Solarausbau
15.11.2022 Bauprojekte, GesellschaftAuf dass die Lichter nicht ausgehen
Ein Freund von mir bekam kürzlich Post von seiner Gemeinde, er solle sich Kerzen zulegen. Ausserdem solle seine Gefriertruhe nicht zu voll sein, damit der Schaden im Fall eines Stromunterbruchs begrenzt wäre.
Um einen ...
Auf dass die Lichter nicht ausgehen
Ein Freund von mir bekam kürzlich Post von seiner Gemeinde, er solle sich Kerzen zulegen. Ausserdem solle seine Gefriertruhe nicht zu voll sein, damit der Schaden im Fall eines Stromunterbruchs begrenzt wäre.
Um einen solchen abzuwenden, hat das Bundesparlament in der Herbstsession die Solaroffensive verabschiedet. Damit wird einerseits der Weg frei für eine grossflächige Verbauung der Alpen mit Solaranlagen. Andererseits soll der Pegel des Grimselstausees um 23 Meter erhöht werden. Weiter ist eine obligatorische Solaranlage bei Neubauten vorgesehen, sobald deren anrechenbare Gebäudefläche grösser ist als 300 Quadratmeter.
Solarzellen in den Alpen mögen effizienter sein als im Flachland; sie produzieren den Strom jedoch nicht dort, wo er gebraucht wird. Ja, Strom lässt sich transportieren. Übertragungskapazitäten von den Alpen ins Mittelland sind aber knapp. Die fraglichen Kapazitäten müssten ausgebaut werden. Daher ist durch den Grimselpass ein Tunnel angedacht, der gleichermassen Strom und Bahn transportieren soll. Das gegenwärtige Projekt hat eine Länge von 27,6 Kilometern. Ob, wann und zu welchem Preis der Tunnel realisiert wird, ist offen. Ein grossflächiges Solar-Alpen-Projekt, wie dasjenige im Saflischtal, ist daher vorderhand nicht realisierbar.
Und mit der Erhöhung der Grimselstaumauer kann vor allem mehr Strom gespeichert werden. Viel mehr Strom wird indes nicht produziert.
Solaranlagen auf Dächern des Mittellandes sind gegenwärtig eher die Ausnahme. In geschützten Ortsbildern sind Solaranlagen nicht oder nur begrenzt möglich – eine Regelung des Kantons Baselland. Daran ändert die Solaroffensive nichts. Dabei sollte Energie möglichst dort produziert werden, wo sie gebraucht wird. Und soweit möglich sollten zur Aufstellung von Solarzellen keine unbebauten Flächen verwendet werden.
Solarzellen auf bestehenden Bauten können den gegenwärtigen Stromverbrauch mehr als decken. Ein Obligatorium ist unnötig: Verschiedene Firmen suchen Dächer zur Miete, damit sie Solarzellen installieren können. Die gewonnene Energie wird vor Ort verkauft. Damit werden nicht nur Dächer genutzt, sondern auch Energiepreise stabilisiert.
Solarenergie kann umweltfreundlich sein, wenn einerseits die Produktion der Solarzellen die Umwelt möglichst wenig belastet, andererseits die Solarzellen nicht auf unbebauten Flächen aufgestellt werden.
Eine nachhaltige Solaroffensive muss den Aufbau einer schweizerischen oder europäischen Solarindustrie ins Auge fassen. Umweltstandards wie eine möglichst umweltfreundliche Produktion von Solarzellen, aber auch Recycling und Entsorgung von ausgedienten Elementen müssen ein Thema sein. Als Nebeneffekt einer eigenen Solarindustrie können Solaranlagen trotz unterbrochener Lieferketten weiterhin installiert werden. Eine nachhaltige Solaroffensive muss schlussendlich die Installation von Solarzellen auf bestehender Infrastruktur ermöglichen und propagieren.
Toni Grüter, Läufelfingen
