Duschen
25.05.2018Meine Welt
Vorsicht, ich muss Sie etwas vorwarnen, die heutige Kolumne enthält «explicit nudity», wie die Amis sagen, also «explizierte Nacktheit» oder so ähnlich. Ich garantiere aber die Einhaltung von Sitte und Moral, auch Minderjährige ...
Meine Welt
Vorsicht, ich muss Sie etwas vorwarnen, die heutige Kolumne enthält «explicit nudity», wie die Amis sagen, also «explizierte Nacktheit» oder so ähnlich. Ich garantiere aber die Einhaltung von Sitte und Moral, auch Minderjährige sollen weiterhin die «Volksstimme» ohne Vorzeigen eines Ausweises am Kiosk erhalten.
Es geht ums Duschen. Diese Sache, die die einen zweimal täglich, die anderen jeweils vor Ostern und Weihnachten hinter sich bringen. Meist erledigt man die Sache bei sich zu Hause oder aber im Sportklub, in der Schule oder im Hotel. Der Ablauf ändert sich allerdings, unabhängig vom Ort, kaum: ausziehen, anfeuchten, einseifen, abspülen, abtrocknen. So ähnlich wie beim Geschirrabwasch, nur entfällt dort das Ausziehen, es sei denn, Sie seien sehr ungeschickt am Abwaschtrog oder aber planen romantische Avancen gegenüber anwesenden Personen in Ihrer Küche.
Nun gibt es allerdings diverse technische Fallstricke beim Duschen. Zum Beispiel die Mischarmatur für Kalt- und Warmwasser. Es gibt Einhebelvarianten, da entscheidet ein Zehntel Millimeter darüber, ob Sie sich dampfgaren oder aber Frostbeulen davontragen. Manchmal gehts so lange, bis das heisse Wasser kommt, dass man schlotternd alle 20 Sekunden den Hebel nach links oder nach rechts dreht und man alle Ingenieure aus dem Sanitärbereich in einem vollen Toi-Toi-Häuschen einen Abhang hinunterrollen möchte.
Ist dann mal die Idealwassertemperatur erreicht, gibts in gewissen Turnhallenduschen den lustigen Effekt, dass, wenn der Nachbar bei seiner Dusche das Warmwasser andreht, die Temperatur des eigenen Duschstrahls um gefühlte 83 Grad abfällt. Die kälteste Dusche der Welt befindet sich übrigens in der Badi Sissach. Das Personal muss dort auch im August regelmässig Eiszapfen von der Brause entfernen.
Zurück zur heimischen Dusche: Hat man mal sämtliche Temperaturhürden genommen, kommt die Einseifaktion, falls denn a) das Duschmittel nicht leer, b) nicht 3 Meter von der Dusche entfernt steht oder c) nur das blumige der Partnerin da ist. Lebensgefährlich ist die Beseifung der Fusssohlen, da die Gefahr von Aquaplaning mit unfreiwilliger Hechtrolle in Richtung Lavabo enorm ansteigt. Auch Seife im Auge macht den Duscher unfroh, vor allem, wenn er dann blind die Wassertemperatur an einer wie oben beschriebenen Einhebelmischbatterie regeln muss, um die Seife aus den Augen zu kriegen. Das Heulen ob der Seife im Auge vermischt sich dann mit dem Kreischen wegen des Kaltwasserschocks.
Beim Abtrocknen kann dann nicht mehr allzu viel schiefgehen. Manchmal bemerkt man allerdings, dass man vergessen hat, die Armbanduhr auszuziehen. Diese ist zwar gemäss Händler bis 250 Meter Tiefe wasserdicht, doch erleidet sie ab 15 Tropfen Duschwasser einen Totalschaden.
Ich glaube, dass die meisten Leute unter der Dusche nicht singen, sondern wüst schimpfen.
Lars Mazzucchelli ist Betriebsökonom und Sissacher Gemeinderat.

