Seit dem 1. März dürfen Margrit Santinelli und ihre treue Seele Graziella Fiechter wieder das ganze Sortiment anbieten. Endlich! Die vergangenen zwei Monate waren schwierig – nur mit dem Verkauf von Unterwäsche und Socken lässt sich das Geschäft nicht kostendeckend ...
Seit dem 1. März dürfen Margrit Santinelli und ihre treue Seele Graziella Fiechter wieder das ganze Sortiment anbieten. Endlich! Die vergangenen zwei Monate waren schwierig – nur mit dem Verkauf von Unterwäsche und Socken lässt sich das Geschäft nicht kostendeckend betreiben.
Doch weshalb sind aktuell so viele Prozent-Plakate im Schaufenster? Das im August 1998 von Steiner übernommene Ladengeschäft muss Ende März seine Türe schliessen. Ein weiteres Traditionsgeschäft in Gelterkinden findet sein Ende. Nach über 22 Jahren unter der Führung von Margrit Santinelli.
Margrit Santinelli gibt mit einem lachenden und mit einem weinenden Auge ein paar Meilensteine preis. Im Jahr 1999 wurde «der letzte Schrei» promotet: BHs und Slips in Schwarz und Grau. Ein Jahr später kamen mit dem neuen Jahrtausend die «TriAction»-Sport-BHs von Triumph International in die Regale.
Das Jahr 2003 galt der werdenden Familie. Stillwäsche und Kleinkindersachen gingen über die Ladentische. Den Still-BH gab es in einer Ausführung mit verschiebbarer Farbmarkierung, damit die Mutter wusste, welche Brust nächstens leer getrunken werden sollte.
2008 empörte sich Margrit Santinelli – ihre Mitarbeiterin war begeistert – zuerst über den neuen «Winter-Gwärb-Sunntig». Doch schon am Abend des verkaufsoffenen Sonntags hellte sich Margrits Gesicht beim Blick in die Kasse auf.
2018 freuten sich die beiden Frauen auf die Begegnungszone. Jedoch wurde diese nicht zum Renner, da mangelnde Parkplätze zu weniger Laufkundschaft führten.
Vergangenes Jahr schliesslich die Coronavirus-Pandemie, die mit voller Wucht die Strassen leer fegte.
Mit weinenden Augen sehen Margrit und Graziella dem Schluss entgegen. Über lange Jahre durften sie mit gefreuten Kundinnen und Kunden geschäften und so manchen Schwatz halten, auch neben dem Verkaufsgespräch.
Auch das Verhältnis unter den Gewerblern zählt zu den erfreulichen Momenten. Und selbst im Bekleidungssektor spürte man eher Unterstützung denn Konkurrenz. Man empfahl auch weiter, konnte die Nachfrage nicht befriedigt werden. Das alles wird fehlen. «Ich bin kein Büromensch», sagt Margrit Santinelli. Der administrative Aufwand wurde immer grösser. So freut sie sich auf die künftig gewonnene Freizeit.
Vorerst aber geniessen die beiden Frauen die letzten Tage im «Santinelli». Sie freuen sich auf Kundengespräche und auf die eine oder andere spezielle Begegnung im Geschäft – humorvoll von Heiner Oberer beschrieben in der Mundart-Kolumne der «Volksstimme» vom 15. Oktober 2020.
Kommen Sie vorbei! Bald fällt der letzte Vorhang.
Santinelli Textil
Bohnygasse 11
Gelterkinden
061 981 12 38