Rüsselsheim kann auch Design
08.07.2021 AutoDie «Volksstimme» testet den Opel Mokka, 1.2 GS-Line
Elektrisch, Diesel, Benzin. An der Auswahl wird festgehalten. Das Opel-Vizor-Design, das neue Markengesicht, spricht an und macht neugierig zugleich. Was alles steckt dahinter oder vielmehr darin? Wir steigen in den Opel ...
Die «Volksstimme» testet den Opel Mokka, 1.2 GS-Line
Elektrisch, Diesel, Benzin. An der Auswahl wird festgehalten. Das Opel-Vizor-Design, das neue Markengesicht, spricht an und macht neugierig zugleich. Was alles steckt dahinter oder vielmehr darin? Wir steigen in den Opel Mokka ein und finden dies heraus.
Alex Köhli
Der Opel Mokka ist ein SUV, also ein «Sports Utility Vehicle» und kein Geländewagen. Während ein Geländewagen bestimmte Eigenschaften im Verlauf des Typengenehmigungsverfahrens erfüllen muss, bietet der SUV ganz einfach Vorteile gegenüber anderen Autos. Vorab ist es so, dass der Fahrer höher sitzt und damit eine bessere Übersichtlichkeit geniesst. Der bequeme Ein- und Ausstieg wird nicht nur von älteren Menschen geschätzt. Die grössere Bodenfreiheit hilft beispielsweise beim Überwinden von Trottoirs oder Randsteinen.
Das Design
Die Front des Opel Mokka kommt bullig daher. Das Visier zwischen den LED-Scheinwerfern beherbergt den im selben Farbton montierten Opel-Blitz. Die Idee zum neuen Design fusst im berühmten «Manta A». Die angedeutete Haifischflosse auf der Motorhaube sowie die hohe Seitenlinie lassen den Mokka sportlich erscheinen. Die roten Linien auf den 18-Zoll-Rädern, passend zum seitlichen Bogen über den Türen, wirken harmonisch. Dachspoiler und Knick in der Heckklappe vermitteln Dynamik.
Im Innenraum setzt sich die rote Umfassung der Lüftungsdüsen und des volldigitalen Cockpits fort, ergänzt mit roten Nähten und rotem Designakzent an den Sitzen. Auffallend wenig Knöpfe gibt es zur Bedienung in der Mittelkonsole und das Lenkrad ist mehr oder weniger identisch mit jenem des Vorgängers. Einzig Schaltwippen, nur in Verbindung mit Automatikgetriebe, sind hinzugekommen.
Infotainment und Ergonomie
Der Fahrer sitzt komfortabel im guten Seitenhalt vermittelnden Platz hinter dem Lenkrad. Vor ihm zwei breite Screens. Durch das Lenkrad hindurch werden auf dem 12-Zoll-Display Geschwindigkeit, Drehzahl, Wassertemperatur und Benzinstand angezeigt. Im Sportmodus wird die rote Hinterbeleuchtung aktiviert. Mehr Informationen benötigt man nicht.
Wer trotzdem etwas zusätzliche Ablenkung möchte, schaut auf das 10-Zoll-Infodisplay. Dort sind zum Beispiel Echtzeit-Verkehrsinformationen abrufbar. Audiostreaming über Bluetooth, USB-Anschluss, «Apple Car-PlayTM» oder «Android AutoTM» sorgen für eine gute Vernetzung. Das Soundsystem mit sechs Lautsprechern bietet ein gutes Klangerlebnis. Zwei weitere USB-Anschlüsse befinden sich in der Mittelarmlehne; vorne in der Mittelkonsole kann das Smartphone mittels Wireless Charging geladen werden.
In der zweiten Reihe kann es bei Körpergrössen über 175 Zentimetern etwas eng werden. Je nachdem, wie gross der Lenker ist. Zwei Erwachsene finden gut Platz, bei drei sollten die Reisezeiten nicht zu lange ausfallen.
Flottes Vorankommen
Das Bremspedal durchgedrückt den Startknopf betätigen und unverzüglich brummt dezent der 3-Zylinder-Motor. Es erstaunt doch einigermassen, wie der 1,2-Liter das unter 1300 Kilogramm leichte Fahrzeug (inklusive Fahrer) vorwärtstreibt. Im Sportmodus erfolgt der Spurt von 0 auf 100 km/h in nur 9,1 Sekunden. Wird der Kickdown betätigt, benötigt das Getriebe einen kurzen Moment, um runterzuschalten. In den hohen Drehzahlen wird der Motor etwas laut, er wirkt leicht gequält. Neben dem Sportgibt es noch den Normal- und den Eco-Modus. Letzterer befreit jedoch schon vom Fahrspass und dürfte eher von Enthusiasten des ökologisch-ökonomischen Vorwärtskommens rege genutzt werden.
Die Start-Stopp-Automatik überzeugt mit minimaler Reaktionszeit, was im urbanen Gebiet und zu Hauptverkehrszeiten sehr angenehm ist. Unter dem Strich bleibt eine komfortabel ausgelegte Spritzigkeit – Rennen will mit diesem Fahrzeug ja niemand fahren. Genüssliches, stressfreies Vorankommen, im Wissen um die vielen im Hintergrund arbeitenden Assistenzsysteme, ist die Paradedisziplin des Opel Mokka.
Apropos Assistenzsysteme: Neben den heutigen Standards in dieser Fahrzeug- und Preisklasse finden sich ein Berganfahrassistent, Frontkollisionswarner mit City-Gefahrenbremsung und Fussgängererkennung, Parkpilot mit Einparkhilfe, 180-Grad-Rückfahrkamera, Spurhalteassistent, der spürbar zupft, bewegt man sich unbeabsichtigt in Richtung Abwege sowie Müdigkeits- und Verkehrsschilderkennung.
Die adaptiven Matrix-LED-Scheinwerfer sind eine Wucht und arbeiten im Bereich von Sekundenbruchteilen. So fährt man eigentlich dauernd mit eingeschalteten Scheinwerfern (in der Automatikstellung), wobei der Gegenverkehr sowie auch vorneweg fahrende Fahrzeuge ausgeklammert werden. So wird die Nacht zum Tag, wobei Verkehrsschilder der neuesten Generation doch arg zurückblenden können. Was sich dem Fahrer im Winter nicht ganz erschliesst, ist die Tatsache, dass in den Autos mit Automatikgetrieben das Lederlenkrad nicht beheizbar ist. Auch nicht als Zusatzausstattung. Gleiches gilt für den in sämtlichen Modellen fehlenden 4×4-Antrieb, in der Schweiz eine oft georderte Variante.
Fazit: Den Opel Mokka kauft man, wie den Insigna auch, wegen und nicht trotz des Designs. Passanten schauen hinterher. Das Gesamtpaket ist stimmig. Für schweizerische Verhältnisse geht das Preis-Leistungs-Verhältnis in Ordnung.
Der Opel Mokka 1.2 GS-Line wurde der «Volksstimme» zur Verfügung gestellt von der Garage Thommen Automobile AG, Hauptstrasse 67, Rümlingen, 062 285 05 60. www.thommen-automobile.ch
Facts & figures Opel Mokka, 1.2 GS-Line
Masse
Länge 4,15 Meter, Breite 1,98 Meter, Höhe 1,53 Meter
Motor
3-Zylinder-Turbo-Benzin-Motor; Leistung 96 kW/130 PS; Hubraum 1199 cm3;
8-Stufen-Automatikgetriebe.
Verbrauch
Treibstoff-Normverbrauch (NEFZ): städtisch 5,8 bis 6,0 Liter/100 km; ausserstädtisch 4,2 bis 4,6 Liter/100 km; Durchschnittsverbrauch Norm 4,8 bis 5,1 Liter/100 km; Energieeffizienz-Kategorie B; Höchstgeschwindigkeit 200 km/h.
Preise
Günstigstes Modell 1.2 100 PS: 24 490 Franken; exklusivste Variante 1.2 Ultimate 130 PS: 35 000 Franken; getestetes Modell 1.2 GS-Line 130 PS: 35 900 Franken, inkl. 5 Zusatzpakete.


