Vom Bauernhof in die Molkerei
02.06.2023 SissachDie Firma Imark transportiert täglich 200 bis 250 Tonnen Rohmilch
Die Schweiz zählt beim Milchkonsum zu den Weltmeistern. Ein Unternehmen aus Sissach hilft mit, dass die Regale in den Einkaufsläden stets voll sind mit Trinkmilch, Käse, Rahm oder Joghurt: Die Imark ...
Die Firma Imark transportiert täglich 200 bis 250 Tonnen Rohmilch
Die Schweiz zählt beim Milchkonsum zu den Weltmeistern. Ein Unternehmen aus Sissach hilft mit, dass die Regale in den Einkaufsläden stets voll sind mit Trinkmilch, Käse, Rahm oder Joghurt: Die Imark Transport AG versorgt Molkereien mit Rohmilch vom Bauernhof.
Janis Erne
Es ist jeweils frühmorgens, kurz nach 7 Uhr, wenn die Milchbauern im Homburgertal auf dem Platz vor dem grossen Holzschnitzellager zwischen Buckten und Rümlingen zusammenkommen. Ein Lastwagen mit grünem Fahrerhaus und einem grossen, silbernen Tank ist dann meist schon vor Ort. Er gehört zur Imark Transport AG. Die Firma aus Sissach bringt täglich 200 bis 250 Tonnen Rohmilch von solchen Sammelstellen und von Bauernhöfen in der Nordwestschweiz zu Molkereien und Nahrungsmittelherstellern wie Emmi, Migros, Cremo oder Nestlé, wo sie verarbeitet wird.
«Unser Sammelgebiet erstreckt sich der Landesgrenze bis fast nach Delémont und Koblenz sowie der Jurakette entlang», sagt Patrik Imark. Der 44-Jährige führt das Transportunternehmen in dritter Generation zusammen mit seinem Cousin Florian (50). 2011 haben sie es von ihren Vätern übernommen. Inzwischen sind die Rollen klar verteilt: Patrik ist der Chef im Büro. Florian hält den Fuhrpark mit sechs modernen Milchsammelwagen und drei Sattelschleppern instand. Zudem macht Florian selbst Transportfahrten und kennt darum fast alle Landwirte, die in der regionalen Milchproduktion tätig sind – so, wie die 15 fest angestellten Chauffeure und die 5 bis 10 flexiblen Aushilfen.
Deren Flexibilität ist auch darum nötig, weil es nicht zu jeder Jahreszeit gleich viel Milch zu transportieren gibt. Aktuell – jeweils in den Monaten März, April und Mai – ist die Menge am grössten. Das hat damit zu tun, dass die Kühe im Winter kalben und danach am meisten Milch geben.
Umzug ins Oberbaselbiet
Abgesehen von den Bauern, die ihre Milch den Imarks übergeben, ist das Sissacher Unternehmen wohl nur wenigen ein Begriff. Seit 2005 ist es zwischen Chienberg-Kreisel und Badi an der Gelterkinderstrasse 31 daheim, zuvor war das Domizil in Himmelried (SO). Im Schwarzbubenland haben die Imarks nämlich ihre Wurzeln: Florian, der Bruder des SVP-Nationalrats Christian, wohnt noch immer in Nunningen. Cousin Patrik ist mittlerweile nach Diepflingen gezogen.
Die Verlagerung der Firma ins Oberbaselbiet vor 18 Jahren war mit einem sperrigen Begriff verbunden: Leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA). 2001 wurde die LSVA vom Bund eingeführt. Sie wird für Lastwagen fällig und erhöht sich unter anderem je gefahrener Kilometer. Weil man in Himmelried am Rand des Milchsammelgebiets lag, wollten die damaligen Patrons ihren Fuhrpark an einen zentraleren Standort verlegen. Sie suchten in der Umgebung Liestal und entschieden sich schliesslich für Sissach. Für den Bezirkshauptort sprach unter anderem der geplante Chienbergtunnel, der das Milchsammelgebiet heute mit der Autobahn verbindet.
Qualität ist entscheidend
Die Imark-Lastwagen holen die Milch von mehr als 300 Produzenten. Entweder direkt vor Ort auf den Bauernhöfen oder bei Sammelstellen, wo die Landwirte zusammenkommen – neben Buckten ist dies zum Beispiel in Ormalingen und Zeglingen der Fall. Laut Patrik Imark weichen die Sammelstellen aber immer mehr der Hofabfuhr. Sein Transportunternehmen ist exklusiv für die «mooh»-Genossenschaft tätig, die 2016 aus der Miba Genossenschaft und der Nordostmilch AG hervorgegangen ist und rund 3700 Milchproduzenten in der Nord-, West- und Ostschweiz vertritt.
Vor dem Abladen wird jeweils kontrolliert, ob es in der eingesammelten Milch Hemmstoffe (Substanzen, die das Bakterienwachstum hemmen) hat. Dafür stehen den Chauffeuren an den Sammelwagen Hightechgeräte für Schnelltests zur Verfügung. Und je nach Abladeort und Empfänger werden auch die Anzahl Keime oder der Gefrierpunkt der Milch bestimmt. Zudem werden die Tanks täglich gereinigt und die Milch wird dank der Isolation konstant kühl gehalten. Mit alldem soll sichergestellt werden, dass die Molkereien «einwandfreie» Milch erhalten, wie Patrik Imark sagt: «Qualität ist das oberste Gebot.»
Er ist überzeugt, dass sein Geschäft Zukunft hat. Zwar sehe auch er, «dass immer mehr junge Landwirte aus der Milchproduktion aussteigen». Und dass pflanzliche Alternativen wie Hafer-, Mandeloder Reismilch beliebter werden. Doch Produkte aus Kuhmilch wie Butter, Rahm, Käse, Joghurt oder Trinkmilch gehörten zur DNA der Schweiz. Die Daten geben ihm recht: Hierzulande wird im weltweiten Pro-Kopf-Vergleich mit am meisten Milch konsumiert, und die Produktionsmenge ist in den vergangenen Jahrzehnten stark angestiegen. Die Arbeit wird den Milchtransporteuren aus Sissach so schnell also nicht ausgehen.
Auch Helfer in der Not
je. Der Milchtransport ist das Kerngeschäft der Imark Transport AG. Daneben macht sie aber auch Wassertransporte – «meist in dringlichen Fällen», wie Patrik Imark, einer der beiden Geschäftsführer, sagt. Zum Beispiel, wenn ein Reservoir gefüllt werden muss, eine Trinkwasserleitung ein Leck hat oder eine Quelle eines Bauernhofs ausgetrocknet ist. Wassertransporte seien vor allem in heissen und trockenen Sommern wie vergangenes Jahr nötig, so Patrik Imark.



