Abwechslung hier, Entlastung dort
11.06.2026 BucktenEin Gast gibt Einblick in die Seniorentagesstätte im oberen Homburgertal
René Käppeli ist seit vergangenem Sommer ein regelmässiger Besucher der Seniorentagesstätte in Buckten. Beim Start hatte er gemischte Gefühle. Schnell lernte er aber, die Gruppe zu ...
Ein Gast gibt Einblick in die Seniorentagesstätte im oberen Homburgertal
René Käppeli ist seit vergangenem Sommer ein regelmässiger Besucher der Seniorentagesstätte in Buckten. Beim Start hatte er gemischte Gefühle. Schnell lernte er aber, die Gruppe zu schätzen. Und längst fühlt er sich «wie in einer grossen Familie».
Brigitte Keller
Wann immer es das Wetter zulässt, machen die jeweils zwei Betreuerinnen mit den sechs bis acht Besucherinnen und Besuchern der Tagesstätte nach dem Mittagessen einen kleinen Spaziergang. Am Dienstag nach Pfingsten wich Teamleiterin Claudia von Ins jedoch von dieser Routine ab und hatte eine besondere Überraschung parat: Sie lud die Gruppe am Vormittag, bei noch nicht so hohen Temperaturen, in ihren nahgelegenen Garten ein. Dort steht ein alter Klappwohnwagen und davor luden bequeme Gartenstühle die Seniorinnen und Senioren zum Sitzen und Plaudern ein.
«Die Chefin hat uns an ein schönes Schattenplätzli bei sich zu Hause eingeladen.» So erzählt es René Käppeli, und die Freude über diesen besonderen «Ausflug» ist ihm anzuhören. Eine Glace durfte natürlich auch nicht fehlen und das ganze Ambiente liess in der Gruppe viele Erinnerungen an frühere Ferienaufenthalte aufkommen.
René Käppeli (88) besucht seit bald einem Jahr jeden Dienstag und jeden zweiten Donnerstag die Seniorentagesstätte in Buckten. Daheim in Zunzgen brauche er immer mehr Unterstützung durch seine Frau, und so entschieden sie im vergangenen Sommer, sich zur Entlastung an eine Tagesstätte zu wenden. Diejenige in Buckten war ihre erste Wahl.
Aufgewachsen ist Käppeli in Sissach. Nach der Schule machte er in Muttenz eine Lehre zum Automechaniker. Dort war er der erste Lehrling, und sein Lehrmeister sei sehr streng gewesen. Nach Feierabend und am Wochenende «durfte» er dann auch noch seinem Vater, der eine Auto-Spritzwerkstatt betrieb, helfen. Nach der Lehre arbeitete er sechs Jahre bei der «Garage Peter» in Liestal. Dann wurde er von der Betriebsgarage der Elektra Baselland abgeworben. Dort blieb er 39 Jahre lang bis zu seiner Pensionierung.
Als er vor etwa vier Jahren seinen Fahrausweis habe abgeben müssen, sei ihm das sehr schwergefallen. Längst könnte er es sich aber bei dem heutigen Verkehr nicht mehr vorstellen, zu fahren. Zum Glück kann er auf die Unterstützung seiner Frau, die einige Jahre jünger ist, zählen. Seine Sehkraft sei infolge einer Makuladegeneration ziemlich eingeschränkt, aber dafür höre er noch sehr gut. «Ich sage deshalb immer zu meiner Frau: ‹Ich gehe Fernseh hören›», erzählt Käppeli und lacht.
Mit Humor geht es besser
Käppelis Humor kommt beim Erzählen immer wieder zum Vorschein. So sagt er von sich, dass er «eine Baustelle» habe, vom grossen Zeh bis zur Nasenspitze. «Ich bestehe auch nur noch aus Ersatzteilen; wenn sie im Krematorium ‹meine Kiste› ausräumen müssen, können sie eine Altmetallsammlung aufmachen.»
«Mit gemischten Gefühlen», lautet seine Antwort auf die Frage, wie der Einstieg bei der Tagesstätte war. Doch seine Bedenken konnte ihm das Betreuerteam schnell nehmen. «Um 9 Uhr ist Antreten», und schon hat er die Lacher wieder auf seiner Seite. Danach werde geplaudert und dazu gebe es Kaffee – und ab und zu auch ein Gipfeli. Anschliessend sitzen sie im Kreis und turnen ein bisschen.
«Das begrüsse ich sehr, denn ich merke, wie es mir guttut», sagt Käppeli. Auch das Gedächtnistraining, das ebenfalls im Kreis stattfindet, wird von ihm geschätzt. Da für ihn das Gehen immer mühsamer wird, steht für den 88-Jährigen in der Tagesstätte ein Rollstuhl bereit.
René Käppelis Hobby war der Modellbau gewesen; er hatte immer viele Ideen und konnte mit Holz und Metall gut umgehen. Wäre seine Sehkraft noch besser, hätte er sich vielleicht ein elektrisches Laubsägeli gewünscht. Nun bringt er seine Ideen bei den kreativen Tätigkeiten, die jeweils am Morgen angeboten werden, ein. Hergestellt werden etwa die beliebten «Aafüürhilfen», die in der Tagesstätte verkauft werden.
Nach dem Mittagessen, das die Verantwortlichen beim Pflegeheim Homburg in Läufelfingen holen, und vor dem Spaziergang sowie dem geselligen Spielen können die Senioren ein Nickerchen machen. Dafür stehen drei Betten und Sessel mit Aufstehhilfen bereit. René Käppeli schätzt es sehr, wie gut er und die anderen Gäste betreut werden. «Wir sind wie eine grosse Familie.»
«Wir können», wie Teamleiterin von Ins erklärt, «die Leute neben allem anderen auch ein bisschen verwöhnen, denn wenn sie wieder nach Hause gehen, müssen sie ja automatisch wieder mehr selber leisten.» Das Team schätze es sehr, welche interessanten Erinnerungen die Seniorinnen und Senioren mit ihm teilen. «Meine Kolleginnen und ich erzählen ebenfalls von uns», fährt von Ins fort, «generell findet ein reger Austausch über Gott und die Welt statt.» Es sei ein Geben und Nehmen, bestätigen René Käppeli und Claudia von Ins einhellig.
Die Seniorentagesstätte Oberes Homburgertal wird vom gleichnamigen Verein betrieben und befindet sich im Gemeindehaus in Buckten. Sie ist offen für junge und alte Senioren, bietet Abwechslung, soziale Kontakte und Entlastung für Angehörige. Geöffnet ist sie jeweils dienstags und donnerstags. Das Angebot ist kostenpflichtig. Der Verein ist auf Spenden angewiesen.

