«Ich muss immer alles geben, um vorne dabei zu sein»
28.09.2023 SportSchwingen | Franziska Rickenbacher – Glanzlicht am «Eidgenössischen»
Franziska Rickenbacher aus Itingen hat am Eidgenössischen Frauen- und Meitlischwinget «Historisches» vollbracht. Als einzige Baselbieter Schwingerin erzielte sie in ...
Schwingen | Franziska Rickenbacher – Glanzlicht am «Eidgenössischen»
Franziska Rickenbacher aus Itingen hat am Eidgenössischen Frauen- und Meitlischwinget «Historisches» vollbracht. Als einzige Baselbieter Schwingerin erzielte sie in Grächen eine Spitzenplatzierung. Im Kampf um die Krone erreichte sie Rang 2.
Willi Wenger
Die 29-jährige Franziska Rickenbacher, die auch als «Ur-Sissacherin» bezeichnet werden kann, ist im Schwingsport aus kantonaler Sicht eine Ausnahmeerscheinung. Als aktuell einzige Aktive überhaupt im Baselbiet ist sie das Aushängeschild der Region im Schwingsport, der auch bei den Frauen zunehmend an Bedeutung gewinnt. Das weiss die Oberbaselbieterin, die einst den Beruf als Zimmerin erlernt und die vor acht Jahren die Rekrutenschule als Trainsoldat absolviert hat, natürlich. Grund genug für die 1,80 Meter grosse Athletin, weiterhin alles ihrer Leidenschaft unterzuordnen. «Ich muss immer alles geben, um vorne dabei zu sein», sagt die seit über sechs Jahren als Lastwagenfahrerin tätige Rickenbacher.
Sie blickt im Gespräch mit der «Volksstimme» hochzufrieden auf die vergangene Saison zurück.
Diese sei von Emotionen begleitet sehr gut verlaufen, sagt die Besitzerin von sechs Ziegen, die bei ihren Eltern in Sissach eingestallt sind. Einige dieser Tiere sind Gaben, die Rickenbacher an Schwingfesten gewonnen hat.
Schwingfeste nimmt Rickenbacher grundsätzlich ernst, «sehr ernst sogar», wie sie präzisiert. Das beginne bereits beim Training, sagt die siebenfache Kranzgewinnerin. Die für den Frauenschwingclub Steinhuserberg und Umgebung im Kanton Luzern startende Athletin verrät allerdings nicht, wie oft sie pro Woche trainiert. Nur so viel: Sie ist regelmässig in den Kellern des Schwingklubs Liestal und des Bezirks-Schwingklubs Sissach. «Das ist für mich optimal, zumal ich dort mit jungen Aktiven, die für mich die besten Gegner darstellen, trainieren und an meiner Technik feilen kann.» Diese Einheiten seien bereichernd. Fitnesstrainings im «Cross-Fit» in Sissach runden den Bereich ab.
Dass Rickenbacher auf dem Weg zur nationalen Spitze ist, dokumentiert ihr Palmarès und im Speziellen ihre Saisonbilanz. Sie hat neun Feste bestritten, davon acht Kranz- und ein Hallenschwinget, bei dem sie triumphierte. Viermal holte sie den Eichenlaub-Kopfschmuck, viermal fehlte ihr zum Kranz das berühmte «Vierteli». Nebenbei sagt die Oberbaselbieterin bescheiden, dass sie gegen die Anfang September zur Schwingerkönigin gekrönten Angela Riesen heuer siebenmal gestellt, also ein Unentschieden, erreicht habe. «Alles in allem bin ich mit dem Erreichten dieses Jahres zufrieden. Ich bin glücklich über meine Resultate und zudem froh, dass ich verletzungsfrei durch die Saison gekommen bin.» In dieser hat sie im Übrigen 54 Gänge absolviert, nur einen verloren, die Mehrheit davon aber siegreich gestaltet. Die einzige Schwingerin der beiden Basler Halbkantone steigt im Regelfall mit eigenen Schwinghosen und mit «Idealgewicht» in den Ring. Dort kann sie ihre gute Technik vielfach in Erfolge gegen körperlich überlegene Gegnerinnen umsetzen.
Neben dem Schwingsport und ihrer anspruchsvollen Arbeit mit 40-Tonnen-Lastzügen bleibt der sympathischen Schwingerin nicht viel Freizeit. Als zweites Hobby nannte sie als Ausgleich ihre Ziegen.
Wenig Schwingerinnen
en. An Kranzfesten wie auch am «Eidgenössischen» nehmen in der Regel höchstens 30 Aktiv-Schwingerinnen teil. Das sei nicht viel, zumal am Ende des Tages nur 18 Prozent der Teilnehmerinnen einen Kranz erhalten. So komme es vor, dass teilweise nur drei Kränze oder maximal fünf Auszeichnungen vergeben werden. Die Itingerin, die an den Siegerinnen-Ehrungen immer in der Baselbieter Festtagstracht auftritt, hält schliesslich ausdrücklich und dankbar fest, dass sie ihrem Umfeld viel zu verdanken habe. «Zu diesem zählt meine Familie, die Trainer sowie Trainingskolleginnen und -kollegen», sagt Rickenbacher.

