«Alles wasi bi, bini für di»

  27.08.2026 Gelterkinden

Baschi blickt mit «Bürgin» zurück auf seine Wurzeln und nach vorn in ein neues Leben

Am 7. August hat Baschi sein zehntes Album – «Bürgin» – veröffentlicht. In den Texten seiner neuen Songs zeigt sich der gebürtige Gelterkinder ruhiger und reflektierter denn je.

Iris Bösiger

Bei genauem Hinhören kann man durchaus eine Art roten Faden erkennen, der sich über einen Teil der zehn Lieder des gebürtigen Gelterkinders Sebastian «Baschi» Bürgin erstreckt. Im Frühling ist der bald 40-jährige Sänger zum ersten Mal Vater geworden, und da kann man gut nachvollziehen, dass er sich im Vorfeld noch einmal sehr ausgiebig mit seiner eigenen Kindheit und Jugend auseinandergesetzt hat. Der erste Song seines neuen Albums ist der Titelsong, heisst «Bürgin» und startet wie das Intro eines Westerns.

Sympathisch, dass das erste gesungene Wort ein «Gopferdammi» ist: Baschi ist ja immer noch Baschi. Aber da schwingt einiges mit an Melancholie, und die unverkennbare Stimme des Sängers erzählt von seiner männlichen Ahnenlinie und davon, dass bald auch sein eigener Sohn Lennon Teil dieser Geschichten sein wird. Untermalt wird das Ganze mit stimmigen Trommeln, die an lang vergangene Kriege erinnern. Sinnbildlich singt er davon, die Fahne weiterhin für seine Vorfahren zu tragen, mit all dem Schönen und all den dazugehörigen Bürden.

Der zweite Song lockert die Stimmung inhaltlich und musikalisch etwas auf. In rockiger Baschi-Manier geht er zurück in seine Jugend und erzählt von dem Moment, als er seine erste grosse Liebe das erste Mal gesehen hat. Sie habe «1700 Stutz» gekostet. Es wird schnell klar, dass diese Ode nicht an eine weibliche Zeitgenossin gerichtet ist, vielmehr an seine allererste Gitarre. Aufgelöst wird das nicht – da handelt es sich lediglich um die Interpretation der Schreiberin dieses Zeitungsartikels.

Der darauffolgende Song «Huus boue» ist eine solide Rock-Pop-Ballade, in der er seine Liebste mit den Worten «Du weisch, ich cha dr keis Huus boue, aber ich cha es Dähei si für di» überzeugen möchte, mit ihm zusammen zu sein. Es darf davon ausgegangen werden, dass das geklappt hat und er das Haus trotzdem bauen konnte. Doch Spass beiseite: Dieser Song ist sicher einer der eingängigsten auf dem Album.

Bei Lied Nummer vier kommt man zusätzlich in den Genuss der Walliser Sängerin Stefanie Heinzmann. Die Ballade «Bi dir» ist ein berührender und radiotauglicher Titel, der von zwei Menschen erzählt, die nicht oder nicht mehr zusammen sein können, die aber ihre einzigartige Verbindung immer noch spüren. Der Song hat auch auf instrumentaler Ebene Tiefe und Hall und die unterstützenden «Chörli» runden dieses Duett gekonnt ab.

Anschliessend geht es weiter mit bekannten Schweizer Namen, in diesem Fall aber als Teil des Textes. «Polo» ist ein ultimativer Motivations-Song. Trotz der Schwarzmalerei zu Beginn fordert Baschi die Menschen zu mehr Leichtigkeit auf und packt das in Sätze wie: «Wär die Wält es bitz meh Polo, denn wär das Glas halb voll und nid halb leer.» Oder: «Wär die Wält es bitz meh Kuno, de fingts Glück alli irgendwenn». Die Uptempo-Nummer vereint Pop, Funk, Disco, «Schalala-Chörli» à la «Grease» und ist eine Hommage an ein paar grosse Musiker der Schweiz. Der nächste Song heisst «Fründe»; in diesem erinnert sich Baschi an eine Freundschaft, die sich zwar verändert hat, aber noch immer von ihrer Vergangenheit lebt.

Nach dieser Achterbahn von Kindheit, Jugend, Party und Herzschmerz erklingen Orgeln und Gitarren, die den Song «Neus Läbe» sanft einläuten. Diesen Song hat der Sänger für seinen Sohn geschrieben, bevor dieser das Licht der Welt erblickt hat, und er beschreibt darin seine Vorfreude auf das Vatersein und auf die Zeit als Familie. Man spürt, dass sich die Prioritäten verschieben und diese bedingungslose Liebe Teil seiner neuen Identität ist, was folgende Worte unterstreichen: «Alles wasi bi, bini für di.»

Ab an den Strand!
Dieses Album ist vielleicht nicht das Lauteste von allen, aber man kann sich gut vorstellen, dass es für Baschi eine sehr grosse Bedeutung hat, gerade durch die grossen persönlichen Veränderungen in seinem Leben. Wenn man sich das Album bis dahin als eine etwas fortlaufende Geschichte angehört hat, kommt man nicht umhin zu schmunzeln, dass der darauffolgende Song «Vino Rosso» heisst und Bürgin davon singt, ausgelaugt zu sein und dringend eine Auszeit am Meer und einen guten Tropfen Rotwein gebrauchen zu können. Wer könnte es ihm verdenken – so geht es bekanntlich den meisten frisch gebackenen Eltern. Der Song hat italienisches 1980er-Jahre-Flair und das nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit mit Valentino Vivace, dessen Stimme passt wie die Faust aufs Auge. Man bekommt schnell das Bedürfnis, selbst wieder einmal an einem italienischen Strand die Füsse hochzulegen und sich ein schmackhaftes Tröpfchen zu genehmigen.

Nach dem karibisch angehauchten Titel «Casablanca» schliesst der Sänger sein Album mit dem reflektierenden Song «12 Chnote» ab, dessen Kernaussage an Edith Piafs «Non, je ne regrette rien» erinnert: «Chönnti wüsse, was no chunnt, würi glich singe hüt für eu und wenni wüsst, morn gheii um, gäbtis nüt, woni bereu.»

Fazit: Das Album «Bürgin» zeigt den Künstler gereift und angekommen – und wird ohne Frage einen gebührenden Platz in Baschis Karriere einnehmen.


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