371 600 Franken Gewinn am Dorffest
27.10.2026 OltingenEin Grossteil fliesst in die Sanierung des Turnhallendachs
Das Geheimnis ist gelüftet: Das Oltinger Dorffest hat einen Gewinn von 371 600 Franken abgeworfen. An der Gemeindeversammlung wurde ein grosser Teil davon bereits wieder ausgegeben: für die Sanierung des ...
Ein Grossteil fliesst in die Sanierung des Turnhallendachs
Das Geheimnis ist gelüftet: Das Oltinger Dorffest hat einen Gewinn von 371 600 Franken abgeworfen. An der Gemeindeversammlung wurde ein grosser Teil davon bereits wieder ausgegeben: für die Sanierung des Turnhallendachs.
Christian Horisberger
Wer das Oltinger Dorffest im Mai besucht hat, wird sich an drei Dinge besonders gut erinnern: an die originellen Kugelbahnen, die übers ganze Dorf verteilt für Kurzweil und für manches Ah und Oh gesorgt haben. An die aufwendig hergerichteten Festbeizen in zahlreichen Scheunen und an den enormen Aufwand, den die Mitwirkenden in den dreitägigen Anlass investiert haben, von der mit dem Ortswappen bedruckten Holzkugel bis zum Blumenarrangement.
Wie viel Gewinn am sehr gut besuchten Dorffest gemacht wurde, blieb bis vor Kurzem ein gut gehütetes Geheimnis. Erst an der Gemeindeversammlung vom vergangenen Donnerstag wurde es gelüftet: Die insgesamt rund 25 000 Gäste und Mitwirkenden liessen 1,063 Millionen Franken liegen, verkündete OK-Finanzchefin Karin Rickenbacher. Nach Abzug aller Auslagen verbleibt ein Gewinn von 371 600 Franken.
Dass das finanzielle Ergebnis an der Gemeindeversammlung verkündet wurde, hatte seinen Grund: 70 Prozent des Erlöses sollte der Erneuerung des Turnhallendachs zufliessen (die restlichen 30 Prozent den mitwirkenden Vereinen). Notabene des Dachs jener Turnhalle, die massgeblich mit dem Erlös aus dem Dorffest von 1976 (235 000 Franken) finanziert worden war. An der Versammlung wurde das Sanierungsprojekt den Stimmberechtigten vorgelegt.
Im Wesentlichen werden die asbesthaltigen Eternitschindeln auf den Dächern von Turnhalle und Geräteraum durch ein Trapezblech ersetzt, die Isolation wird durch eine Hartpavatexschicht ergänzt und das Dach statisch verstärkt. Anhand eines Musters erläuterte Baukommissionsmitglied Joe Haag die vorgesehene Konstruktion und die verwendeten Materialien. Gemeinderat Micha Kuster hielt fest, dass sich die Baukommission für die kostengünstigste Variante entschieden habe, die den Anforderungen aber vollauf genüge. So habe man beispielsweise auf die Erneuerung der Dachuntersicht verzichtet. Dies könne, so Kuster, ebenso wie das Streichen der Fassade oder das Erneuern der Fenster, zu einem späteren Zeitpunkt erledigt werden. Auf eine Wortmeldung aus der Versammlung hin, wonach man die Erneuerung der Dachuntersicht bei der weiteren Planung nochmals prüfen möge, versicherte Kuster, dies zu tun und gegebenenfalls im Dezember einen Nachtragskredit zu beantragen.
Auch «solaroltingen» zahlt mit
Die Dachsanierung kostet brutto 320 000 Franken. Der Kanton leistet aufgrund der energetischen Optimierung einen Zuschuss von 36 000 Franken, und die Genossenschaft «solaroltingen», die auf dem neuen Dach eine Photovoltaikanlage installieren lässt, übernimmt die Hälfte der Gerüst- und Krankosten (17 000 Franken). Wird noch der Dorffest-Anteil abgezogen, wird die Einwohnerkasse von der Sanierung kaum belastet.
Die mit 72 Stimmberechtigten sehr gut besuchte Gemeindeversammlung genehmigte den Bruttokredit über 320 000 Franken einstimmig. Bei wenigen Enthaltungen wurden auch 140 000 Franken zur Sanierung der Dächer des Kindergartens und der Gemeindeverwaltung, die an die Turnhalle angebaut sind, bewilligt. Der Gemeinderat habe über die Kredite separat abstimmen lassen, weil der Dorffest-Erlös ausschliesslich fürs Turnhallendach bestimmt sei, so Gemeinderat Kuster: «Wir wollen das sauber trennen.» Die Sanierung soll im Januar beginnen und voraussichtlich drei Monate dauern.
Gemeinderat und OK dankten allen Beteiligten des Dorffestes. Ruedi Meier alias Mundi wiederum dankte jedem OK-Mitglied in Versform für dessen Einsatz vor und während des Grossanlasses. Für Erstaunen und Erheiterung sorgten die Zahlenspiele von OK-Mitglied Dominik Reber. Er verglich «Kennzahlen» der Dorffeste von 1976 und 2026. Dabei fiel auf, dass sich das Konsumverhalten insbesondere bei den Getränken stark verschoben hat. So wurden vor 50 Jahren noch rund 30 000 Liter Bier konsumiert, heuer waren es 19 000 Liter. Mit Wein wurde dieses Jahr (1000 Liter) weniger als halb so oft angestossen wie 1976. Dafür wurde heuer deutlich tiefer ins Mineralwasserglas geschaut als damals: 14 500 Liter stehen 7000 Litern gegenüber.
Offenbar geht man heutzutage hungriger an ein Dorffest als früher. Reber kam bei seinem Vergleich auf 1670 Kilogramm Brot in diesem Jahr (1976: 1250 kg), 6400 Würste (5000), 1,7 Tonnen Pommes frites (400 Kilogramm) und 600 Kilogramm Käse (131 Laibe). Zu den vom 1. bis 3. Mai vertilgten 420 Kilogramm Pasta, 1260 Kilogramm Sauce in allen Variationen und 4500 Hamburgern fand er keine Vergleichszahlen.
«Wir können uns am Fest von 1976 messen und stolz auf das Ergebnis sein», sagte schliesslich OK-Präsident Michi Gass. Alle seien an diesem Fest füreinander eingestanden. Er hoffe, dass Oltingen diesen Schwung mit in die Zukunft nehme. Und er gestand, dass ihm das Hämmern fehle, wenn er samstags jeweils durchs Dorf gehe: «Von mir aus können wir wieder so ein Fest machen …»


