BERG & TAL
09.10.2025Immer schön kreativ bleiben
Fast vier Monate ist es her, als Spiess + Kühne mit der Entwicklung einer Orthese für den Fuss und den Unterschenkel begonnen hat, damit ich noch schneller auf dem Board unterwegs sein kann. Da diese aber in keinen ...
Immer schön kreativ bleiben
Fast vier Monate ist es her, als Spiess + Kühne mit der Entwicklung einer Orthese für den Fuss und den Unterschenkel begonnen hat, damit ich noch schneller auf dem Board unterwegs sein kann. Da diese aber in keinen «normalen» Schuh passt, nahmen wir mit einer Firma Kontakt auf, die Snowboard-Schuhe produziert. Wir klärten ab, ob es möglich ist, einen auf meine Situation angepassten Schuh anfertigen zu lassen.
Dies sei machbar, so die Antwort. Die Firma teilte uns sogar mit, ein Sponsoring zu prüfen. Wir waren überrascht und positiv gestimmt. Nach ein paar Wochen fragten wir erneut nach. Die Antwort war, die Umsetzung des Schuhs sei weiterhin möglich, für das Sponsoring könne man uns aber noch keine Rückmeldung geben. Für uns war in erster Linie der Schuh wichtig, also waren wir weiterhin entspannt. Dann kam die Absage für das Sponsoring, was für mich in Ordnung war. Dennoch wurde ich langsam nervös. Nach vielen Arbeitsstunden und einem intensiven Prozess konnte die Orthese so weit fertiggestellt werden. Nun fehlte nur noch etwas: der Schuh. Nach wiederholter Nachfrage erhielten wir dann vor drei Wochen die Hiobsbotschaft, dass es nun zu spät sei, passende Schuhe zu produzieren. Das Unternehmen konzentriere sich auf ihre bestehenden Olympia-Athleten. Legitim, doch die Info liess lange auf sich warten. Schliesslich geht es für mich diese Saison im besten Fall ebenfalls an die Paralympics. Es war zu spät, mit einer anderen Firma alles neu aufzugleisen.
Mein Team und ich prüften alle Optionen, um doch noch einen passenden Schuh zu finden. Der Orthopädie-Schuhmacher von Spiess + Kühne war bereit, aus einem bestehenden Schuh eine Lösung zu entwickeln. Die Mitarbeitenden vom Sportgeschäft Radix in Liestal halfen und sammelten innert kürzester Zeit mögliche Schuhe aus dem Lager und anderen Filialen zusammen. Mit den unterschiedlichsten Modellen reiste ich erneut zu Spiess + Kühne. Der Schuhmacher hat Blut und Wasser geschwitzt und innert zwei Wochen eine fantastische Lösung aus einem bestehenden Schuh gezaubert.
Für die Orthesen wurde der Schuh breiter, passt aber noch in meine geliebte Union-Bindung. Langfristig ergibt es Sinn, bereits bei der Schuhproduktion ansetzen zu können. Denn bestehende Schuhe zu verändern, birgt aufgrund des Verschneidens des Materials immer ein Risiko. Doch für diese Saison ist die vorhandene Lösung perfekt.
Einen schönen Nebeneffekt hat die Episode: Ich habe einmal mehr gemerkt, dass Herausforderungen Teil unseres Wegs sind und uns ermöglichen, ausserhalb der «Box» zu denken und kreativ zu werden.
Romy Tschopp
Vom Rollstuhl aufs Snowboard: Die Sissacherin Romy Tschopp (1993) ist die erste Schweizer Para-Snowboarderin, die an Paralympischen Spielen teilnehmen konnte. Sie wurde 2023 Vizeweltmeisterin im Snowboardcross.

