AM BALL ZU HAUSE
02.04.2026 SportFinale, oh-oh …!
Am Sonntag war ich zu Gast am 50. Schweizer Cupfinal der Frauen. Was für ein Spektakel in Winterthur! Schon in Stadionnähe lag etwas Besonderes in der Luft – diese Mischung aus Anspannung, Vorfreude und dem leisen Knistern eines ...
Finale, oh-oh …!
Am Sonntag war ich zu Gast am 50. Schweizer Cupfinal der Frauen. Was für ein Spektakel in Winterthur! Schon in Stadionnähe lag etwas Besonderes in der Luft – diese Mischung aus Anspannung, Vorfreude und dem leisen Knistern eines grossen Moments. Spiele wie dieses sind mehr als nur 90 Minuten Fussball. Sie sind Emotion, Geschichte und für viele Spielerinnen der Höhepunkt einer ganzen Saison, manchmal gar einer Laufbahn. Kaum sass ich auf der Tribüne, kamen Erinnerungen hoch: Bilder aus meiner eigenen Zeit als Spielerin. In einem Schweizer Final stand ich zwar nie. Aber immerhin durfte ich dreimal einen regionalen Cupfinal erleben – und wir durften in zwei von drei Fällen gar als Siegerinnen vom Platz.
Solche Spiele brennen sich ein.
An die Tage davor erinnere ich mich. Ans Kribbeln im Bauch, das einen schon beim Aufwachen begleitet. Du versuchst, dich abzulenken, doch die Gedanken kreisen immer wieder ums Spiel. Wie werden die Gegnerinnen auftreten? Bin ich bereit? Und dann ist da dieser Respekt – vor dem anderen Team, der Bedeutung des Spiels, dem Moment an sich. Gleichzeitig wächst etwas anderes. Ein stiller, fast heimlicher Traum. Der Gedanke daran, wie es sich anfühlen würde, den Pokal in die Höhe zu stemmen. Dieser eine Augenblick, für den du all die Trainings, all die Entbehrungen, all die kleinen Rückschläge in Kauf nimmst.
Am Finaltag selbst ist dann alles intensiver. Jede Aktion zählt ein bisschen mehr, jeder Fehler fühlt sich gravierender an, jede gelungene Szene umso schöner. Und egal, wie das Spiel ausgeht – solche Erlebnisse bleiben. Als ich nun den Spielerinnen auf dem Platz zusah, spürte ich genau das wieder: diese Energie, die Entschlossenheit, aber auch die Freude am Spiel. Es erinnerte mich daran, warum wir diesen Sport lieben. Nicht nur wegen der Siege, sondern wegen der Momente, die uns prägen.
Zum Beispiel mein letzter Final, der zugleich das allerletzte Spiel als aktive Fussballerin war. Ich startete gut, der erste Pass gelang, ich tankte Zuversicht und kam immer besser ins Spiel – aber wir vom SV Sissach verloren gegen die Frauen des FC Schwarz-Weiss 1:3. Natürlich hatte ich mir mein Karrierenende anders ausgemalt. Aber gerade aus einer solchen Enttäuschung lernt man ja auch. Fürs Leben.
Gut gespielt, nichts gewonnen, auch das gibts im Teamsport. Mancher YB-Akteurin wird es am Sonntag so ergangen sein. Ein Final ist für viele ein Ziel. Für manche ein Traum. Für alle Beteiligten aber vor allem eines: ein Erlebnis, unvergesslich.
Vera Gmür
Vera Gmür (1985) ist Präsidentin Frauenfussball beim FVNWS. Die Ormalingerin spielte früher selber im Halbprofibereich, heute engagiert sie sich für die Entwicklung des Mädchen- und Frauenfussballs in der Region und spielt bei den Seniorinnen des SV Sissach.

