Akkus aufl aden
18.06.2026 SportSeit wenigen Wochen ist es offiziell: Die Zusammenarbeit zwischen Leandro Riedi, Thiemo Scharfenberger und mir ist beendet. Nach fast zweieinhalb Jahren intensiver gemeinsamer Arbeit gehen unsere beruflichen Wege nun getrennt weiter.
In dieser Zeit haben wir viel erlebt. Höhepunkte ...
Seit wenigen Wochen ist es offiziell: Die Zusammenarbeit zwischen Leandro Riedi, Thiemo Scharfenberger und mir ist beendet. Nach fast zweieinhalb Jahren intensiver gemeinsamer Arbeit gehen unsere beruflichen Wege nun getrennt weiter.
In dieser Zeit haben wir viel erlebt. Höhepunkte wie die US Open 2025, aber auch Phasen mit Verletzungen, Operationen und langer Rehabilitation. Rückblickend bin ich für jeden Moment dankbar. Ich durfte viel über den Tennissport, Coaching, Menschen und über mich selbst lernen. Der Begriff «Lebensschule» ist fast eine Untertreibung.
Doch mit dem Ende einer Zusammenarbeit stellt sich die Frage: Wie geht es weiter? Zwei Dinge wusste ich relativ schnell. Erstens: Ich brauchte dringend eine Pause. Körper und Geist waren leer. Zweitens: Sobald ich erholt bin, möchte ich die gewonnene Erfahrung nutzen und ein weiteres spannendes Tennisprojekt in Angriff nehmen. Nur gibt es da diese Sache mit Angebot und Nachfrage. Im Spitzensport ist die Nachfrage begrenzt und passende Projekte sind nicht an jeder Ecke zu finden.
Meine Erschöpfung mag vielleicht überraschen. Schliesslich verbrachten wir aufgrund von Verletzungen immer wieder längere Zeit in der Schweiz. Doch gerade diese Phasen waren besonders intensiv. Einen Spieler vom Spitalbett zurück auf die Tour zu begleiten, ist kein Spaziergang. Das Tennisniveau wieder zu erreichen, ist die eine Herausforderung. Nach Rückschlägen Vertrauen, Motivation und den Anschluss an die Konkurrenz wiederzufinden, eine andere.
Etwas kann ich mit voller Überzeugung sagen: Wenn ich ein Projekt mache, dann mit Herzblut. Manchmal vielleicht auch etwas zu viel. Diese Art zu arbeiten kostet über längere Zeit Energie. Viel Energie.
Lange Rede, kurzer Sinn: Was nun? Auch wenn ich das Glück hatte, mehrere spannende Anfragen zu erhalten, entschied ich mich zunächst für etwas anderes: Akkus aufladen. Plötzlich sah mein Alltag komplett anders aus. Statt Flughäfen, Hotelzimmern und Turnierplätzen standen Wochenendausflüge, Zeit mit Familie und Freunden sowie die Arbeit an neuen Konzepten für Beyond Sports – eine Schweizer Agentur, die Bildung und Sport vereint – auf dem Programm. Es war ungewohnt, aber genau das, was ich brauchte.
Ich lernte dabei etwas, das wir im Spitzensport oft vergessen: Erholung ist nicht das Gegenteil von Leistung. Sie ist ein Teil davon. Volle Akkus gehören zur guten Arbeit. Gleichzeitig wurden aus ersten Gesprächen konkretere Möglichkeiten. Mittlerweile hat sich eine neue sportliche Chance ergeben. Diese Woche habe ich die Probezeit für ein neues, sehr spannendes und natürlich intensives Projekt gestartet.
Yannik Steinegger
Der Bubendörfer Yannik Steinegger (2000) gehörte zu den besten Schweizer Tennisspielern, ehe er sich schon mit 23 entschied, Profi-Trainer zu werden.

