Häuser für 28 Vogelarten
16.08.2019 Bennwil, Bezirk WaldenburgAndy Junker aus Bennwil stellt in seiner Schreinerei seit 1989 Nistkästen her. Abnehmer sind Privatpersonen, Natur- und Vogelschutzvereine aus der ganzen Schweiz und sogar ein renommiertes Gartencenter. In seinem Rebberg in Oberdorf gedeiht zudem die neue pilzwiderstandsfähige Rebsorte ...
Andy Junker aus Bennwil stellt in seiner Schreinerei seit 1989 Nistkästen her. Abnehmer sind Privatpersonen, Natur- und Vogelschutzvereine aus der ganzen Schweiz und sogar ein renommiertes Gartencenter. In seinem Rebberg in Oberdorf gedeiht zudem die neue pilzwiderstandsfähige Rebsorte «Solaris».
Brigitt Buser
Als Andy Junker mit 31 Jahren seine Stelle in der Revue Thommen als Schreiner antrat, wusste er noch nicht, dass er damit auch noch einen Nebenjob erhält – als Nistkastenbauer. Sein damaliger Arbeitskollege Emil Hänggi, ein begeisterter Nistkastenbauer, versuchte nämlich, Andy Junker für das Bauen der Vogelbehausungen zu gewinnen, was ihm auch gelang. So lernte Junker unter den kritischen Augen Hänggis den Bau vieler verschiedener Nistkastenarten.
Leider starb Emil Hänggi, der seine Kästen an Natur- und Vogelschutzvereine in der ganzen Schweiz lieferte, kurz nach seiner Pensionierung. Mit Unterstützung von Ueli Lanz, einem Mitglied des Natur- und Vogelschutzvereines Buus, und der Ulmetkommission konnte Andy Junker, der mittlerweile eine eigene Schreinerei in Bennwil betrieb, das Schaffen von Emil Hänggi weiterführen. So baut er seit 1989 rund 25 verschiedene Nistkastenmodelle für 28 Vogelarten wie Mauersegler, verschiedene Eulenarten, Turmfalke, Fliegenschnäpper, Grünspecht und so weiter, aber auch zwei Nistkastenarten für den Gartenrotschwanz. Von diesen konnte er im vergangenen Frühling sogar 30 Stück an ein Projekt für Gartenrotschwänze im Klettgau in den Kanton Schaffhausen liefern.
Auch Schwalbennester stellt Andy Junker her. Diese wurden vom Vogelbaupionier Paul Harr aus Zug konzipiert und sind aus einem Gips-Zementgemisch. Mittlerweile sind für Mehlschwalben zwei Systeme erhältlich. Eines, das fest mit dem Untergrund verbunden ist, das andere mit Schubsystem, was das Reinigen enorm erleichtert. «Martin Leuenberger aus Wasen im Emmental produziert dieselben Systeme, was aber absolut nicht konkurrenzierend ist», erklärt der pensionierte Junker. Man könne sich gegenseitig aushelfen, sollte es einmal an Nestern mangeln. Ebenfalls erhältlich sind Hummelnistkästen, Nistkastenmaterial für Hummeln und auf Wunsch werden auch Spezialanfertigungen hergestellt.
Grosser Lieferradius
Grosser Abnehmer neben Natur- und Vogelschutzvereinen ist auch das Gartencenter Meier in Dürnten (ZH), das übrigens schon von Emil Hänggi beliefert wurde. Aber nicht nur Nistkästen, auch Futterautomaten, wovon Andy Junker drei verschiedene im Angebot hat, gehören dazu. Zudem Fledermauskästen und ab September werden Körnerfettblöcke produziert. Neu ist das Fettfutter in der Dose erhältlich; diese kann geöffnet mitsamt Verpackung einfach draussen aufgehängt werden.
Auf die Frage, wie die Kunden den Weg zu ihm finden, erklärt Junker, dass er keine Website betreibe. Alle gelangten früher oder später an Birdlife Schweiz, wo seine Adresse hinterlegt ist. Auch mehr als 100 Schwalbenhäuser habe er mittlerweile produziert und in die ganze Schweiz und sogar über die Landesgrenze hinaus geliefert. Südwestlichste Region ist Genf, im Osten sogar nach Leutasch (Österreich).
Zwar ist Andy Junker schon seit anderthalb Jahren im Ruhestand, aber das ist noch lange kein Grund, den Nistkastenbau aufzugeben: «Ich habe ja alle Gerätschaften, die es dazu benötigt, im Haus.» Die gesamte Administration nimmt ihm seine Ehefrau Rita ab.
In Oberdorf bewirtschaftet Junker zudem einen Rebberg, wo er auf rund 7 Aren Riesling-Sylvaner für den «Dielenberger Himmellüpfer» anbaut. Zudem gedeiht hier auf 2 Aren die PIWI-Sorte (pilzwiderstandsfähige Sorte) «Solaris». Mit dem Dezimieren von Fungiziden im Rebbau kann auch hier die Biodiversität gefördert werden: «In diesem Mai entdeckte ich überraschend einen Halsbandschnäpper in unserem Rebberg – bei uns eine sehr seltene Vogelart. Darauf habe ich einen Nistkasten platziert, der auch von Schnäpperarten angenommen wird. Bis jetzt hat es zwar noch nicht geklappt, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf.»
Je höher, desto besser
Und wenn man nun Lust bekommen hat, selber einen Vogelkasten aufzuhängen? Andy Junkers Ehefrau Rita empfiehlt «Anfängern», am besten mit einem Meisenkasten zu starten. «Wichtig zu wissen ist, dass der Kasten mindestens 2 Meter über dem Boden an einem Baum oder an einer Hauswand angebracht werden sollte – je höher, desto besser.» Ideal ist die Ostseite. Hier wird es im Gegensatz zur West- und Südseite an sonnigen Tagen weniger heiss und zudem nicht nass, wie es an der Westseite bei Regen der Fall ist. Gereinigt werden die Kästen von Vorteil jedes Jahr im März.
Möchte man kontrollieren, ob eine Brut vorhanden ist, darf man den Kasten übrigens ruhig kurz öffnen und schauen, wie viele Vögel aufgezogen werden.
Einer für viele
bbu. Es gibt Nistkästen, die sich für viele Vogelarten eignen. Der typische Kohlmeisenkasten mit Einfluglochgrösse von 32 Millimetern wird auch vom Wendehals, Kleiber oder Trauerschnäpper angenommen. Vorausgesetzt natürlich, es befindet sich ein Pärchen in der Umgebung, was beim Wendehals wirklich nicht oft vorkommt, ist dieser doch sehr wärmeliebend und zieht bei uns daher sonnenverwöhnte Rebberge den normalen Gärten als Lebensraum vor.
Der bei uns mittlerweile ebenfalls seltene Gartenrotschwanz hingegen benötigt ein Einflugloch von 50 Millimetern Durchmesser. Er nimmt aber auch einen für ihn bestimmten Kasten mit Einflugschlitz im Nistkastenboden an. Je nach Erfahrung wird der eine oder andere Nistkasten eingesetzt. Ebenfalls eine Rolle spielt die optische Attraktivität des Kastens. Die ist zwar dem Vogel gleichgültig, aber nicht dem, der den Kasten in seinem Garten platziert.


