Eine bewegte Vergangenheit
07.06.2019 LangenbruckAusstellung zur kirchlichen Geschichte des Passdorfes
Als Beitrag zu den Reformationsfeierlichkeiten hat die Kirchgemeinde die reiche Kirchengeschichte des Passdorfes und seine Wechselbeziehungen zur Dorfchronik auf einem grossen Banner festgehalten.
Elmar ...
Ausstellung zur kirchlichen Geschichte des Passdorfes
Als Beitrag zu den Reformationsfeierlichkeiten hat die Kirchgemeinde die reiche Kirchengeschichte des Passdorfes und seine Wechselbeziehungen zur Dorfchronik auf einem grossen Banner festgehalten.
Elmar Gächter
«Die Kirche verändert die Gesellschaft, die Gesellschaft verändert die Kirche». Diese Aussage passt besonders prägnant zur Reformation, deren 500-Jahre-Jubiläum die Reformierten auf der ganzen Welt feiern – im Baselbiet bis 2029, da hier und in der Stadt die Reformation erst 1529 endgültig Tatsache wurde. Die steten Veränderungen stellen denn auch den Hintergrund dar, mit dem Pfarrer Torsten Amling und seine Kirchgemeinde Langenbruck an das Jubiläum erinnern. Ein 1,20 Meter hohes und 5 Meter breites Banner unter der Orgelempore, auf dem Kirchen und Kapellen in Langenbruck aus verschiedenen Jahrhunderten abgebildet und beschrieben sind, dokumentiert, wie Kirche und Dorf seit Jahrhunderten in einer Wechselbeziehung stehen. Eine grosse Hintergrundarbeit hat dabei die Einwohnerin Irene Meyer geleistet, wie Torsten Amling festhält.
«Langenbruck hatte früher eine immense Bedeutung, was die Christianisierung im Baselbiet anbelangt», so Pfarrer Amling. Er macht dies fest am Kloster Schönthal, das 1187 eingeweiht worden ist und dessen Kirche zu den ersten in der Region zählte. Zudem gab es im frühen Mittelalter am alten Säumerweg über den Oberen Hauenstein verschiedene Kapellen, unter anderem in Privathäusern. Dazu zählt der «Spittel» an der Hauensteinstrasse, wo laut ältesten Geschichtsschreibern vor 1145 bereits eine Kapelle gestanden ist, damit Durchreisende vor dem Überqueren des «fürchterlichen Gebirges» ihre Andacht verrichten konnten. Insgesamt sechs «Kirchen» gab es seit dieser Zeit, jedoch an verschiedenen Standorten.
Überdimensionierter Kirchturm
Eine ganz spezielle Geschichte rankt sich auch um das «Chilchli» Bärenwil, das seit Jahren unter dem gleichen Namen als Wirtschaft betrieben wird. Hier hat nach der Kantonstrennung der Langenbrucker Pfarrer Bleyenstein gepredigt, der den Eid auf die Verfassung des neuen Freistaates Baselland nicht leisten wollte und als Dorfpfarrer abgesetzt wurde. Hier im «Chilchli» liess ihm die Stadt Basel ein Zimmer mit Rednerpult herrichten und dank Spenden von Städtern wurde es mit einem Dachreiter samt Glöcklein ausgestattet. So sind die alten Langenbrucker Sonntag für Sonntag nach Bärenwil zum Gottesdienst gegangen. Nur am Karfreitag hätten sie jeweils geweint, wenn sie die vier Glocken von der Dorfkirche Langenbruck gehört hätten.
Und da ist Langenbruck als Kurort. Ja, man war wer und wollte etwas darstellen. «Dem hat auch die Kirchgemeinde Rechnung getragen und liess 1892 auf die kleine Kirche einen vollkommen überdimensionierten Kirchturm erstellen», hält Torsten Amling fest. Zu dieser Zeit etwa sei auch die Zimmermann-Orgel aus Basel eingebaut worden. 1991 wurde sie durch die inzwischen wohl beste Orgel im Tal, eine Jemlich-Orgel aus Dresden, ersetzt. «Heute könnten wir uns dies niemals leisten», ist Pfarrer Amling überzeugt.
«Der Geist, den wir mit Pfingsten verbinden, spiegelt sich auch in unseren Bauwerken und in unserer Geschichte wider. Da gab es ein Kloster, das untergegangen ist, die alte St.- Johanns-Kapelle oder die Kapelle im Spittel, von denen nichts mehr geblieben ist, und trotzdem ist an anderer Stelle etwas Neues gewachsen.» Und so will Pfarrer Amling an seiner Pfingstpredigt den Gottesdienstbesucherinnen und -besuchern Mut machen, sich nicht vor den kommenden Veränderungen zu fürchten. Gerade die reformierte Kirche stehe in den nächsten Jahren vor richtungsweisenden Entscheidungen wie der Frage, wie viele Kirchgemeinden oder Gotteshäuser sie sich noch leisten könne.
Aber bei all diesen Problemen und den noch weit grösseren, wenn es um Klima oder Migration geht, blicke er zuversichtlich in die Zukunft, sagt Pfarrer Amling. Auch in katastrophalen Zeiten mit hoher Kindersterblichkeit und Hungersnöten habe man in die Zukunft investiert. «Es wird immer Leute geben, die sich von Gottes Geist anstecken lassen; dies ist mein Pfingstgedanke.»
Pfingstsonntag,10 Uhr, Abendmahlsgottesdienst und Ausstellungseröffnung «Kirche bewegt (sich)» in der reformierten Kirche Langenbruck.


