Der familienfreundliche Elektro-VW
09.12.2021 AutoFahrbericht | VW ID.4 Family – Pro Performance
Der ID.4 ist der erste vollelektrische SUV von Volkswagen. Das Modell überzeugt beim Fahren und mit viel Platz im Innenraum, hat jedoch auch seinen Preis.
Severin Furter
Im Vergleich zu ...
Fahrbericht | VW ID.4 Family – Pro Performance
Der ID.4 ist der erste vollelektrische SUV von Volkswagen. Das Modell überzeugt beim Fahren und mit viel Platz im Innenraum, hat jedoch auch seinen Preis.
Severin Furter
Im Vergleich zu meiner letzten Testfahrt mit einem Elektroauto – es war ein Fiat 500e – ist das jetzige Fahrzeug eine ganz andere Dimension. Vor mir steht nicht etwa ein Kleinwagen, sondern der ID.4, der erste Elektro-SUV aus dem Hause Volkswagen. Der ID.4 gilt als Nachfolgermodell für den VW Tiguan, einfach eben elektrisch angetrieben.
Von aussen ist der ID.4 nicht zwingend als SUV wahrzunehmen. Zwar ist er im Vergleich mit dem ID.3 – eine Art Nachfolger des klassischen VW Golfs – deutlich grösser. Klobig wirkt der neue ID.4 jedoch höchstens von vorne. Seine Front ist modern, fast schon futuristisch. Im Inneren ist der ID.4 schnörkellos und elegant gehalten.
Was bei der getesteten Variante sofort auffällt: das grosse Panorama-Glasdach. Von vorne bis zuhinterst bietet sich durch die Scheibe freie Sicht in den Himmel – öffnen kann man das Dach jedoch nicht. Und sowieso ist jetzt der Blick nach vorne entscheidend.
Dem Fahrer bietet sich ein übersichtliches Cockpit. Alle wichtigen Bedienelemente befinden sich rund ums Lenkrad. Der Schalthebel ist beispielsweise elegant hinter dem Lenkrad oberhalb des Scheibenwischers angebracht. Da der ID.4 bereits beim Einsteigen und Platznehmen auf dem Fahrersitz die Zündung eingeschaltet hat, muss man nur noch den Schalthebel nach vorne kippen, das «D» einlegen, den Fuss vom Bremspedal nehmen und Gas geben. Die Fahrt mit dem ID.4 kann losgehen.
Gestartet bei der Garage Wicki AG im Zentrum von Sissach geht die Testfahrt zuerst in Richtung Autobahn. Spätestens beim Beschleunigen auf der Einfahrtsspur wird man vom ID.4 überzeugt: Der Motor reagiert schnell, die Beschleunigung steht einem Benziner in nichts nach. Der kleine, aber feine Unterschied: Im Gegensatz zum Verbrenner ist der Elektromotor auch bei hohem Tempo sehr leise. Mit dem ID.4 kommt ein Gefühl auf, als gleite man über die Autobahn. Nur das Windgeräusch ist hörbar, das Surren des Motors macht sich kaum bemerkbar.
Den Bergpreis gewonnen
Doch wie verhält sich der ID.4 in den kurven- und hügelreichen Strassen des Oberbaselbiets? Wir machen den Härtetest und fahren von Eptingen nach Läufelfingen – an einem Velorennen wäre diese Strecke wohl als Bergpreis ausgeschrieben.
Der ID.4 kommt mit der sehr steilen Strasse bestens zurecht und präsentiert sich wendig. Schwer einzuschätzen ist für den Fahrer manchmal lediglich die Distanz zwischen der rechten Frontseite und dem Strassenrand respektive der Leitplanke. Diesbezüglich ist die Übersicht etwas limitiert und bedarf wohl einer längeren Angewöhnung.
Bei einem Zwischenstopp auf dem höchsten Punkt der Testfahrt bietet sich die Möglichkeit, sich mit dem «Armaturenbrett» besser bekannt zu machen. Dieses besteht einfach gesagt aus zwei Displays – einem kleineren hinter dem Lenkrad und einem grossen Touchscreen. Letzterer ist mittig im Cockpit zwischen Fahrer und Beifahrer angebracht, darüber lassen sich die meisten Einstellungen vornehmen.
Nicht nur die Multimedia-Ausstattung mit einer perfekten Smartphone-Anbindung für alle gängigen Marken, sondern auch die Klimatisierung oder das Navigationsgerät werden darüber gesteuert. Die Bedienung ist gewöhnungsbedürftig, gewisse Funktionen fast etwas versteckt. So beispielsweise die Lenkradheizung, die ich an diesem kalten Wintertag gerne schon früher entdeckt und eingeschaltet hätte. Auch dass die Schaltflächen für die Temperatur- und Lautstärkeregelung auf der Touchbar am unteren Rand des Displays nicht beleuchtet sind, lässt Fragen offen.
Dies ist jedoch Gejammer auf hohem Niveau. In seiner Kernkompetenz überzeugt der VW ID.4 auf voller Länge. Der Motor mit einer 77-kWh-Batterie und 150 kW-Leistung (umgerechnet sind dies 204 PS) sorgt nicht nur für viel Fahrspass, sondern lässt sich auch schnell laden. Wenn alles passt, lässt sich der Akku von 10 auf 80 Prozent in rund einer halben Stunde aufladen. So sind auch lange Strecken mit Zwischenladungen möglich. Wie bei allen Elektroautos ist die Reichweite aber sehr vom persönlichen Fahrerprofil abhängig. Zwischen 250 und mehr als 400 Kilometern ist alles möglich.
Das Testfahrzeug wurde von der Garage Wicki AG in Sissach zur Verfügung gestellt.
Facts & figures
Masse
Länge 4,58 Meter
Breite 1,85 Meter
Höhe 1,64 Meter
Motor
204 PS; 150 kW; 77-kWh-Elektro-Motor; 1-Gang-Automat; Heckantrieb.
Preise
ID.4 Family – Pro Performance; ab 57 550 Franken
getestetes Modell, inklusive
Anhänge-Vorrichtung, Alufelgen, Exterieur Style «Silver» und VW-Garantie +4 Jahre; 61 910 Franken.



