Als das Gitterli kurz vom Ausgleich träumte
18.08.2026 Sport, FussballSchweizer Cup: FC Liestal (2. Liga inter) – BSC Young Boys (Super League) 0:4 (0:1)
Der FC Liestal machte das Cup-Duell gegen die Young Boys trotz der 0:4-Niederlage zu einem regionalen Fussballfest. Vor 3672 Zuschauern bot der Aussenseiter dem Favoriten beherzt Paroli und durfte ...
Schweizer Cup: FC Liestal (2. Liga inter) – BSC Young Boys (Super League) 0:4 (0:1)
Der FC Liestal machte das Cup-Duell gegen die Young Boys trotz der 0:4-Niederlage zu einem regionalen Fussballfest. Vor 3672 Zuschauern bot der Aussenseiter dem Favoriten beherzt Paroli und durfte sogar kurz das vermeintliche 1:1 bejubeln.
Thomas Ditzler
Wenige Zentimeter fehlten und Stürmer Sergio Salvadori hätte sich im Cup-Spiel kurz vor der Halbzeit mit seinem Treffer gegen die Berner Young Boys als Liestaler Cup-Held feiern lassen können. Der Liestaler Ehrentreffer in der 43. Minute wurde jedoch wegen eines Offsides aberkannt. Der Torjubel blieb den Liestalern und der Mehrheit der 3672 Zuschauer am Samstagnachmittag im Stadion Gitterli im Hals stecken.
«Der Treffer wäre für uns ein Highlight gewesen. Vielleicht wäre der Ausgang der Partie ein anderer gewesen, hätten wir mit einem Unentschieden in die Pause gehen können», bilanzierte FC-Liestal-Captain Kevin Schreiber nach dem Schlusspfiff. So aber war es der Super-League-Verein, der nach dem frühen Tor durch Gregory Wüthrich (7.) zur Pause immer noch mit 1:0 in Front lag.
WM-Fahrer sorgt für Entscheidung
Schreiber und Co. wehrten sich mit allen Mitteln gegen die Angriffsbemühungen des Favoriten aus Bern, der vor allem in der ersten Halbzeit mit seinen zahlreichen Abschlüssen fahrlässig umging. So durfte man sich im Stadion Gitterli bis zur 60. Minute leise Hoffnungen auf eine mögliche Cup-Sensation machen, ehe Nationalspieler und WM-Teilnehmer Christian Fassnacht mit dem 2:0 die letzten Liestaler Hoffnungen zunichte machte.
Erwartungsgemäss konnte der 2.-Liga-inter-Verein in der ersten Runde des Schweizer Cups gegen den 17-fachen Schweizer Meister nur wenige offensive Akzente setzen. Die grössten Torchancen verzeichneten neben Salvadoris Offside-Treffer Kevin Schreiber in der 10. Minute und Emir Aydogan (65.), die beide den YB-Torhüter Joel Mall zu Paraden zwangen. Es sei die Anweisung des Trainers gewesen, dass er bereit sein solle, wenn sich Umschaltmomente ergäben. Einmal sei ihm dies gelungen, so Schreiber zur besagten Szene in der Anfangsphase des Spiels. Isaac Schmidt (72.) und Super-League-Topskorer Samuel Essende (82.) sorgten bis zum Schluss der Partie jedoch dafür, dass sich der Favorit dennoch standesgemäss durchsetzen konnte.
Das 4:0 sei aus ihrer Sicht ein humanes Resultat, meinte nach dem Spiel FC-Liestal-Captain Schreiber: «Wir haben uns tapfer geschlagen. Wir konnten die Partie zu einem regionalen Fussballfest machen. Das Spiel war für uns eine super Erfahrung.» Auch punkto Intensität konnten die Spieler von Trainer Sohail Bamassy von ihren Gegenspielern einiges mitnehmen. «Ich sagte bereits nach 40 Minuten zu meinem Gegenspieler Gregory Wüthrich scherzhaft, dass ich nicht jedes Wochenende auf diesem Niveau performen könnte», so der Gelterkinder Schreiber weiter.
«Sie haben es gut gemacht»
Ein Kompliment für ihre Bemühungen erhielten die Liestaler nach dem Spiel von Loris Benito. «Liestal hat es sehr gut gemacht. Sie haben gute Spieler in ihren Reihen und haben auf dem Platz Gas gegeben. Ich hoffe, sie konnten das Spiel trotz des Resultats auch geniessen», so der YB-Captain.
Sie hätten Zeit gebraucht, um in die Partie zu finden, sagte Benito weiter. Das Terrain sei zudem schwierig bespielbar gewesen. «Trotz unseres frühen Treffers haben wir in der Folge viele Chancen ausgelassen», so der YB-Captain weiter. Das Cup-Spiel war aber nicht nur für die Liestaler ein Highlight; auch Benito konnte der Partie einiges Positives abgewinnen: «Ich finde die erste Cup-Runde immer sehr cool. Man spürt jeweils, wie toll solche Spiele für die anderen Vereine und eine ganze Region sind.»
Was sein Team trotz der Niederlage geleistet habe, realisiere er wohl erst, wenn er ins Bett gehe, sagte Liestal-Trainer Sohail Bamassy nach dem Spiel: «Der Druck fällt langsam ab und weicht der Freude und Dankbarkeit.» All die Menschen und die Freude in ihren Gesichtern zu sehen, zeige, dass sie das Fest gehabt hätten, das sie sich erhofft hätten. «Schade, haben wir kein Tor geschossen. Vielleicht hätten wir mit einem 1:1 zur Pause nochmals etwas auslösen können», so Bamassy und ergänzte: «Aber es ist auch so okay für uns.» Der Ehrentreffer wäre das «Zückerli» gewesen.
Für Bamassy war es nach 2019, damals als Allschwil-Trainer gegen Sion (1:10), bereits das zweite Cup-Duell gegen einen Superligisten. «Vielleicht klappt es beim dritten Anlauf mit einem Sieg», sagte er schmunzelnd. Er hoffe, dass sein Team die Mentalität, die es gegen YB gezeigt habe, auch für den bevorstehenden Meisterschaftsstart am Wochenende in der 2. Liga interregional mitnehmen werde. Und Kevin Schreiber ergänzte: «An die Leistung, die wir gegen YB gezeigt haben, müssen wir nun anknüpfen.»
TELEGRAMM
FC Liestal – BSC Young Boys 0:4 (0:1). Stadion: Gitterli. Zuschauer: 3672. Schiedsrichter: Turkes. Tore: 7. Wüthrich 0:1; 60. Fassnacht 0:2; 72. Schmidt 0:3; 82. Essende 0:4.
FC Liestal: Riechsteiner; Wandji, Gaida, Hirschi, Bodenmüller; Schneider (67. Topalli), Flückiger (58. Aydogan), Schaub (76. Osmani), Riccio; Salvadori (76. Stöckli), Schreiber.
BSC Young Boys: Mall; Bukinac (75. Janko), Benito, Wüthrich (75. Gigovic), Schmidt; Fassnacht (85. Sanches), Pech, Lauper, Etoski (86. Jost); Essende, Sène (76. Monteiro).
Bemerkungen: 43. Tor von Salvadori wegen Offside aberkannt. Verwarnungen: 40. Etoski, 51. Sène, 88. Hirschi.
Hockey-Gott und «FC-Liestal-Hymne»
td. Die Verantwortlichen des FC Liestal liessen beim Cup-Spiel gegen die Young Boys nichts unversucht, um für gute Feststimmung zu sorgen. So dröhnte unter anderem immer wieder der eigens kreierte FC-Liestal-Song durch die Stadionlautsprecher.
Um die Gäste-Fans gebührend willkommen zu heissen, wurde zudem eine Playlist mit YB-Songs abgespielt, was jene positiv quittierten. Quasi als Glücksbringer für den FC Liestal fungierte im Vorfeld der Partie EHC-Basel-Sportchef Kevin Schläpfer. Der «Hockey-Gott» war es auch, der symbolisch den Anstoss zu diesem Spiel ausführte. Die Ballkünste des bekennenden Brasilien-Fans konnten aber nicht ganz mit jenen seiner Idole mithalten.






