Zu meinen Lieblingsnamen gehören Flurnamen, welche die Erinnerung an längst verschwundene Pflanzen und Tiere festhalten. Spitzenreiter bei den Tieren ist der Wolf. Aus historischen Quellen wissen wir, dass auch der Braunbär bis weit ins 18. Jahrhundert die Wälder des ...
Zu meinen Lieblingsnamen gehören Flurnamen, welche die Erinnerung an längst verschwundene Pflanzen und Tiere festhalten. Spitzenreiter bei den Tieren ist der Wolf. Aus historischen Quellen wissen wir, dass auch der Braunbär bis weit ins 18. Jahrhundert die Wälder des Baselbiets bevölkert hat.
Markus Ramseier
In seiner «Basler Chronik» über das Passwang- und obere Hauensteingebiet schreibt Wurstisen 1580: «… ist sonderlich mitternachtswärts, wo es nicht gereutet, so raue, dass etwa Bären allda gefunden werden.» Das Verhältnis des Menschen zum Bären ist seit jeher zwiespältig. Einerseits zeugen Bärenkulte in Europa, Asien und Nordamerika sowie die Verbreitung des Bären als Wappentier von der Verehrung des Bären durch den Menschen, andererseits wurde der Bär als «Schädling» gnadenlos verfolgt und in weiten Teilen Europas ausgerottet.
Um die Untertanen zur Jagd auf «solch gefährliches Getier» zu motivieren, wurden vielerorts Fangprämien ausgesetzt. So galten im Kanton Baselland noch 1840 – wohlverstanden nach der Ausrottung des Bären im Kanton – folgende Abschussprämien: Bär 80 Franken, Wolf 40 Franken, Luchs 30 Franken.
Letzter Bär bei Lauwil erlegt
Aufgrund der Recherchen von Paul Suter in den Baselbieter Heimatblättern von 1938 wissen wir, dass der letzte Baselbieter Bär im September 1798 beim Gaiteberg südlich von Lauwil erlegt wurde. Nachdem im Gebiet Passwang und im Bogetal Schafe gerissen worden waren, legten sich einige Männer auf die Lauer. Ihr Erschrecken war gross, als in der Dämmerung nicht wie erwartet ein fremder Hund, sondern ein mächtiger Bär auftauchte. Am nächsten Tag wurde eine Treibjagd organisiert. Der Bär wurde mit Lärm aus seinem Versteck gescheucht und lief direkt auf die wartenden Jäger zu. Diese packte die Angst und sie flüchteten auf einen Baum, von wo aus es ihnen schliesslich gelang, das Tier zu erlegen. Im Triumphzug wurde es nach Lauwil getragen und zur Besichtigung aufgehängt. Den erfolgreichen Jägern wurde der Dank des Vaterlands bezeugt und ein ansehnliches Schiessgeld ausgehändigt.
Nicht alle der rund 60 Flurnamen mit dem Element Bär verweisen auf das Wildtier. In etlichen steckt ein alter Personenname Bero oder der Familienname Bär. In einigen Fällen dürfte Bär lautlich mit «Beeri», Beere, oder «Äber», Eber, männliches Schwein, zusammengefallen sein. Der «Bäregrabe», eine steile, von Wald umschlossene Wiese am Nordhang der Wasserfallen, weist aber wie die Mehrheit der anderen Bär-Namen auf einen einstigen Aufenthaltsort dieses mächtigen Tiers hin.
Teil 6 von 7. In unserer kleinen Sommerserie stellt der Flurnamenforscher Markus Ramseier seine liebsten Namen im Oberbaselbiet vor. Bisher erschienene Beiträge: 20. Juli, Seite 4; 24. Juli, Seite 5; 5. August, Seite 9; 10. August, Seite 2; 17. August, Seite 7.