Die Mächtigen
06.07.2018Eptingen, Hölstein, Läufelfingen, Reigoldswil, Waldenburg, Wisen, Ziefen
Der Adler ziert sieben Gemeindewappen im «Volksstimme»- Gebiet. Er verweist auf Gründer und Herrscher.
Andrea Mašek
Die Froburger, Homburger und Eptinger ...
Eptingen, Hölstein, Läufelfingen, Reigoldswil, Waldenburg, Wisen, Ziefen
Der Adler ziert sieben Gemeindewappen im «Volksstimme»- Gebiet. Er verweist auf Gründer und Herrscher.
Andrea Mašek
Die Froburger, Homburger und Eptinger herrschten im Mittelalter über weite Teile des Baselbiets und Solothurns. Und ihren Stempel drücken sie mindestens sieben Gemeinden heute noch auf: Ihre Wappen, die alle einen Adler zeigen, sind zu Gemeindewappen geworden.
Sie sollen an die Vergangenheit erinnern. Die meisten wurden auf Vorschlag der kantonalen Subkommission für Gemeindewappen, ein Ableger der Kommission zur Erhaltung von Altertümern, in den 1930er- und 1940er-Jahren kreiert und genehmigt. Ob dieser Teil der Vergangenheit auf diese Weise verherrlicht werden musste, fragt man sich im 21. Jahrhundert. Natürlich hielt man sich auch an die traditionellen heraldischen Regeln.
Der Adler ist zusammen mit dem Löwen das beliebteste Wappentier. Er verkörpert Macht. Er ist das Symbol des Herrschens, der König der Lüfte. Dargestellt wird er meist frontal, mit ausgebreiteten Flügeln sowie gespreizten Beinen und Krallen. Wer ihn im Wappen hat, zeigt sich selbstbewusst, als mächtige Gemeinde. Immerhin eine von ihnen, Waldenburg, darf sich ja auch Stadt nennen.
Überraschend ist, dass keines der sieben Wappen einen aufrechten, schwebenden, schwarzen Adler zeigt. Läufelfingen kommt diesem gängigen Typ am nächsten. Wobei im Wappen gleich zwei davon zu sehen sind. Es ist das Wappen der Grafen von Homburg und symbolisiert die Trennung von den Froburgern.
«Gefallene» …
Einen schwarzen Alder auf gelbem respektive goldenem Hintergrund präsentiert auch das Eptinger Wappen. Doch dieses Tier liegt und schaut nach unten. Eigenartig für ein solch stolzes Tier. Die lange, heraushängende Zunge könnte dahingehend interpretiert werden, dass er völlig erschöpft ist und deshalb flach liegt. Oder haben die Herren von Eptingen, deren Wappen dies ist, ihren Untergang vorhergesehen und dokumentiert? Auch der Gemeinde war dies offenbar nicht ganz geheuer. Einige Jahre verwendete sie einen stehenden Adler.
Das Hölsteiner Wappen zeigt ebenfalls einen «gefallenen» Adler. Er wirkt ein wenig eleganter als der Eptinger, etwas schlanker. Er ist halt sieben Jahre jünger. Er geht auch auf das Eptinger Adelsgeschlecht zurück: Dieses hatte den Klosterhof von Hölstein im 13. Jahrhundert als Lehen vom Kloster Payerne erhalten und betrieb ihn weiterhin als Herberge. Der Adler von Hölstein ist allerdings weiss beziehungsweise silbern auf rotem Grund. Das sind die Farben des Klosters Payerne.
Der liegende Eptinger Adler ziert auch das Wappen von Ziefen. Er ist hier aber schwarz, mit gelben Gliedern und gelbem Schnabel auf silbernem Grund. Und er züngelt nicht. Weil er zusätzlich eine religiöse Bedeutung hat, ein Zeichen für die Auffahrt ist, 1943 vom Gemeindepfarrer als Wappenmotiv vorgeschlagen worden war und deshalb «liebenswürdiger» dargestellt wurde? Grimmig und aufrecht erhebt sich der Adler in Waldenburg und Reigoldswil. Obwohl es die Froburger seit dem 14. Jahrhundert nicht mehr gibt, zeigt sich ihr Adler auf den beiden Wappen fast schon modern und modisch. Er ist sehr stilisiert, beinahe abstrakt, in seiner blau-weissen Musterung.
… und «schräge» Vögel
Der Reigoldswiler Adler wirkt etwas behäbiger und kräftiger. Er darf auch nur die Hälfte des Wappens beherrschen. Obwohl die Froburger das Dorf einst ganz besassen, als Erste. Doch in der unteren Hälfte wollten die Reigoldswiler ihre Lage am Fuss der Wasserfallen verdeutlichen – immerhin in den Farben der Froburger. Ein silberner Bach schlängelt sich durchs blaue Wappen. Eine verkehrte Welt: Sonst sind Bäche blau. In der früheren Version von 1937 waren auf dem Wappen noch zwei Bächlein zu sehen. Offenbar ging man auch in der Heraldik mit der Zeit und kanalisierte 1952 die Wasserstrassen.
Den «schrägsten» Vogel zeigt das Wappen von Wisen. Es ist der froburgische Adler, aber ganz in blau, und am wenigsten stilisiert von allen hier besprochenen Tieren. Rot-golden gestreift ist der Hintergrund, die Vierspaltung ist für Wappen eher ungewöhnlich. Damit beweist Wisen, das im Laufe der Geschichte immer wieder den Besitzer wechselte, vielleicht ein wenig Eigenständigkeit.
Teil 2 von 10. Die «Volksstimme» stellt in einer Sommerserie die Wappen sämtlicher
Gemeinden in ihrem Einzugsgebiet vor.
