«Ich kann mich nicht teilen»
12.09.2019 SportTrainer Beat Ruckli will nach 30 Jahren kürzer treten
Als Boxer, Boxtrainer und Boxpromoter hat sich Beat Ruckli in unserer Region über Jahrzehnte einen Namen gemacht. Jetzt gibt er den Posten als Trainer beim Box-Club Sissach ab. Dem Boxsport will er trotzdem verbunden ...
Trainer Beat Ruckli will nach 30 Jahren kürzer treten
Als Boxer, Boxtrainer und Boxpromoter hat sich Beat Ruckli in unserer Region über Jahrzehnte einen Namen gemacht. Jetzt gibt er den Posten als Trainer beim Box-Club Sissach ab. Dem Boxsport will er trotzdem verbunden bleiben.
Lukas Müller
«Alles in allem hatte ich 350 bis 400 Wettkampfeinsätze. Allein bei den Profis war ich rund 60 bis 70 Mal engagiert.» Beat Ruckli kennt die Zahl seiner Einsätze für den regionalen Boxsport nicht genau. Aber es waren unzählige Stunden, die er in den vergangenen Jahren für seine Passion, den Boxsport, geleistet hat. In Zukunft will der erfahrene Boxtrainer und -promoter aus privaten Gründen weniger oft im Einsatz stehen. In Sissach wird er sogar ganz aufhören. Seit 2016 gab Beat Ruckli beim Box-Club Sissach in Sissach und beim Box Gym von Arnold Gjergjaj in Pratteln je zweimal pro Woche Trainings. An den Wochenenden standen Reisen zu Meetings mit Amateuren und Profis auf dem Programm.
Mit den Profis bereiste Ruckli halb Europa, unter anderem weilte er in Barcelona, Budapest und London. Dazu kamen sein Vollzeit-Job und seine Familie. Eines schönen Tages musste er erkennen: «Es wird zu viel. Ich kann mich nicht teilen.» So fasste der 52-jährige Familienvater rechtzeitig den Entschluss, nach 30 Jahren als Boxer und Trainer in Sissach aufzuhören. Weitermachen wird er dafür an seinem Wohnort in Pratteln. Hier wird er weiterhin die Boxhandschuhe schnüren und den einen oder anderen Profi trainieren. Arnold Gjergjaj und Ismael Martinez können nach wie vor auf ihn zählen.
Für Beat Ruckli – den zweifachen Schweizer Meister und mehrfachen Deutschschweizer Meister im Welter- beziehungsweise im Halbmittelgewicht – war es wichtig, dass im Sissacher Verein alle Beteiligten früh von seinen Absichten Kenntnis erhalten. Auch den Zeitpunkt für seinen Rücktritt hat er sorgfältig gewählt: «Mir war es wichtig, dass ich erst dann zurücktrete, wenn gute Nachfolger bereit stehen.» Diese günstige Situation ist jetzt gegeben.
Wie bei Theaterbetrieb
Der Box-Club Sissach verfügt mit Adriano Sansone (Wettkampftrainer), Philipp Hasler, Mesut Demir und Matthias Bitterlin über ausgewiesene Leute, die in der Lage sind, das Vereinsschiff zu steuern. Bereits am 26. Oktober veranstaltet der von Daniel Häring präsidierte Verein in der Sissacher Primarturnhalle ein Boxmeeting mit Light-Contact-Boxen und Amateurkämpfen im olympischen Boxen. Bei diesem Meeting wird Ruckli noch einmal aktiv mitwirken und gemeinsam mit Sansone für das Matchmaking verantwortlich zeichnen.
Das Zusammenstellen der Kämpfe in den einzelnen Gewichtsklassen – das sogenannte Matchmaking – gilt als absolute Königsdisziplin für jeden Veranstalter eines Boxmeetings. «Es ist im Prinzip wie bei einem Theaterbetrieb. Fallen die Personen auf der Bühne aus, gibt es keine Vorstellung», sagt Ruckli. Gutes Matchmaking sei dabei das A und O. «Es gilt, mit allen wichtigen Trainern der Schweizer Klubs den Kontakt zu pflegen und auch einmal zusätzliche Boxer einzuladen. Absagen im letzten Moment gibt es leider immer. Wenn man dann keinen Ersatz bereit hat, fallen Kämpfe weg», erklärt Ruckli.
Nach diesem Meeting wird die alleinige Verantwortung für Boxkämpfe in Sissach an Adriano Sansone und seine Equipe übergehen. Mit dabei sind durchwegs Leute, die schon bei den erfolgreichen Meetings in den vergangenen Jahren mitgewirkt haben. Der Stabwechsel sollte somit problemlos funktionieren.
Die Welt des Boxens hat sich verändert. «Es wird technisch besser geboxt und die Trainer verfügen heute über die bessere Ausbildung als in meiner Jugend», sagt Beat Ruckli. Sein Box-Club hat mehrere Meister hervorgebracht. «Neben mir haben unter anderem Blas Miguel Martinez, Ismael Martinez, Kadri Gashi, Tanja Schlienger und Mehtap Üstündag Meistertitel geholt.» Wer bei den Aktiven erfolgreich boxe und Titel gewinne, könne den Schritt zum Profi vollziehen. «Aber nur dann, wenn er bereit ist, sich zu 100 Prozent zu engagieren.» Ein Box-Profi in der Schweiz lebe von Sponsorengeldern und der Unterstützung durch Freunde und Familie. «Geld kommt erst rein, wenn man im Ausland boxt. Bei uns gibt es wenige grosse Veranstalter von Profi-Boxmeetings», sagt Ruckli.
Boxer zahlt für Gegner
Bei einem Kampf in der Schweiz muss der Boxer oft selber das Geld für seinen Gegner aufbringen, um überhaupt in den Ring steigen zu können. «Und je weiter du heraufkommst, desto teurer werden die Gegner.» Dazu kommt der Trainingsaufwand: «Auf jeden Match muss man sich als Profi zwei Monate lang in Ruhe vorbereiten können. Dies bedeutet, dass man in dieser Zeit keiner geregelten Arbeit nachgehen kann.»
Neben seinen eigenen Meistertiteln im Boxen behält Beat Ruckli aus seiner Veranstalterzeit drei Meetings in allerbester Erinnerung. Das sind das mit Roger Haug organisierte Meeting zum 40-Jahre-Jubiläum mit zwei Profikämpfen in der Primarturnhalle Sissach, dann das mit Adriano Sansone organisierte Open Air Meeting beim Joker Club in Sissach und das Meeting, das Ruckli mit seinem Sohn Joël ebenfalls in der Primarturnhalle organisiert hat. Eins ist klar: Beat Ruckli wird dem Boxsport weiterhin verbunden bleiben. Als Ehrenmitglied des Box-Clubs Sissach wird er auch in Zukunft bei Meetings unter den Zuschauern sein.



