Reinigungspersonal
06.02.2018 MedienHurra – es wird gespart
Zum Artikel «Beim Putzpersonal wird abgebaut» in der «Volksstimme» vom 26. Januar, Seite 4
Es ist Mode geworden, dass in den Büros von Banken, Versicherungen, Verwaltungen und neuerdings auch in ...
Hurra – es wird gespart
Zum Artikel «Beim Putzpersonal wird abgebaut» in der «Volksstimme» vom 26. Januar, Seite 4
Es ist Mode geworden, dass in den Büros von Banken, Versicherungen, Verwaltungen und neuerdings auch in Schulräumen bei der Reinigung gespart wird. «Putzen auf Sicht» heisst die neue Formulierung. Sorry, aber eine solche Formulierung kann bloss von einem «Fachmann» stammen, der noch nie einen Besen oder einen Strupfer in der Hand gehabt hat.
«Ausgelagert» heisst das Wundermittel beziehungsweise Zauberwort zur Verminderung von Ausgaben. Mit diesen – wahrscheinlich von überklugen Beratungsfirmen (die sich kaum mal mit den örtlichen Verhältnissen aktiv vertraut gemacht haben) – empfohlenen Massnahmen sollen letztlich ein paar Franken eingespart werden. Nach dem gleichen Muster werden auch beim Pflegepersonal in Spitälern und Heimen Kosten eingespart beziehungsweise Stellen abgebaut.
Ich bin überzeugt, dass sich heute leider zu viele sogenannte «Chefs und Verwaltungsräte» von solchen Kosteneinsparungs-Ideen blenden lassen. Geputzt werden muss ja wohl trotzdem. Aber es ist halt einfacher, bei den Frontleuten Personal abzubauen, anstatt mal das eigene Umfeld zu hinterfragen. Was sind da in den letzten Jahren – insbesondere auch bei den Verwaltungen – überdotierte Beratungsstäbe aufgebaut worden. Vor wenigen Jahren standen noch die Magistraten, Amtsvorsteher und auch Wirtschaftsführer vor die Presse, heute sind es die Medienverantwortlichen. Wozu ist dies überhaupt nötig?
Es gibt wohl kaum eine Branche, die in den letzten Jahren mehr gewachsen ist, als die Beraterbranche. Dies wurde nur möglich, weil heute in der Politik, den Verwaltungen und leider auch in der Wirtschaft für jede noch so banale Bagatelle ein juristisches und/oder ein betriebswirtschaftliches Gutachten erstellt werden muss. Ein Tummelfeld für hochdotierte – letztlich aber kaum verantwortliche – Spezialisten und Theoretiker. Diese internen und externen Kosten spielen offenbar, im Gegensatz zum Reinigungspersonal, keine Rolle.
Wenn dies so weitergeht, fällt mir eine Horrorvision ein: Ereignet sich in zehn Jahren irgendwo ein Wasserleitungsbruch, stehen dannzumal wohl mindestens acht studierte Spezialisten um die Grube der freigelegten Leitung. Alle wissen, wie diese theoretisch zu flicken ist, doch keiner ist in der Lage, die Reparatur selbst vorzunehmen …
Paul Hug, Ziefen