COACH’S CORNER
26.02.2026 SportAus der Distanz coachen
Ich habe in meiner letzten Kolumne kurz vor dem Davis Cup aufgehört. Genau dort nehmen wir die Fahrt wieder auf. Da der Februar im Zeichen dieses besonderen Events stand, will ich ein paar Coaching-Einblicke dazu teilen.
Nach der ...
Aus der Distanz coachen
Ich habe in meiner letzten Kolumne kurz vor dem Davis Cup aufgehört. Genau dort nehmen wir die Fahrt wieder auf. Da der Februar im Zeichen dieses besonderen Events stand, will ich ein paar Coaching-Einblicke dazu teilen.
Nach der verletzungsbedingten Rückreise aus Portugal blieben Leandro genau 14 Tage, um für den Davis Cup gesund und «Match-fit» zu werden. Ein solcher Wettlauf gegen die Zeit ist tückisch: Je schneller man vorwärts machen will, desto langsamer geht die Heilung voran. Manchmal besteht Coaching daraus, nicht mehr zu machen, sondern bewusst weniger. Aber nichts zu tun ist weder für den Körper noch für den nächsten Match gewinnbringend. Die richtige Balance zu finden braucht Erfahrung im Team – und mit unserem Physio Stefan haben wir zum Glück genau das. Die Rechnung ging perfekt auf: Leandro war auf den Tag bereit für seinen Match und verhalf der Schweiz zum 3:0-Sieg gegen Tunesien.
Vielleicht fragen Sie sich, wie mein Coaching in so einer Team-Woche aussieht, während die Schweiz ja bereits einen Team-Captain und eine komplette Delegation hat. Na ja, es existiert kaum oder in diesem Fall von der Skipiste aus (und aus dem Après-Ski). Ich ziehe mich zurück. Einerseits, weil es ein perfekter Zeitpunkt ist für einen geplanten Urlaub, andererseits sehe ich viel Positives darin, den Spieler auch mal «abzugeben». Andere Stimmen, andere Wörter, Tennis spielen, ohne mein Gesicht am Spielfeldrand zu sehen. Dadurch entsteht auch wieder Frische in unserer Zusammenarbeit.
Natürlich habe ich vor dem Davis Cup viel Austausch mit Captain Severin Lüthi und auch mit dem Co-Captain Michael Lammer. Es ist schon sinnvoll, dass unsere Ansätze in die ähnliche Richtung gehen. Während der Woche selbst ist meine Rolle jedoch wie gesagt passiv. Ich erhalte regelmässig Updates und bin erreichbar, falls es Fragen gibt oder sonst etwas aufkommt. Ansonsten war ich damit beschäftigt, Marco Odermatts Riesenslalomschwünge nachzuahmen – mit überschaubarem Erfolg.
Nach dem Davis Cup trifft man – so die Erfahrung von anderen Coaches – auf einen Spieler mit einer anderen Energie als bei der «Abgabe». Eine Team-Woche, in der er die Nation vertritt, hat es in sich: viele Emotionen und Eindrücke, die verarbeitet werden müssen. In solchen Phasen versuchen wir – diesmal gemeinsam mit unserem zweiten Coach Thiemo – wieder zurück zur «Normalität» zu finden und dabei die neuen, positiven Erfahrungen einzubinden.
Nach zwei weiteren Challenger-Turnieren in Frankreich laufen nun die Vorbereitungen für das «US-Sunshine-Double»: Indian Wells und Miami Open.
Yannik Steinegger
Der Bubendörfer Yannik Steinegger (2000) gehörte zu den besten Schweizer Tennisspielern, ehe er sich schon mit 23 entschied, Profi-Trainer zu werden. Er betreut die Schweizer Tennis-Hoffnung Leandro Riedi.

