Ackerbau der Zukunft
05.04.2024 SissachKanton und Bauernverband fördern proteinhaltige Kulturen
Auch wenn der Anteil der Bevölkerung, der sich vegetarisch oder vegan ernährt, noch relativ klein ist, gewinnt die pflanzliche Ernährung immer mehr an Bedeutung. Der Ebenrain und der Bauernverband wollen die ...
Kanton und Bauernverband fördern proteinhaltige Kulturen
Auch wenn der Anteil der Bevölkerung, der sich vegetarisch oder vegan ernährt, noch relativ klein ist, gewinnt die pflanzliche Ernährung immer mehr an Bedeutung. Der Ebenrain und der Bauernverband wollen die Landwirte dabei unterstützen.
Elmar Gächter
Das Ebenrain-Zentrum für Landwirtschaft, Natur und Ernährung will in Partnerschaft mit dem Bauernverband beider Basel die landwirtschaftlichen Betriebe darin unterstützen, auf ihren Äckern mehr proteinhaltige Kulturen für die menschliche Ernährung anzubauen. Rund 30 Teilnehmende liessen sich unter dem Titel «Ackerbau der Zukunft» über die Ziele des Programms, die Voraussetzungen für die Teilnahme sowie über die Fördermassnahmen informieren. Dass der Anbau proteinhaltiger Nahrung und dessen Vermarktung sehr anspruchsvoll sein kann, zeigte das Referat eines innovativen Landwirts aus Wenslingen in eindrücklicher Weise.
Der Ebenrain will die Landwirtinnen und Landwirte bestärken und befähigen, die Selbstversorgung mit pflanzlichen Proteinen aus der Region zu erhöhen und einen Teil zur Wertschöpfung beizutragen. «Auch wir müssen unseren Beitrag zur Klimastrategie Landwirtschaft und Ernährung 2050 des Bundes leisten», sagt Eleonor Fiechter, die den Bereich Pflanzenschutzdienst und Markt am Ebenrain leitet. Teilnehmen können direktzahlungsberechtigte Betriebe und es darf nur zertifiziertes Saatgut eingesetzt werden. Für die Massnahmen ist für die Jahre 2024 bis 2027 ein Finanzrahmen von 100 000 Franken pro Jahr gesetzt. Es werden Flächenbeiträge geleistet sowie 50 Prozent der Kosten des Saatguts übernommen. Zudem gibt es Beiträge an Investitionsausgaben für die Umrüstung der Betriebe. Ideen für konkrete Massnahmen sollen vor allem von einem Arbeitskreis aus Landwirtinnen und Landwirten erarbeitet werden.
René Ritter produziert auf dem Leimenhof in Wenslingen seit ein paar Jahren Linsen und Kichererbsen. «Letztere sind die Diven der Hülsenfrüchte und echt herausfordernd», sagte Ritter und sprach damit unter anderem das Jahr 2023 an, wo ihm und auch anderen Produzenten in der Gegend der Baumwollkapselwurm die ganze Ernte vernichtet hat. Auch wenn er 2022 ein sehr gutes Ergebnis habe erzielen können, sei die finanzielle Bilanz der bisherigen vier Jahre des Anbaus von Kichererbsen nur negativ.
Marktabsatz als Herausforderung
Eine seiner bisherigen Erkenntnisse ist, dass Kichererbsen dort gut gedeihen, wo auch der Raps sich wohlfühlt. «Wir säen meistens kurz vor dem Regen, zudem muss man im Frühling Geduld haben zuzuwarten, aber man darf auch nicht zu spät sein», so Ritter. Herausfordernd sei auch der Marktabsatz. Ritter setzt praktisch ausschliesslich auf die Direktvermarktung, auch im Online-Handel. Er ist sehr präsent in den Sozialen Medien, warnt aber vor zu grossen Erwartungen. Auch wenn mehr als 1 Million Nutzer auf einen seiner Links klicke, heisse dies noch lange nicht, dass sich die Produkte auch entsprechend gut verkaufen lassen. Am besten sei nach wie vor die alte Mund-zu-Mund-Propaganda, ist der Landwirt überzeugt. Zudem liessen sich die Produkte nur einigermassen gewinnbringend absetzen, wenn die Qualität 100-prozentig stimme.
René Ritter verkauft seine Kichererbsen zunehmend an Gastrobetriebe. Sein Ziel sei es nicht, an Grossverteiler zu liefern, aber dies müsse jeder für sich selber beurteilen. Für ihn ist klar, dass es beim Anbau von Kichererbsen einen Durchhaltewillen braucht. «Es ist etwas für Experimentierfreudige, aber wenn es funktioniert, kann es sehr spannend sein.»
