90 Prozent der Weihnachtsbäume sind verdorrt
29.10.2026 WintersingenTrockenheit zwingt die Bürgergemeinde zu mehrjähriger Verkaufspause
In Wintersingen hat die Trockenheit die gesamte Weihnachtsbaumkultur der Bürgergemeinde schwer getroffen. Der diesjährige Weihnachtsbaumverkauf ist abgesagt. Andernorts im Oberbaselbiet haben ...
Trockenheit zwingt die Bürgergemeinde zu mehrjähriger Verkaufspause
In Wintersingen hat die Trockenheit die gesamte Weihnachtsbaumkultur der Bürgergemeinde schwer getroffen. Der diesjährige Weihnachtsbaumverkauf ist abgesagt. Andernorts im Oberbaselbiet haben verkaufsbereite Tannen den Sommer gut überstanden.
Fiona Findlay
Eigentlich würde der Weihnachtsbaumverkauf in Wintersingen am 19. Dezember starten. Seit mehreren Jahren verkauft die Bürgergemeinde Nordmannund Rottannen aus eigener Kultur auf der Wintersinger Höhe. In diesem Jahr müssen die Einwohnerinnen und Einwohner jedoch anderswo einen Baum aussuchen: Die Trockenheit hat die Mehrheit der Weihnachtsbäume so stark geschädigt, dass der Verkauf abgesagt werden musste.
«Rund 90 Prozent unserer Bäume sind verdorrt», sagt Daniel Speiser, Vizepräsident des Wintersinger Bürgerrats. Betroffen seien die Pflanzungen der vergangenen vier bis fünf Jahre sowie grössere, rund zehnjährige Bäume, die zum Verkauf bereit gewesen wären. Jährlich werden auf der Sissacher Fluh etwa 100 bis 120 junge Weihnachtsbäume in den Boden gesetzt. «Dass einzelne davon nicht überleben, ist üblich», erklärt Speiser, «aber nicht in diesem Ausmass.»
Im September wurde deutlich, dass die Bäume für den diesjährigen Verkauf nicht brauchbar sind. Die Folgen dürften allerdings weit über diese Weihnachtssaison hinausreichen: Daniel Speiser rechnet damit, dass in den kommenden drei bis vier Jahren kein Weihnachtsbaumverkauf stattfinden wird.
Dass die Trockenheit in Wintersingen besonders gravierende Folgen hat, könnte auch mit dem Standort der Weihnachtsbaumkultur zusammenhängen. Anders als viele andere Kulturen, die auf landwirtschaftlichen Flächen angelegt werden, stehen die Nordmann- und Rottannen in Wintersingen auf Waldboden. Dort dürfen laut Speiser weder Dünger noch Spritzmittel eingesetzt werden. Die gesamte Kultur sei deshalb bereits vor diesem Jahr geschwächt gewesen.
Jungpflanzen besonders betroffen
Besser sieht die Situation auf dem Hardhof in Zunzgen aus. Dort haben die Weihnachtsbäume die Saison insgesamt gut überstanden, wie Betriebsleiter Beat Hugi sagt. Besonders die grösseren, verkaufsbereiten Bäume hätten kaum unter der Trockenheit gelitten. Ein Grund dafür dürfte die Bodenbeschaffenheit sein: Der schwere, feuchte Boden auf dem Hardhof speichere das Wasser über längere Zeit.
Dennoch ging die Trockenheit nicht spurlos an der Weihnachtsbaumkultur vorbei: Sämtliche frisch gesetzten Pflanzen sowie die zweijährigen Bäume seien eingegangen. Ab den Bäumen im dritten Standjahr habe es hingegen keine Ausfälle mehr gegeben.
Dass junge Weihnachtsbäume absterben, sei laut Hugi grundsätzlich nichts Aussergewöhnliches. Angesichts der extremen Trockenheit musste der Betrieb in diesem Jahr jedoch die Bewässerung anpassen. Frisch gepflanzte und zweijährige Bäume mussten neu zusätzlich mit gesammeltem Regenwasser versorgt werden.
Auch in Rothenfluh hat die Trockenheit den Jungpflanzen von Rolf Spycher stark zugesetzt. Der Betriebsleiter hatte damit gerechnet, dass die neu gesetzten Bäume unter der extremen Trockenheit leiden würden. «Dass auch Bäume, die in den vergangenen zwei Jahren gepflanzt wurden, teilweise verdorrt sind, hat mich überrascht», sagt Spycher. Er rechne damit, dass die Weihnachtsbaumproduktion in den kommenden Jahren noch deutlich unter den Folgen der Trockenheit leiden werde.
Für den diesjährigen Verkauf sehen sowohl Spycher als auch Hugi jedoch keine Schwierigkeiten. Hugi ist sogar erstaunt, dass seine Rottannen die Trockenheit so gut überstanden haben. Als Flachwurzler seien sie empfindlicher gegenüber Trockenheit als Nordmanntannen, die eine tief reichende Hauptwurzel ausbilden können.
Trotz Trockenheit schöne Bäume
Auch bei Busers Hoflädeli in Thürnen können Weihnachtsbäume dieses Jahr wie gewohnt gekauft werden. Betriebsleiter Simon Buser berichtet von ähnlichen Erfahrungen wie Hugi und Spycher: Sämtliche im Frühling gesetzten Jungpflanzen seien vertrocknet.
«Farblich sind die erntereifen Tannen in dieser Saison fast schöner als in den vergangenen Jahren», sagt Buser. Die Bäume ab dem zweiten Standjahr seien in einem guten Zustand. Einschränkungen beim Verkauf erwartet er deshalb weder in diesem noch in den kommenden Jahren.
Die abgestorbenen Jungpflanzen wurden vor rund zwei Wochen ersetzt. Buser hofft, dass die neuen Bäume über den Winter besser anwachsen können, ohne erneut unter Trockenheitsstress zu geraten.
Dass die Trockenheit eine Herausforderung darstellt, ist nach Busers Erfahrungen allerdings nicht neu: Er erinnert sich an das Hitzejahr 2003, als er noch deutlich grössere Ausfälle verzeichnete als in diesem Jahr.
Die Absage des Wintersinger Weihnachtsbaumverkaufs hat für die Bürgergemeinde deutliche finanzielle Folgen: Die Unterhaltsarbeiten fallen weiterhin an, während die Einnahmen aus dem Verkauf ausbleiben.
Doch statt einem finanziellen Gewinn gehe es Speiser darum, der Bevölkerung eine Tradition zu ermöglichen. Mit den Kindern durch die Tannenreihen zu schlendern und gemeinsam einen Baum auszusuchen, sei etwas Schönes. «Wir machen diesen Verkauf für die Menschen», sagt Speiser. Die Bürgergemeinde hoffe, baldmöglichst den Verkauf wieder aufnehmen zu können.


