Anmassend und verletzend
Zum Artikel «‹Ritalin sollte eine Notlösung bleiben›» in der «Volksstimme» vom 13. Februar, Seite 6
Schade, wurde eine halbe «Volksstimme»-Seite mit dem Artikel über den Vortrag von Dr. ...
Anmassend und verletzend
Zum Artikel «‹Ritalin sollte eine Notlösung bleiben›» in der «Volksstimme» vom 13. Februar, Seite 6
Schade, wurde eine halbe «Volksstimme»-Seite mit dem Artikel über den Vortrag von Dr. Ulrike Güdel zum Thema «schwierige Kinder» verschenkt. Frau Dr. Güdel, die eine eigene Methode entwickelt hat, um Energiestörungen mittels eines Testgeräts zu entdecken, arbeitet als Naturheilärztin. Sie schrieb unter anderem Bücher über Erdstrahlen und psychosomatische Energetik. Ihre Sichtweise auf das Thema ADHS ist brüskierend für alle, die mit ADHS in Berührung kommen, sei es als Eltern, direkt Betroffene oder Angehörige.
ADHS ist eine neurobiologische Störung, ihre Vererblichkeit ist längst wissenschaftlich bewiesen. Die Zweifel von Frau Güdel an diesem Fakt sind nicht nachvollziehbar und outen sie als nicht kompetent. Die Fehlersuche bei der Erziehungsarbeit der Eltern ist ein altbekanntes Phänomen – die Eltern sind schuld, dass das Kind so ist. Wie anmassend und wie verletzend! Käme es jemandem in den Sinn, die Schuld bei einer Sehstörung oder einer Jugenddiabetes bei den Eltern zu suchen? Werden dort Medikamente und Hilfsmittel hinterfragt? Beim Thema ADHS darf man dies seit Jahren ungestraft tun.
Was Eltern mit ADHS-Kindern brauchen, sind Unterstützung und Verständnis. Wer sich mit ADHS nicht auskennt und weder diese Erkrankung noch die Therapie versteht, sollte sich jegliche Äusserungen dazu verkneifen. Der Alltag mit und für ADHS-Menschen ist eine Herausforderung, Polemik ist hier fehl am Platz.
Lisette Feldmeier, Häfelfingen