Von alten Hasen und Jungspunden
13.12.2019 Eishockey, SportVier Oberbaselbieter laufen noch in NLA und NLB auf
Seit dem Konkurs des EHC Basel 2014 ist die Nordwestschweiz Niemandsland auf der Eishockeylandkarte. Dem ist nicht ganz so: Dafür stehen Elvis Schläpfer, Ralph Stalder, Luca Camperchioli und Jérôme Lanz.
Christof ...
Vier Oberbaselbieter laufen noch in NLA und NLB auf
Seit dem Konkurs des EHC Basel 2014 ist die Nordwestschweiz Niemandsland auf der Eishockeylandkarte. Dem ist nicht ganz so: Dafür stehen Elvis Schläpfer, Ralph Stalder, Luca Camperchioli und Jérôme Lanz.
Christof Amsler
«Viele sind wir nicht mehr», sagt Ralph Stalder. Der Buckter hat auf der Sissacher Kunsteisbahn das Einmaleins des Eishockeys gelernt und es aus dem Oberbaselbiet in die weite Hockey-Schweiz geschafft. «Früher war der EHC Zunzgen-Sissach eine regelrechte Talentschmiede», sagt er, der heute einer von nur noch vier Oberbaselbietern in den höchsten beiden Ligen ist. «Die Nordwestschweiz ist halt keine Eishockeyregion», schlussfolgert der 33-Jährige. Luca Camperchioli, Jérôme Lanz, Elvis Schläpfer (die «Volksstimme» berichtete) und Ralph Stalder sind die letzten vier Nationalligisten, deren Karriere ihren Anfang auf der Sissacher «Kunsti» genommen hat.
Stalders Weg führte über Olten, Davos, Basel, Langenthal und Biel in die Westschweiz. Bereits die 11. Saison spielt der Verteidiger in der Romandie. Obwohl Stalder seine vierte Spielzeit bei Fribourg-Gottéron bestreitet, lebt er in Lausanne, wo er zuvor sieben Jahre spielte und nach seinem B-Meistertitel mit Basel zwei weitere B-Meistertitel feierte. Mit Lausanne stieg Stalder auch in die Nationalliga A auf. Er bezeichnet sich immer noch als Deutschschweizer, aber er liebt das Leben in der Westschweiz: «Ich fühle mich heute noch so, als wäre ich in den Ferien.»
840 Spiele hat der Verteidiger in den beiden obersten Spielklassen absolviert. Ende Saison läuft sein Vertrag bei Gottéron aus. Seine Zukunft ist offen. Angebote, um in der höchsten Spielklasse weiterzuspielen, liegen vor. Mehr verrät Stalder nicht. Wie wichtig der defensiv verlässliche Spieler für sein Team ist, unterstreicht die Tatsache, dass er in Fribourg zum Assistenzcaptain ernannt worden ist. «Dank meiner Frau, die aus der Westschweiz stammt, bin ich zweisprachig und so ein Bindeglied zwischen den Deutsch- und Westschweizern im Team.»
Stalder ist sich bewusst, dass sein Karriereende naht. Eine Rückkehr in die Nordwestschweiz schliesst er im Moment aber ebenso aus, wie eine Fortsetzung seiner Karriere in der Swiss League: «Die Zeiten sind vorbei, als man noch ein paar Jahre in der zweithöchsten Liga absitzen konnte.» Er ist vorbereitet auf seine Zeit danach. Seit 10 Jahren verbringt er den Sommer jeweils in Kanada und hat ein Haus in Calgary. Dort will er später in der Tourismusbranche oder im Immobilienbereich tätig sein.
Camperchioli: Harte Arbeit, jeden Tag
Mit einem möglichen Plan B beschäftigt sich derzeit auch der 28-jährige Zunzger Luca Camperchioli. Bei ihm ist es nicht der Zahn der Zeit, der ihn zu solchen Überlegungen zwingt, sondern seine Gesundheit. In den vergangenen zwei Jahren wurde er zweimal am Rücken operiert. Aktuell zwingt ihn eine leichte Gehirnerschütterung zu einer Pause, die er sich im Spiel gegen den EHC Kloten am 29. November zugezogen hat. Nach der Länderspielpause sollte er das Mannschaftstraining wieder aufnehmen können.
Statt Eistraining stehen Physiotherapie und ein Termin bei der Berufsberatung auf dem Programm. «Ich war ein Leben lang Sportler und könnte mir durchaus vorstellen, weiter in diesem Bereich tätig zu sein. Aber auch das Sozialwesen interessiert mich. Ich möchte einfach mit Leuten zu tun haben», so der schweizerischitalienische Doppelbürger. 412 Spiele hat er in den höchsten beiden Spielklassen absolviert. Seit vier Jahren spielt er für den EHC Visp in der Swiss League. Sein Vertrag läuft am Ende der Saison aus. Er würde gerne weiterspielen und die Walliser haben ihm bestätigt, dass sie weiter mit ihm planen, wenn es seine Gesundheit zulässt.
In Visp ist Camperchioli Captain. Eine Wertschätzung für seine Leistungen auf und neben dem Eis. «Im ersten Jahr war ich hier im Wallis der ‹Üsserschwizer›, der ‹Grüezini›», so Camperchioli. «Aber ich bin ein offener Mensch und so wurde ich rasch integriert.» Mit 16 Jahren zog Camperchioli vom kleinen Zunzgen ins grosse Zürich. «Damals meinte ich noch, Talent alleine reiche aus» – dass er reichlich davon hat, davon zeugen 83 Junioren-Länderspiele für die Schweiz. Von den GCK und ZSC Lions führte sein Weg nach Davos. «Dort lernte ich, was es wirklich braucht. Harte Arbeit. Jeden Tag.»
Lanz: Ziel National League
Nach zwei Jahren in Davos folgte ein weiteres in der NLA in Fribourg. Mit der höchsten Spielklasse hat er abgeschlossen. «In Visp habe ich eine Rolle, die besser zu meiner Persönlichkeit passt.» Camperchioli will Verantwortung übernehmen. Lieber ein Leader im «B» als ein Mitläufer im «A». Am liebsten noch einige Jahre. Ob es klappt, hängt von seiner Gesundheit ab.
Eine neue Rolle hat auch der Hölsteiner Jérôme Lanz gesucht. Nach den Anfängen bei ZS und Olten führte sein Weg über den Nachwuchs des EHC Basel, wo er zum vierfachen U18-Nationalspieler reifte, in die Nachwuchsabteilung des EV Zug. 2017/18 debütierte Lanz bei der EVZ Academy in der NLB. Nach einem weiteren Lehrjahr beim Partnerteam des EV Zug folgte auf diese Saison hin der Wechsel zum EHC Olten – weg vom Ausbildungsklub hin zum ambitionierten Spitzenteam der Swiss League.
Der 21-jährige Stürmer fühlt sich wohl in Olten. Aktuell hat er seinen Platz in der Kämpferlinie. «Defensiv solide spielen und mit Checks und Schüssen Energie ins Spiel bringen», beschreibt der Powerstürmer seine Rolle im Team. Lanz will sich über die Swiss League, in der er bisher 91 Spiele bestritten hat, für höhere Aufgaben empfehlen. «Natürlich ist die National League ein Ziel. Zuerst will ich mich aber in der Swiss League durchsetzen und zum Leader reifen.» Die nächsten ein bis zwei Jahre will er noch alles daransetzen, das Ziel NLA zu erreichen.
Als Absicherung arbeitet Lanz Teilzeit als kaufmännischer Angestellter in einem Architekturbüro in Basel. Sein Vertrag läuft Ende Saison aus. Gespräche über eine Vertragsverlängerung gab es bisher noch keine. Lanz macht aber kein Geheimnis daraus, dass es sein Wunsch und Ziel ist, in Olten zu bleiben.



