden Jahres werde ich mir die nötige Zeit zusätzlich schaffen müssen. Ich freue mich jedoch auf die Aufgaben und darauf, Neues lernen zu können», hält Alex Gysin fest. Der Start in sein öffentliches Amt bezeichnet er als angenehm. Er habe bereits bei der ersten Sitzung gespürt, dass das Umfeld gut sei und man mitgestalten könne.
Etwas hat sich Alex Gysin ausbedungen: Er möchte künftig mehr Freizeit und Ferien zusammen mit seiner Frau verbringen. Gemeindepräsidentin Charlotte Gaugler musste zur Kenntnis nehmen, dass er aus diesem Grund jedes Jahr vier bis sechs Wochen nicht für das Amt zur Verfügung steht. In Anbetracht, dass ein geschätzter Einwohner das Gemeinderatsteam ergänzt, wird ihr dies jedoch keine schlaflosen Nächte bereiten.

