Als in der Schweiz grosse Armut herrschte
06.03.2026 EptingenDer Frauenverein feiert sein 125-Jahre-Jubiläum
«Hilfsbereit den Schwächeren gegenüber» – dieser Grundgedanke führte vor 125 Jahren zur Gründung des Frauenvereins Eptingen. Am Sonntag wird bei einem Brunch mit der Dorfbevölkerung gefeiert und ...
Der Frauenverein feiert sein 125-Jahre-Jubiläum
«Hilfsbereit den Schwächeren gegenüber» – dieser Grundgedanke führte vor 125 Jahren zur Gründung des Frauenvereins Eptingen. Am Sonntag wird bei einem Brunch mit der Dorfbevölkerung gefeiert und der Frauen gedacht, die sich über all die Jahre auf vielerlei Weise für die Dorfgemeinschaft eingesetzt haben.
Brigitte Keller
«Man schrieb das Jahr 1901. Viele Leute lebten damals in grosser Armut. Das bewog die Arbeitslehrerin, Fräulein Fanny Bürgin, zusammen mit Frau Madörin, der Frau des damaligen Lehrers, etwas zu unternehmen, um die grösste Not lindern zu helfen.»
So steht es nachzulesen im Rückblick von 2001 anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Vereins. Das Vorhaben, einen Frauenverein zu gründen, sei im Dorf gut aufgenommen worden, und dieser wurde von einigen Gleichgesinnten am 1. Mai 1901 gegründet. Gemäss Chronik blieb Fanny Bürgin 43 Jahre lang Präsidentin.
Das erste Protokoll sowie der erste Jahresbericht wurden erst im Jahr 1933 schriftlich festgehalten. Der Präsidentin war zuvor je länger je mehr bewusst geworden, dass dringend eine Aktuarin gewählt werden müsste, damit an den Vereinsversammlungen die Beschlüsse oder Anträge schriftlich festgehalten werden konnten: «Denn hin und wieder sei es vorgekommen, dass der Vorstand nach einer Versammlung gar nicht wusste, was eigentlich beschlossen wurde, da alles durcheinander redete.»
Seit 2015 amtet Sonja Degen (63) als Präsidentin. Die ursprünglich aus Langenbruck stammende Bäuerin, die vor über 40 Jahren nach Eptingen kam, betreibt zusammen mit ihrem Mann den Hof Habsen. Sie ist erst die achte Präsidentin in der Vereinsgeschichte. Zu den aktuell knapp 100 Vereinsmitgliedern gehören auch die beiden Vorgängerinnen im Präsidium, Annemarie Maurer und Evi Waser. Das 125-Jahre-Jubiläum feiert der Verein diesen Sonntag bei einem Brunch mit der Dorfbevölkerung in der Mehrzweckhalle. Für die Unterhaltung tragen der Musikverein sowie der Gemischte Chor bei.
Treffpunkt Mittagstisch
Degens Vorgängerin Evi Waser, die von 1997 bis 2015 das Präsidium innehatte, ist auch nach ihrem Rücktritt als Vereinspräsidentin noch sehr aktiv. Sie sei vor 17 Jahren Initiantin des Mittagstisches gewesen, den sie nach wie vor leite. Jeden dritten Donnerstag im Monat werden in der Mehrzweckhalle grosse und kleine Gäste – jeweils rund 60 an der Zahl – begrüsst und von Waser, zusammen mit zwei weiteren Helferinnen, bekocht.
Das Drei-Gänge-Menü für Erwachsene, inklusive Mineral und Kaffee, kostet 15 Franken, für Kinder weniger als die Hälfte davon. Im Winter hilft auch Sonja Degen regelmässig mit. Aktuell würde eine weitere Person gesucht, die Lust und Zeit hätte, das Mittagstisch-Team einmal pro Monat zu ergänzen.
Errungenschaften, die längst als selbstverständlich gelten, sind ursprünglich aus Initiativen aus dem Frauenverein heraus entstanden. Stellvertretend sind an dieser Stelle die Gründung eines Hauspflegevereins von 1954 und die Einführung der Mütterberatung von 1962 erwähnt. Gegenwärtig bietet der Frauenverein, neben dem monatlichen Mittagstisch, Fahrdienste an, organisiert zweimal im Jahr einen Spielnachmittag und betreibt seit 2023 eine Kaffeestube am «Gnussmärt». Im Dezember trifft man sich zum «Adventszauber», und einmal alle zwei Jahre werden auch die Adventsfenster organisiert. Selbstverständlich gehören auch Besuche von Jubilarinnen oder Mitgliedern im Altersheim dazu.
Sonja Degen schätzt auch das alle zwei Jahre stattfindende Talschaftstreffen der Frauenvereinsvorstände im Diegtertal. «Ich finde es schön, dass wir uns austauschen und Ideen weitergeben.» Im Alltag würde sonst ja gerne eher auch einmal gestichelt.
Neue Ideen gesucht
«Schon in den ersten Jahren wurden kleine Reisen unternommen, um miteinander einen vergnüglichen Tag zu erleben. Damit die Reisen nicht zu teuer wurden, nahmen etliche ihren Reiseproviant mit und bestellten im Restaurant (nur) einen Tee oder ein Bier. Für viele Frauen sei es der einzige Tag im Jahr gewesen, an dem sie den Haushaltskram liegenlassen konnten.»
In jüngster Zeit sei das Interesse an den Ausflügen kontinuierlich kleiner geworden, erzählt Sonja Degen mit Bedauern. Der Vorstand sei immer wieder auf der Suche nach neuen Ideen und Aktivitäten, mit denen der Verein seinen Mitgliedern und der Dorfbevölkerung eine Freude bereiten könnte.
Das Gewinnen von neuen Vereinsmitgliedern sei heutzutage ebenfalls anspruchsvoller als auch schon, resümiert Präsidentin Degen. Früher hätten sie Müttern von Neugeborenen ein Geschenk vorbeigebracht und bei dieser Gelegenheit auf eine mögliche Mitgliedschaft hinweisen können. Solcherlei Informationen seien mittlerweile aus Gründen des Datenschutzes nicht mehr erhältlich. «Leider fehlt uns dadurch die Möglichkeit, die Frauen respektive Mütter kennenzulernen.» Sie habe deshalb auch schon im Dorf mit dem Auto angehalten, als sie eine Frau mit Kinderwagen erblickte, und ganz spontan gefragt: «Wohne Sie z Eptige?»
Die kursiv geschriebenen Auszüge stammen aus der Chronik, die 2001 anlässlich «100 Jahre Frauenverein Eptingen» von Hedi Heinimann, Präsidentin des Frauenvereins von 1961–1979, erstellt wurde.

