Zimmermann aus Leidenschaft
17.06.2021 BennwilVom Gartenhaus bis hin zu komplexen Spezialausführungen: Andi Schneider ist Zimmermann aus Leidenschaft und engagierter Unternehmer. Mit seinem eigenen Betrieb hat er sich bereits als junger Fachmann einen Traum erfüllt.
Elmar Gächter
«Wenn ich am ...
Vom Gartenhaus bis hin zu komplexen Spezialausführungen: Andi Schneider ist Zimmermann aus Leidenschaft und engagierter Unternehmer. Mit seinem eigenen Betrieb hat er sich bereits als junger Fachmann einen Traum erfüllt.
Elmar Gächter
«Wenn ich am Morgen aufstehe, freue ich mich, draussen zu arbeiten, handwerklich etwas in die Finger zu nehmen. Nur im Büro zu sitzen wäre nichts für mich.» Wer dies sagt, ist ein Mann, der schon in jungen Jahren wusste, dass er eines Tages eine eigene Firma gründen wird. Projekte selbstständig zu planen und in der Praxis umzusetzen, sind für Andi Schneider jene Triebfedern, sein eigener Herr und Meister zu sein. Nach zwei Jahren als Alleinunternehmer bei grösseren Sanierungen und Umbauten auf zwei Landwirtschaftsbetrieben war es 2017 so weit: Schneider gründete als 27-Jähriger seine eigene Zimmerei. Nach dem Start in Räumen der ehemaligen Revue Thommen in Waldenburg dislozierte er zwei Jahre später in die neuen Räume an der Hauptstrasse in Bennwil, jener Gemeinde, wo er seit seiner Geburt wohnt.
Dass Andi Schneider Zimmermann lernen würde, stand schon in seinen Jugendjahren fest. Bis er sechs Jahre alt war, führten seine Eltern einen Bauernbetrieb, später war es bei seinem Grossvater und seinem Onkel, auf deren Hof er sich handwerklich betätigen konnten. «Ich habe schon damals viel mit Holz gearbeitet, da ein Hühnerhaus und dort einen Kaninchenstall erstellt», erinnert sich Schneider an seine Jugendzeit.
Die Lehre zum Zimmermann war vorgespurt, die Leidenschaft für seinen Beruf früh entfacht. Gerne denkt er zurück an seine Lehrzeit, wo er gegen Ende der Ausbildung bereits Führungsaufgaben übernehmen konnte: «Noch bevor ich den Führerausweis gemacht habe», wie er mit Schmunzeln festhält.
Bestens vorbereitet gründete Schneider 2017 seine eigene Firma. «Als ich mich selbstständig gemacht habe, hatte ich bereits einen Mitarbeiter und meine Agenda war gefüllt mit diversen Aufträgen», so der Jungunternehmer. Heute besteht sein Team aus bis zu drei Handwerkern. Sein Tätigkeitsgebiet ist breit abgestützt und umfasst Neu- und Umbauten ebenso wie den Innenausbau – vom einfachen Gartenhausprojekt bis hin zum anspruchsvollen Holzhaus. Bei grösseren Objekten arbeitet Andi Schneider mit einem Planer zusammen: «Mir ist wichtig, dass ich dabei von Anfang an mit im Boot bin und meine Ideen einbringen kann.»
Mit der aktuellen Auftragslage ist der Jungunternehmer sehr zufrieden. Holzbauten sind gefragt, und so kommt es auch vor, dass er Aufträge ablehnen muss. «Die richtige Balance zu finden, ist nicht immer einfach. Mir ist stets wichtig, dass die Kunden zufrieden sind, denn dann bin ich es ebenfalls.» Zu schaffen macht auch ihm die momentane Situation auf dem Holzmarkt. Insbesondere die USA und China kaufen die europäischen Märkte leer, was bei vielen Zimmereibetrieben zu Lieferengpässen führt. Da das Materiallager seines Betriebs gut gefüllt gewesen sei, habe er jedoch noch keinen Auftrag absagen oder zurückgeben müssen. «Allerdings kann es zu Verzögerungen kommen und vor allem sind die Holzpreise um mindestens das Doppelte gestiegen», so Schneider.
Mit Flexibilität punkten
Die besondere Stärke seines Betriebs sieht Andi Schneider bei Umbauten und Sanierungen. Bei diesen Arbeiten, die immer wieder Überraschungen mit sich brächten, seien schnelle Entscheide vor Ort gefragt. Da sieht er sich mit seiner kleinen Firma gegenüber der grossen Konkurrenz klar im Vorteil: «Dort wird es schnell teurer, wenn Administrativpersonal involviert ist, Sitzungen einberufen werden oder es zusätzliche Planer braucht. Da können wir mit unserer Flexibilität und unseren Ideen vor Ort punkten und dazu beitragen, dass der Preis nicht explodiert.»
Andi Schneider blickt optimistisch in die Zukunft. «Zimmermann ist ein gefragter Beruf, dieses Handwerk geht nie ganz verloren», ist er überzeugt. Für ihn ist es mehr als ein Beruf – vielmehr Berufung, Leidenschaft. Wichtig ist ihm, selber praktisch Hand anlegen zu können. Deshalb ist es für ihn kein Ziel, den Betrieb mit möglichst vielen Mitarbeitenden zu erweitern. «Ich brauche täglich den Holzduft in der Nase.» Selbstständiger Unternehmer will er bleiben, Ideen einbringen, Verantwortung tragen. «Was gibt es Schöneres, als den Kunden qualitativ gute Lösungen zu fairen Konditionen anzubieten? Wir sind keine Legobauer, sondern verstehen uns als Individualisten und Fachleute für Spezialausführungen.»

