Skandal-Bar wird 30
18.01.2018 SissachDie «Schickeria» will sich wiederbeleben
cf. Ende der 80er-, Anfang der 90er-Jahre hat die «Schickeria» in Sissach für Skandal an Skandal gesorgt. Das Lokal war bekannt als die it-Bar des Oberbaselbiets und sorgte mehr als einmal für ...
Die «Schickeria» will sich wiederbeleben
cf. Ende der 80er-, Anfang der 90er-Jahre hat die «Schickeria» in Sissach für Skandal an Skandal gesorgt. Das Lokal war bekannt als die it-Bar des Oberbaselbiets und sorgte mehr als einmal für Schlagzeilen. Nun feiert das Lokal das 30-jährige Bestehen.
Heute ist es um die «Schyggi» ruhiger geworden. Ganz zum Leidwesen des Wirts Rameswaran Thambipillai und der langjährigen Besitzerin Marisa Schmid. Sie wünschen sich, mit den Jubiläums-Festivitäten neue und jüngere Gäste in die ehemalige Skandal-Bar zu locken und dieser den alten Glanz zurückzugeben.
«Es fühlt sich an wie eine Zeitreise»
Die «Schickeria» feiert ihr 30-Jahre-Jubiläum
Ende der 80er-, Anfang 90er-Jahre hat die «Schickeria» das Oberbaselbieter Nachtleben stark geprägt. Nun gibt es die Sissacher Bar bereits seit 30 Jahren. Von den Medien als «umstrittene Music-Bar» bezeichnet, sorgte die «Schickeria» in der Vergangenheit für so manche Schlagzeile.
Caroline Füllemann
Der Geruch von Schweiss, Alkohol und die Erwartung einer wilden Nacht hängen in der Luft. Dicht gedrängt stehen die partylustigen Besucher nebeneinander. Die Hitze im Lokal scheint niemanden zu stören. Schliesslich ist man froh, überhaupt in die it-Bar des Oberbaselbiets hineingekommen zu sein. Ganz im Gegensatz dazu die unzähligen Menschen, die es nicht bis ins Innere des Gebäudes geschafft haben und sich jetzt auf dem grossen Parkplatz vor der Bar tummeln. Es wird geredet, gelacht, getrunken und getanzt. So sieht er aus, der typische Freitagabend in der Sissacher «Schickeria» in den späten Achtzigern.
«Hier haben wir früher unseren gesamten Lehrlingslohn auf den Kopf gehauen», erzählt Lorenz Killer, einer der Stammgäste, die der «Schickeria» bis heute treu geblieben sind. Obwohl die Besucher von damals mittlerweile um die 50 Jahre alt sind, fühlen sie sich in ihre Jugend zurückversetzt, sobald sie durch die Türe in die Bar treten. «In der ‹Schickeria› werden wieder alte Erinnerungen wach, es fühlt sich an wie eine Zeitreise. Ich habe hier so viele gute Abende erlebt», schwärmt Massimo Colello, ein anderer Stammkunde. Für die beiden ist es deshalb eine Ehre, im Rahmen der Festivitäten zum 30-Jahre-Jubiläum der «Schickeria» mit ihren jeweiligen Bands 5at13 und The Terzinos in der Sissacher Bar aufzutreten.
Skandalträchtig seit Stunde eins
Seit ihrer Eröffnung im Jahr 1988 sah man die «Schickeria» immer wieder in den Schlagzeilen, und das nicht nur in der «Volksstimme». Bereits einen Monat nach Betriebsstart erlangte das damalige Restaurant durch einen Konflikt um die Namensgebung schweizweit umstrittene Berühmtheit. Überzeugt von ihrer Namensidee «Schickeria», wollten die Besitzer Andrea und Marisa Schmid sich den Beschluss des Sissacher Gemeinderats, das Lokal weiterhin «Schützenhaus» zu nennen, nicht bieten lassen, und zogen ihre Forderung bis zum Regierungsrat. «Schickeria», das sei zu modern, zu städtisch, meinte zumindest der damalige Sissacher Gemeindepräsident Kurt Blapp. Nach kurzer Zeit kann der damals über den Konflikt berichtende Fernsehsender DRS aktuell den Sieg der Schmids verkünden: Aus «Schützenhaus» wird «Schickeria», was so viel bedeutet wie modebewusste, obere Gesellschaftsschicht.
«Mit der Namensänderung und dem damit einhergehenden Imagewechsel gingen wir ein beträchtliches Risiko ein», sagt Marisa Schmid heute. Schliesslich sei ein solch modernes Etablissement eine Neuheit im Oberbaselbiet gewesen. Doch die Risikobereitschaft zahlte sich aus. Schon bald hatte sich die «Schickeria» als das Lokal für junge Feierwütige etabliert. «Es war eine unglaubliche Zeit. Die Besucher sind an vielen Abenden bis draussen angestanden», schwelgt Schmid in Erinnerungen.
Es blieb nie lange ruhig um das in den Medien als «umstrittene Music-Bar» bezeichnete Lokal. Für langjährigen Gesprächsstoff sorgte zum Beispiel die Diskussion um die Dancing-Bewilligung für die «Schickeria», die ihre Öffnungszeiten von 24 Uhr bis 2 Uhr morgens verlängerte. Anwohner beschwerten sich in den Jahren zwischen 1990 und 1992 immer wieder über Lärm, worauf der «Schyggi» für das Folgejahr die Bewilligung entzogen wurde. Wieder ging es vor den Regierungsrat. Dieses Mal zogen die Schmids aber den Kürzeren und mussten ihre Bar vorerst bereits um 24 Uhr schliessen. Das Verbot blieb aber nur für ein halbes Jahr bestehen, bis durch verstärkte Massnahmen in der Lärmverhinderung ein Kompromiss mit dem Gemeinderat eingegangen werden konnte. Es folgte eine Sammelklage von Anwohnern gegen den weiteren Ausbau der Gartenwirtschaft. Diese stiess jedoch auf taube Ohren.
Alte Zeiten aufleben lassen
Heute ist es ruhig geworden um das damalige Skandal-Lokal. Doch das möchte Rameswaran Thambipillai, heutiger Wirt der «Schickeria», nicht auf sich sitzen lassen. «Wir wollen die ‹Schickeria› wieder zum alten Ruhm zurückbringen», sagt er. Zwar sei vor allem in den letzten drei Jahren wieder etwas mehr Leben in die Bar gekommen, allerdings wünscht sich Thambipillai insbesondere auch jüngere Gäste. Mit den Festivitäten zum Jubiläum der Bar versucht er, dieses Ziel umzusetzen. Live-Bands sollen die «Schyggi» von anderen, eher im Zentrum von Sissach gelegenen Bars abheben.
Von den alten Tagen der «Schickeria» träumt auch Marisa Schmid immer noch. Zwar arbeitet sie selbst nicht mehr im Betrieb mit, ist aber in den 30 verstrichenen Jahren immer die Besitzerin der Liegenschaft geblieben. «Mein Ex-Mann und ich haben uns als Wirte der ‹Schickeria› zurückgezogen, als wir 1994 die Disco CH in Sissach eröffnet haben», erklärt Schmid. So hätte sie mit den Feierlichkeiten von heute Donnerstag bis Samstag auch nicht wirklich viel zu tun. Sie hofft aber, dass der Anlass ein Erfolg wird und der Bar hilft, alten Glanz zurückzuerlangen: «Ich wünsche mir für die ‹Schickeria›, dass sie wieder so erfolgreich wird wie in den 80er-Jahren.»
So feiert die «Schickeria»
cf. Die Festivitäten zum 30-Jahre-Jubiläum der «Schickeria» sollen gleich an drei Tagen stattfinden. Heute Abend lockt Wirt Rameswaran Thambipillai mit einer Ladys-Night und Bierpreisen wie vor 30 Jahren. Morgen wird das Trio The Terzinos alte Hits der 80er in ihrem punkigen Rock- und Blues-Stil wieder aufleben lassen. Die Rock- und Blues-Band 5at13 verfolgt dasselbe Ziel am Samstagabend. Die Bands spielen jeweils ab 20.30 Uhr.



