Feuer und Flamme
01.09.2026 LäufelfingenJubiläumsfest mit Rückblick auf bewegte Dorfgeschichte begeistert
hat am Wochenende sein 800-jähriges Bestehen mit einem grossen Fest gefeiert. Hunderte Freiwillige sorgten für ein vielfältiges Programm mit Musik, Theater, Kulinarik und Einblicken in die ...
Jubiläumsfest mit Rückblick auf bewegte Dorfgeschichte begeistert
hat am Wochenende sein 800-jähriges Bestehen mit einem grossen Fest gefeiert. Hunderte Freiwillige sorgten für ein vielfältiges Programm mit Musik, Theater, Kulinarik und Einblicken in die Dorfgeschichte. Es wurden rund 7500 Eintritte verkauft.
Erika Bachmann und Lea Wieser
Überall hingen am Wochenende rote Girlanden: Die Verbindung von Läufelfingen mit dem Feuer beruht auf einer Mischung aus tragischer Geschichte (siehe Kasten), spektakulären Kunstprojekten und dem aktuellen Dorfjubiläum. Die Organisatoren der 800-Jahr-Feier spielten mit dem Thema darauf an, wie sehr die Einwohner und Vereine «für das Fest brennen». Diese Leidenschaft und das lebendige Miteinander waren im ganzen Dorf zu spüren.
Das Fest rund um den Bahnhof und im Unterdorf bot sowohl frei zugängliche Bereiche als auch solche mit Eintritt. Für 800 Rappen konnte man das Fest während drei Tage geniessen – ein Konzept, das bei den Besucherinnen und Besuchern gut ankam: An anderen Dorffesten müsse für jeden Tag neu Eintritt bezahlt werden, das sei fast schon frech, war mehrfach zu hören.
Im oberen Homburgertal kam man in den Genuss eines breiten Unterhaltungs- und Verpflegungsangebots: von Risotto im Tessiner «Grotto» über Spaghetti in der Scheune bis zu Fischknusperli beim Food-Truck. Geschätzt wurden auch die Begegnungen, die Musik und die Theatervorführungen. In einer Gewerbehalle beim Bahnhof gab es bis spätnachts Party.
Mit dem «Läufelfingerli» gelangten die Gäste direkt zum Fest, das praktisch beim Aussteigen begann. Baggervorführungen sorgten für Spass, wobei sich Kinder in ihrer Geschicklichkeit versuchen durften. Bei einer «Waldhütte» waren ausgestopfte Tiere wie Wildsau, Fuchs oder Dachs zu bestaunen. Im «Weisch no Huus» konnten die Besucherinnen und Besucher in die Dorfgeschichte eintauchen.
Neben den zahlreichen Aktivitäten und Programmpunkten lud auch die Festdekoration zum Bleiben ein: Nach dem Eintritt durch einen Ruinenbogen beim Reservoir führte ein kurzer Fussweg entlang des Homburgerbachs zum Festgelände im Unterdorf. Dieser war gesäumt von Lichterketten und liebevoll gebastelten Fackeln, die besonders am Abend eine äusserst idyllische Stimmung kreierten.
Zu sehen waren darüber hinaus Zeichnungen von Kindern, die das «Krokodil» gemalt hatten – jene historische Lokomotive, die am Dorffest auf der Hauensteinstrecke verkehrte. Für die Kleinen gab es eine Dampfbahn, während die Teilnahme an der Tombola allen offenstand. Auf der Bühne im Unterdorf traten verschiedene Formationen auf, darunter die «Schwyzerörgeli»-Grossformation Tschoppenhof und das Blasmusikensemble Läufelfingen.
Die Oberbaselbieter Rockband «The Shooters» zog am Samstagabend mit kultigen Rockklassikern ebenfalls ein breites Publikum an. Einige Bandmitglieder machen bereits seit ihrem 12. Lebensjahr gemeinsam Musik. «Wir kommen alle hier aus der Gegend. Es hat sich angefühlt, als hätten wir für alte Freunde gespielt», sagte Pianist Reto «Schubi» Schaub zur «Volksstimme».
Trotz weiterer Veranstaltungen in der Region zog das Läufelfinger Dorffest zahlreiche Gäste jeglichen Alters an. Auch viele junge Menschen verbrachten den Samstagabend in Läufelfingen: Besonders an der «Turn up Party» traf man die Jugend an. Lange nachdem der restliche Festbetrieb beendet war, wurde in der Halle beim Bahnhof noch ausgelassen getanzt.
Hunderte Freiwillige
Ein Höhepunkt waren die kurzen Aufführungen der Theatergruppe Bühne 12. An fünf Stationen auf dem Festgelände präsentierte sie «Gschichte us 800 Johr Läufelfinge». Zwischen den einzelnen Sequenzen folgte das Publikum jeweils den Schauspielenden zum nächsten Spielort. Episoden aus der Läufelfinger Geschichte wurden humoristisch gespielt und besungen: von der Homburg und der Industrialisierung über die Heimposamenterei mit den Seidenbändern und den Tunnelbau bis hin zu einem Sagenschatz.
Die zwölfköpfige «Bühne 12» trat komödiantisch, augenzwinkernd und teilweise improvisierend auf, blieb dabei aber historisch fundiert. Gleichzeitig machte die Gruppe neugierig auf ihr geplantes Stück «Die schwarze Spinne», das im kommenden Juni im ehemaligen Steinbruchareal in Läufelfingen aufgeführt werden soll. Die Darbietungen wurden mit viel Applaus verdankt.
In Gesprächen war immer wieder der Stolz der Läufelfingerinnen und Läufelfinger zu spüren, ein Fest dieser Grösse auf die Beine gestellt zu haben. Rund 500 Freiwillige standen während des Festes und bei der Organisation im Einsatz. «Es ist richtig cool. Die gute Stimmung hat sich bereits beim Aufbau mit vielen Neugierigen gezeigt», sagte ein freiwilliger Helfer. Für einen Besucher war es selbstverständlich, nach Läufelfingen zu kommen: «Wir sind ja schliesslich Oberbaselbieter.» Neben der Einwohnerschaft zog das Fest auch viele Heimweh-Läufelfinger und Gäste aus den umliegenden Dörfern an.
Andreas Murer, verantwortlich für Sicherheit und Verkehr, koordinierte die Sicherheitspersonen auf dem weitläufigen Gelände. Am Sonntag war die Schiesserei in Aarau mit einer zu diesem Zeitpunkt noch flüchtigen Täterschaft wohl beim einen oder anderen im Hinterkopf. Murer betonte die gute Zusammenarbeit mit privaten Sicherheitsfirmen. Von der grossen Besuchermenge zeigte er sich «positiv überrascht». Angesichts der Leistung der Festorganisatoren sprach er von Hühnerhaut: «Ich traf nur auf lachende Gesichter.»
Besonders mit dem Wetter hätten sie Glück gehabt, fand Antonio Gallo von den Hopfenfreunden Läufelfingen. Während ein paar Kilometer weiter in Trimbach ein Sturm am Freitag seine Spuren hinterliess, seien die Läufelfinger verschont geblieben. «Eine Fahne ging kaputt, ansonsten ist alles heil geblieben», so Gallo. Allgemein war das Wetter auf der Seite der Läufelfinger: Die Temperaturen waren angenehm, und auch der Regen blieb aus.
Am Sonntag, dem letzten Festtag, folgte ein weiterer Höhepunkt. Zweimal fuhr die historische Lokomotive «Krokodil» mit zahlreichen begeisterten Passagieren von Sissach nach Olten und zurück. Auf einer der Fahrten mit dabei war Bundesrat Beat Jans, der sich unter die Leute mischte und eine Festrede hielt (siehe Artikel auf Seite 4).
Darin betonte er die Bedeutung des Engagements der Bürgerinnen und Bürger. Denn: Möglich wurde die Feier am unteren Hauenstein erst durch den Einsatz von Helfenden, Vereinen, Sponsoren, Behörden und dem Organisationskomitee – mit viel brennender Begeisterung und ohne weiteren Brandschaden.
Feuer-Ereignisse in Läufelfingen
1226 beginnt das «Feuer» für Läufelfingen mit der Erwähnung in einer Urkunde des Bischofs von Basel als «Leinvolvingen» zu brennen.
1445 stecken durchziehende Soldaten das ganze Dorf in Brand.
1607 zerstört ein Brand im Gasthof «Sonne» zehn weitere Häuser.
1798 wird die Homburg von der Bevölkerung in Brand gesetzt, um sich der Herrschaft der Basler Landvögte zu entledigen.
1857 entsteht beim Bau des Hauenstein-Tunnels ein verheerender Brand.
1924 brennt die Scheune beim Restaurant «Rosengarten» ab.
1966 kommt es zu einem Grossbrand beim «Bad Ramsach».
1972 brennt die «Sagi» von Rickenbacher Ladenbau.
1974 brennt das Waldhaus «Seppenweid».
1979 brennt das Lokal «Chluriloch».
2005 brennt das Restaurant «Bahnhof».
Seit 2011 baut der Künstler Hans Jörg Rickenbacher aus Holz Kunstwerke und brennt sie kontrolliert ab.
Erika Bachmann

