«Kraftstoff» geht die Kraft aus
18.07.2023 SissachDie fünf jungen Bierbrauer stellen den Verkauf ein
Vier Jahre lang haben fünf junge Männer in Sissach ihr Bier mit dem Namen «Kraftstoff» gebraut. Nun stellen sie den Betrieb ein. Der Grund dafür liegt nicht an den gestiegenen Preisen für die Produktion, ...
Die fünf jungen Bierbrauer stellen den Verkauf ein
Vier Jahre lang haben fünf junge Männer in Sissach ihr Bier mit dem Namen «Kraftstoff» gebraut. Nun stellen sie den Betrieb ein. Der Grund dafür liegt nicht an den gestiegenen Preisen für die Produktion, sondern an der fehlenden Zeit. Der Anfangselan ist weg.
Jürg Gohl
«Alles braut Bier; alles braut Bier; Bier braut die ganze Nation.» Zumindest für das Jahr 2021 trifft diese Abwandlung des Skihütten-Evergreens voll zu. Da wurde in der Schweiz die Rekordmarke von 1278 Brauereien gezählt. Doch bereits im Folgejahr gaben 100 von ihnen auf: Experten sprechen von einer Korrektur des Marktes und führen vor allem die gestiegenen Preise für Wasser, Strom und Gas sowie für den Transport und das Rohmaterial an. Putins Angriffskrieg in der Ukraine trägt eine Mitschuld an diesem Rückgang, wie das Radio kürzlich berichtete.
Ihren Betrieb eingestellt hat auch die Sissacher Kleinbrauerei «Kraftstoff» im Keller der Hauptstrasse 29, wo die Bahnhofstrasse und die Hauptstrasse zusammenstossen. Nach vier Jahren Brauen ist Schluss. Doch am Finanziellen liegt es dort nicht. Denn Geld verdient haben die fünf jungen Männer damit ohnehin nicht. Lohn gab es nie. Einzig als die Einnahmen tatsächlich einmal flossen, zahlten sie sich einen Teil jener 2500 Franken zurück, die jeder investiert hatte, als sie 2019 ihre kleine Brauerei in Betrieb nahmen.
Elan und Zeit fehlen
«Es liegt nicht am Geld», sagt Valentin Fiechter, Brauer und Präsident des Vereins, «unser Anfangselan und der Spass, den uns das Produzieren bereitete, sind abgeflaut.» Zudem führten berufliche Veränderungen dazu, dass nicht mehr alle ausreichend Zeit für die vielen Stunden fanden, die es fürs Brauen braucht, wie Fiechter weiter ausführt.
Mit der alten, grösseren, aber inzwischen ersetzten Brauanlage stellte die Equipe an Spitzentagen bis zu 600 Liter her. Er blickt zufrieden auf eine schöne Zeit mit vielen Erfahrungen zurück. Auch Michael Plattner, ein anderer der fünf Jungbrauer im «Kraftstoff»-Team, versteckt seinen «Stolz» auf das Erreichte und vor allem auf ihr Bier nicht: «Wir erhielten für unsere Biere durchs Band nur positive Reaktionen. Am Schluss fehlten uns schlicht die Kapazitäten.»
«Kraftstoff» produzierte die vier Standard-Biere «Helles», «Amber», «IPA» und «Stout» sowie saisonale Biere. Die Mini-Brauerei belieferte auch Pubs und Restaurants in der Region. «Ja, es lief zeitweise ausgezeichnet», sagt Michael Plattner, «auch wenn wir mit dem Erlös am Ende nur unsere Ausgaben decken konnten.» Probleme, ausreichend Abnehmer zu finden, kannte das Quintett jedenfalls nie.
Noch hängt am Eingang das Schild und stehen Gerätschaften im Keller. Einzelnes Geschirr wurde weitergegeben. Ihr Refugium haben sie gekündigt, doch die Miete läuft noch. Bestehen bleibt indes der Verein. «Die Brauanlage behalten wir», sagt Valentin Fiechter, «vielleicht hat jemand von uns einmal wieder Lust. Oder es findet sich frisches Blut, das eine kleine Brauerei führen will.»

