Alltagsstruktur hilft sowohl den Insassen als auch den Beamten
02.10.2025 SissachDas Häftlingsleben ist alles andere als bequem, wie ein Augenschein der «Volksstimme» im Regionalgefängnis zeigt
Auslass aus der Zelle um 7.20 Uhr, Einschluss wieder um 17 Uhr: Der Alltag im Regionalgefängnis Sissach ist so klar strukturiert wie in jeder ...
Das Häftlingsleben ist alles andere als bequem, wie ein Augenschein der «Volksstimme» im Regionalgefängnis zeigt
Auslass aus der Zelle um 7.20 Uhr, Einschluss wieder um 17 Uhr: Der Alltag im Regionalgefängnis Sissach ist so klar strukturiert wie in jeder Haftanstalt der Schweiz. Die «Volksstimme» hat kürzlich Einblicke ins Haftleben nehmen dürfen.
Grundsätzlich gilt die Zeit zwischen den Einschlüssen als Arbeitszeit mit Pausen – für diejenigen Insassen, die Arbeit haben. Das ist je eine Hilfskraft für Reinigungsarbeiten (im Gefängnisjargon «Kalfaktor» genannt) auf den beiden Zellenstockwerken sowie eine Person, die in der Küche arbeitet. Die meisten anderen sind davon abhängig, dass das Gefängnis Aufträge für Arbeiten hat, die im kahlen, fensterlosen Arbeitsraum erledigt werden können.
Aktive Arbeitszeit wird mit 3.75 Franken pro Stunde vergütet, die auf die drei Konti jedes Insassen (Freikonto, Zweck-Sperrkonto, Spar-Sperrkonto für Austritt) aufgeteilt werden. Stunden ohne anrechenbare Arbeit werden mit 1 Franken Erwerbsausfall vergütet, 8 Stunden pro Tag, 40 Stunden pro Woche maximal. Damit ist schon klar: Wer raucht oder viel telefoniert (etwa mit einem Festnetztelefon, für das man Kartenguthaben kaufen muss), kommt hier schnell an die finanziellen Grenzen.
Das Gefängnis mit höchstens 16 Insassen in 12 Zellen verfügt über eine Küche, eine Krankenstation, ein Besuchszimmer, einen Arbeitsraum, eine Waschküche und den grossen Innenhof. Fast alles ist mit gesicherten Türen und Gittern voneinander getrennt; die Häftlinge können sich zwar gegenseitig in den Zellen besuchen, aber Stockwerkwechsel oder der Ein- und Ausgang aus dem rundherum engmaschig vergitterten Innenhof bedingen jeweils die Begleitung durch das Aufsichtspersonal.
Der Innenhof mit Tischtennistisch, Basketballkorb und an der Wand montierten Fitnessgeräten ist laut Vertretern des Justizvollzugs zumindest bei trockenem Wetter ein beliebter Ort. Mindestens eine Stunde Hofgang pro Tag, typischerweise in zwei zeitlichen Segmenten, morgens und nachmittags, hilft den Häftlingen, Energie loszuwerden und sich zu bewegen.
Arbeit, also eine zweckerfüllende Tätigkeit, sei aber ebenso hilfreich, wenn es um die Stimmung unter den Insassen und um deren Selbstwertgefühl gehe, sagt Rene Bonk, zuständig für das Gefängniswesen im Kanton Baselland. Dass die Regionalgefängnisse mit ihrer Einrichtung nicht mit einer Justizvollzugsanstalt mit Werkstätten und Ausbildungsprogrammen verglichen werden könnten, liege auch darin begründet, dass sie für den Vollzug von kurzen Freiheitsstrafen bis zu einem halben Jahr ausgelegt sind.
Wer eine längere Strafe abzusitzen hat, wird höchstens vorübergehend in einem Regionalgefängnis untergebracht.
Jedenfalls sitzen die Häftlinge aber auch nicht isoliert den ganzen Tag in ihrer kargen, nur mit einem Fernseher ausgestatteten Zelle, zumal die Haftplätze sich auf Einzel-, Zweier- und Dreier-Zellen verteilen. Wer hier mit wem lebt, das entscheiden die Beamten des Vollzugs aufgrund der Kultur und der Nationalität der Insassen, ausserdem natürlich nach Gewohnheiten wie Raucher und Nichtraucher, und schliesslich müssen die Zellengenossen miteinander auskommen.
Und eines wird dem Besucher beim einstündigen Rundgang in den sterilen, schmucklosen Räumen und den Gängen ohne einen einzigen Ausblick auf das Leben draussen schnell klar: Hier drin will niemand länger sein, als er es muss.
Peter Sennhauser
