5,5-Meter-Topfpflanze für die Begegnungszone
05.06.2026 SissachTest für mobile Begrünung – die Meinung der Bevölkerung wird mit einer Umfrage eingeholt
Vor dem Restaurant «Sydebändel» steht die grösste Topfpflanze Sissachs: ein Ahornbaum im Stahltrog. Messergebnisse zum kühlenden Effekt und Reaktionen aus ...
Test für mobile Begrünung – die Meinung der Bevölkerung wird mit einer Umfrage eingeholt
Vor dem Restaurant «Sydebändel» steht die grösste Topfpflanze Sissachs: ein Ahornbaum im Stahltrog. Messergebnisse zum kühlenden Effekt und Reaktionen aus der Bevölkerung sollen als Grundlage für die Umgestaltung der Begegnungszone dienen.
Christian Horisberger
Vielen Besucherinnen und Besuchern der letztjährigen Gewerbeausstellung Mega dürften die grünen Inseln in der Begegnungszone in guter Erinnerung geblieben sein. Die Büsche und Bäume werteten das Ausstellungsgelände optisch auf und spendeten den Besucherinnen und Besuchern Schatten. Denselben Zweck soll der Baum erfüllen, der gestern vor dem Restaurant «Sydebändel» in einen stählernen 400-Kilogramm-Trog gepflanzt und darin sturmsicher verankert worden ist. Durch den Schattenwurf und die Verdunstung senkt der rund 25 Jahre alte, 5,5 Meter hohe Feldahorn in seiner unmittelbaren Umgebung die Temperatur, und er soll die Begegnungszone auch optisch auffrischen.
Bei der Lieferantin handelt es sich um die Bauer Baumschulen AG aus Bottmingen, die bereits die Bäume für die «Mega»-Inseln geliefert hatte. Das System, das sie unter «Mobile Green» vermarktet, liess sie patentieren. Denn es ist mehr als nur ein «Baum im Topf»: Der 540-Liter-Wassertank befindet sich ganz unten im Trog, um die Oberflächenverdunstung zu minimieren, die Innenwände sind gummiert, damit der Metalltopf durch die Salze im Substrat nicht rostet und – der Clou – das Wurzelwachstum wird durch ein patentiertes System gelenkt, um die Standdauer der Gehölze im Trog wesentlich zu erhöhen. Schliesslich ist das Ensemble mit einem Sensor ausgestattet, der nicht nur Alarm schlägt, wenn der Wassertank leer ist, sondern auch Daten zu Verdunstung und Kühlleistung liefert.
Test an mehreren Standorten
Die Gemeinde Sissach hat das patentierte Baum-im-Topf-System auf Empfehlung der temporären Arbeitsgruppe für die Neugestaltung der Begegnungszone zunächst für ein Jahr zu einem Preis von 4200 Franken gemietet. Nach Ablauf des Jahres sollen weitere Standorte, jedoch jeweils für eine kürzere Dauer, getestet werden. Die währenddessen vom Sensor ermittelten Daten geben einerseits Aufschluss über die Auswirkung des «Mobile Green»- Baums aufs Mikroklima und damit auf die Aufenthaltsqualität im Bereich des Baums. Andererseits soll der Versuch zeigen, welche Standorte sich für mobile und fixe Bäume eignen und wie sich das mobile System im Alltag bewährt.
Von besonderem Interesse dürfte dabei sein, wie gut sich der Baum, dessen Krone fast bis zu den Leitungen der Strassenbeleuchtung reicht, bei Grossveranstaltungen (zum Beispiel Fasnacht) verschieben lässt oder wie aufwendig der Unterhalt für den Gemeinde-Werkhof ist. Auch die Auswirkungen auf den Verkehr seien ein Thema, ergänzt Nicole Itin von der Sissacher Fachstelle für Umwelt und Energie, die das Projekt begleitet.
Um in Erfahrung zu bringen, wie die Bevölkerung und das Gewerbe die Begrünung aufnehmen, hat die Gemeinde eine Umfrage lanciert. Interessierte können mit Papier und Bleistift oder online daran teilnehmen. Zur digitalen Version führt ein QR-Code am Trog und auf der Website der Gemeinde, der Fragebogen kann einer Box, ebenfalls am Trog, entnommen und dort auch wieder eingeworfen werden.
Über einen zweiten QR-Code können alle Informationen sowie Messdaten des Feldahorns abgerufen werden. Die Wahl dieser Baumart durch die Gemeinde habe sich mit der Empfehlung des Lieferanten gedeckt, sagte Sebastian Mühlemann, Projektleiter von «Mobile Green», gestern bei der Installation. Es handle sich um einheimisches, robustes und anpassungsfähiges Gehölz mit grosser Krone und minimalem Pflegebedarf.
Die mobile Begrünung ist ein Puzzleteil zum Gestaltungskonzept für die Begegnungszone, das durch den Sissacher Landschaftsarchitekten Pascal Gysin erarbeitet wird. Es behandelt ausserdem die Optimierung der Parkierung oder die Prüfung alternativer Strassenoberflächen. Auch Veranstaltungen, Aufenthaltsbereiche oder Verkehrssicherheit sind darin ein Thema. Ende Oktober soll der Entwurf vorliegen.


