Zwei Oberbaselbieter in Magglingen
18.07.2023 SportSpitzensport-RS | Amelio Tambini und Elvis Schläpfer nutzen Dienstpflicht für ihre Karriere
Seit rund drei Monaten sind Eishockeyaner Elvis Schläpfer und der Unihockeyaner Amelio Tambini in der Spitzensport-RS. In Magglingen können sie bei professioneller Infrastruktur ...
Spitzensport-RS | Amelio Tambini und Elvis Schläpfer nutzen Dienstpflicht für ihre Karriere
Seit rund drei Monaten sind Eishockeyaner Elvis Schläpfer und der Unihockeyaner Amelio Tambini in der Spitzensport-RS. In Magglingen können sie bei professioneller Infrastruktur trainieren und somit enorm profitieren. Vor allem im physischen Bereich.
Luana Güntert
Sommer, Sonnenschein und mehr als 30 Grad – perfekte Bedingungen für die Ferien. Während andere nach Italien, Spanien oder ins Tessin reisen, sind Amelio Tambini und Elvis Schläpfer in der Armee beschäftigt. Doch anders als die meisten Rekruten verbringen die beiden Spitzensportler ihre Rekrutenschule (RS) nicht mit Schiessen, Nachtübungen und Märschen, sondern hauptsächlich mit Trainings. Im April rückten der Niederdörfer Unihockeyspieler Amelio Tambini und der Eishockeyspieler Elvis Schläpfer aus Sissach nämlich in die Spitzensport-RS in Magglingen ein.
«Ich habe vom Verband von dieser Möglichkeit erfahren», sagt der 20-jährige Tambini. Für Unihockeyspieler sei es erst die zweite RS, in der ihre Sportart angeboten wird. Tambini fand die Idee von Anfang an spannend und hat sich gleich beworben. Der Prozess war jedoch aufwendig: «Zuerst gab es ein Selektionsgespräch, danach bestimmt der Verband und anschliessend die Armee, wer eine Runde weiterkommt», erklärt er. Nach den beiden Beschlüssen gab es nochmals ein Gespräch, worauf der letzte Entscheid für oder gegen einzelne Spieler gefällt wurde.
Auch beim anderthalb Jahre älteren Schläpfer lief die «Nominierung» über den Verband ab, der eine «Long-List» führe, auf welche die Vereine potenzielle RS-Kandidaten setzen können. «Wir hatten diverse Gespräche mit dem Verband und dieser entschied dann, welche Eishockeyspieler nach Magglingen gehen dürfen», sagt Schläpfer. Mit «normalen» Rekruten kommen die beiden Sportler nicht in Kontakt. «Wir waren nur zwei Tage an der Rekrutierung», sagt Schläpfer.
Zwei Teamsportler
Die meisten seiner Trainings absolviert EHC-Biel-Profi Schläpfer vor Ort in Magglingen: «Im Eishockey, vor allem in Biel, trainieren wir nur selten auf dem Eis», sagt er. Der grösste Teil seiner Einheiten bestehe aus Kraftund Ausdauertraining, weshalb es nicht essenziell sei, dass die Trainings im Team durchgeführt werden. «Hier oben in Magglingen haben wir noch mehr Zeit und eine tolle Infrastruktur.»
Besonders im Sommer wird auch im Unihockey der Fokus auf die Athletik und weniger auf die Technik gelegt. «Ich trainiere in Magglingen immer in einer kleinen Gruppe mit den anderen Unihockeyanern», sagt Tambini. Der Spieler des SV Wiler-Ersigen ist nicht der einzige seiner Mannschaft in Magglingen – zwei Teamkollegen absolvieren ebenfalls die Spitzensport-RS. «Einmal pro Woche fahren wir ins Vereinstraining», sagt er.
Der Tagesablauf ist voll und ganz auf den Sport ausgerichtet. «Anfangs wurde jeden Morgen um 6.55 Uhr das Antrittsverlesen durchgeführt», erklärt Schläpfer. Dies ist eine Bestandeskontrolle der Rekruten durch den Feldweibel. Seit Kurzem finde das nur noch montags und freitags statt. Somit könnten sie an den anderen drei Tagen etwas länger schlafen. In der Kantine des Bundesamts für Sport nehmen die Rekruten und Soldaten ihr Frühstück ein. «Danach legen wir uns oft nochmals ein paar Minuten hin, um danach das erste Training durchzuführen.»
Nach der ersten Einheit geht es wieder zurück in die Kantine für das Mittagessen. Anschliessend haben die Athleten Zeit für sich, um zu schlafen oder sich in ihren Zimmern zu entspannen, bevor es in die nächste Trainingseinheit geht. Das Abendprogramm können die Rekruten und Soldaten der Regeneration widmen oder sie spielen in der Gruppe und entspannen sich. In Magglingen gibt es auch die Möglichkeit, in die Sauna zu gehen oder eine Massage zu erhalten.
Kurze Militärausbildung
Ein grosser Unterschied zur regulären RS besteht darin, dass die Spitzensport-RS waffenlos durchgeführt wird. Die ersten drei Wochen in der RS gingen militärischer zu. Dann nämlich werden die Basis der militärischen Grundausbildung, eine Sanitätsausbildung und ein wenig Zugschule absolviert. Schläpfer hat diese Zeit jedoch verpasst, da er sich mit dem EHC Biel lange in den Play-offs halten konnte und es in den Final schaffte.
«Im physischen Bereich konnten wir bis jetzt enorm profitieren», sind sich die beiden einig. Tambini erklärt, dass Wiler-Ersigen im Sommer oft «nur» dreimal pro Woche als Team trainiere und die Spieler jeweils zusätzlich Einzeltrainings hätten. «Hier in Magglingen haben wir doppelt so viele Trainings, ich bin definitiv fitter als vorher.»
Obwohl Tambini und Schläpfer ähnliche Sportarten ausüben, schwitzen sie nicht zusammen. «Die Trainings finden sportartenspezifisch statt», sagen sie. Ein- bis zweimal pro Woche steht ihnen eine Athletiktrainerin zur Verfügung – die restlichen Kraft- und Ausdauer-Einheiten werden selbstständig durchgeführt. Für die spezifischen Unihockey- und Eishockeyeinheiten hat es jederzeit mehrere Trainer vor Ort, die vom Verband angestellt sind.
Neben seiner Sportkarriere studiert Tambini an der Universität Basel Pharmazie. Im letzten Monat des Semesters konnte er aufgrund der RS nicht mehr vor Ort an den Vorlesungen teilnehmen und er verfolgte sie deshalb online – «so gut es ging». Für die Prüfungen konnte er sich jeweils einen halben oder ganzen Tag freinehmen, um nach Basel zu fahren. «Ich habe am Wochenende viel gelernt. Doch auch unter der Woche hat man Zeit dafür, solange man motiviert ist», sagt er.
Die Wochenenden dürfen die zwei jungen Männer zu Hause verbringen. Freitags kurz nach dem Mittag treten die Soldaten jeweils den Heimweg an. «Wir rücken am Sonntagabend wieder ein und müssen bis spätestens 23 Uhr im Zimmer sein», erklärt Schläpfer. Das Wochenende sei also schon etwas länger als in der «normalen» RS.
Nach der 18-wöchigen RS besteht für die beiden Oberbaselbieter die Möglichkeit, in den Spitzensport-Wiederholungskurs (WK) einzurücken. «Ich glaube, dass im Eishockey anfangs noch alle im WK-Modell dabei sind, doch später muss die Leistung stimmen, damit man nicht rausfällt», sagt Schläpfer. Man müsse ein Kandidat sein für die Nationalmannschaft, um dabei zu sein. Des Weiteren können im Eishockey und im Unihockey Einsätze in der «Nati» als WK-Tage angerechnet werden.
Nach zwölf Wochen in der Spitzensport-RS werden die Rekruten zu Soldaten. Eine typische Militärkarriere mit Aufstiegschancen ist bei den Spitzensportlern aber nicht möglich. «Ich glaube, man kann Gefreiter werden, wenn man an der Weltmeisterschaft eine Medaille holt. Ich bin mir aber nicht sicher», sagt Schläpfer.
Abendliche Geselligkeit
Die beiden Hockeyspieler schätzen die Spitzensport-RS sehr und haben den Schritt nach Magglingen nie bereut. «Wir hätten sowieso ins Militär gehen müssen», sagt Schläpfer. Durch die Spitzensport-RS könnten sie sportlich profitieren und trotzdem ihre Militärpflicht erfüllen. «Das hier ist eine riesige Chance für uns», sagt Tambini. Auch den Austausch mit den anderen Sportlerinnen und Sportlern schätzen die beiden sehr. «Es ist toll, wenn man abends im Café noch zusammen Karten spielen kann», sagt Schläpfer. Aus dem Verein kenne er das nicht, da dort alle nach dem Training nach Hause gingen. «Man verbringt viel Zeit miteinander, in der Freizeit und beim Essen, das ist toll», sagt auch Tambini.
Neben dem militärischen Part und den Trainings durften die beiden Sportler auch weitere sportbezogene Ausbildungen geniessen. «Wir hatten verschiedene Schulungen», sagt Tambini. Den Sportlern sei gezeigt worden, wie man in Interviews richtig reagiere und mit Medien umgehe, wie man Social Media betreibe und wie man Sponsoren an Land ziehen könne. «Auch das ‹Career-Management› für die Zeit nach dem Spitzensport wurde uns nähergebracht.»
Die beiden Spitzensportler schwärmen auch vom guten Essen in der Kantine und der guten Auswahl. Dort verpflegen sich auch die Mitarbeiter des Bundesamts für Sport und die Studenten der Hochschule für Sport. Anders als im «normalen» Militär gibt es in der Spitzensport-RS keine Massenschläge, sondern Doppelzimmer, und auch keine «Ämtli», sondern Reinigungspersonal. «Wir können hier wirklich stark profitieren. Für uns war von Anfang an klar, dass wir diese Chance nutzen wollen, sollten wir sie erhalten.»


