20 Jahre am Limit
11.09.2026 SissachKita «Zwärgehuus» jubiliert
Die Kindertagesstätte «Zwärgehuus» in Sissach schaut auf 20 bewegte Jahre zurück. Gründerin und Geschäftsleiterin Rahel Jäger spricht über finanzielle Herausforderungen, fehlende Fachkräfte und ...
Kita «Zwärgehuus» jubiliert
Die Kindertagesstätte «Zwärgehuus» in Sissach schaut auf 20 bewegte Jahre zurück. Gründerin und Geschäftsleiterin Rahel Jäger spricht über finanzielle Herausforderungen, fehlende Fachkräfte und neue Hoffnung dank der kantonalen Finanzierung.
Sander van Riemsdijk
Immer mehr Eltern sind berufstätig oder möchten eine Ausbildung absolvieren. Aus diesem Grund steigt die Nachfrage nach Plätzen in Kindertagesstätten unaufhörlich. Eine solche Kindertagesstätte (Kita) wie das «Zwärgehuus» in Sissach, die dieses Jahr ihr 20-Jahre-Jubiläum feiert, zu gründen und wirtschaftlich zu führen, ist eine schwierige Aufgabe, wie Rahel Jäger berichtet. «Die grösste Herausforderung für eine familienergänzende Kinderbetreuung in einer Kita sind zweifellos die Finanzierung und die Personalrekrutierung», sagt die Gründerin und Geschäftsleiterin des «Zwärgehuus».
Damit ist man schon mitten im Thema, das heute viele Kitas beschäftigt. «Einerseits sind die Kitas systemrelevant und müssen deshalb finanziell unterstützt werden», findet Rahel Jäger, «andererseits fehlt es oft an Subventionen für die Eltern. Was dazu führt, dass nur finanziell besser gestellte Eltern sich einen Kita-Platz leisten können.» Nicht selten kostet ein Kita-Platz mehr, als der Elternteil mit seiner Arbeitstätigkeit verdient – oder die Eltern verschulden sich mit einer Kreditaufnahme.
Neue kantonale Regelung
Unter diesem Umstand leiden nicht nur die Eltern, sondern auch die Kitas. Damit die Kita für alle finanziell eine Betreuungsoption ist, haben diese im Baselbiet ihre Betreuungstarife nicht so hoch angesetzt. «Das hat jedoch zur Folge, dass wir auf der Einnahmenseite betriebswirtschaftlich immer am Limit laufen und irgendwie versuchen, die Kita über Wasser zu halten», sagt Rahel Jäger und schiebt nach: «Es ist und bleibt eine Gratwanderung, und dies schon seit Jahren. Ausserordentliche Betriebskosten bringen uns sofort in Schwierigkeiten.»
Grosse Hoffnung setzt die Geschäftsleiterin in die neue Regelung des Kantons, mit der dieser 25 Prozent der familienexternen Kinderbetreuungskosten übernimmt, unabhängig vom Einkommen der Eltern. Die Gemeinden behalten dabei ihre einkommensabhängigen Subventionen. Rahel Jäger bedauert, dass diese Regelung erst ab 1. August 2028 in Kraft tritt: «Wir müssen uns irgendwie noch zwei Jahre durchwursteln.»
Kein Jubiläumsfest geplant
Vor 20 Jahren rief Rahel Jäger zusammen mit Isabelle Heini die Kita «Zwärgehuus» in einem Raum im dritten Stock oberhalb der Bar «Joker» in Sissach ins Leben. Dieser Schritt sei damals viel unkomplizierter gewesen, sagt Jäger. «Eine Gründung ist heute aufgrund zahlreicher Vorgaben deutlich schwieriger geworden. Das betrifft vor allem die gebäudetechnischen Anforderungen, aber auch den Personalschlüssel und die höheren Anforderungen an die Ausbildung des Betreuungspersonals.»
Schon seit Jahren sei es schwierig, ausgebildete Fachkräfte für die Kita-Betreuung zu finden – auch wenn ihre eigene Kita momentan über genügend ausgebildetes Personal verfüge. «Oft liegt es am geringen Lohn und der mangelnden Wertschätzung», sagt Jäger. Konkurrenz zur Situation in Basel-Stadt, wo die Arbeitsbedingungen mit den höheren Löhnen in den Kitas viel besser und die Betreuungstarife tiefer sind, spürt Rahel Jäger trotzdem nicht: «Dafür sind wir zu weit von der Stadt entfernt. Niemand hier in der Region will einen solch weiten und mühsamen Arbeitsweg auf sich nehmen.»
Crowdfunding gestartet
Wenn die Kita-Leiterin durch den Zeitspiegel auf die 20 Jahre seit der Gründung am 3. April 2006 zurückblickt, sieht sie eine bewegte, fast schon turbulente Zeit mit immer wieder wechselnden Standorten in Sissach und Zunzgen. Angefangen mit einer Gruppe von sieben Kindern, betreut die Kita heute an der Hauptstrasse in Sissach insgesamt 30 Kinder. Den zweiten Standort «Zwärgehuus Chliini Fründe in Zunzgen» hat Rahel Jäger vor einem Jahr aufgegeben. «Zwei Kitas zu leiten war für mich mit zu viel finanzieller Verantwortung und mit einem entsprechenden Risiko verbunden», erklärt sie. Gross das Jubiläum feiern wollen Rahel Jäger und ihr Betreuungsteam nicht. «Die Kita ist finanziell und infrastrukturell noch nicht so gefestigt, dass wir das Jubiläum so richtig feiern können. Ein Gartenfest mit den Eltern sollte jedoch schon noch drinliegen.»
Apropos Garten. Dieser braucht eine dringende Aufwertung, damit die Kinder einen sicheren, attraktiven und altersgerechten Aussenbereich nutzen können, wie es zur Finanzierung auf dem Flyer zum Crowdfunding heisst. Dieses läuft mit einem Wunschbetrag von 40 000 Franken noch bis zum 10. Oktober. Rahel Jäger blickt optimistisch in die Zukunft. Sie setzt grosse Hoffnungen in die neue Finanzierungsregelung des Kantons und damit auf eine bessere Auslastung der Kita: «Auch wenn es bis zur Umsetzung noch zwei schwierige Jahre werden, bin ich mir sicher, dass diese neue Regelung zu grossen Verbesserungen führen wird und uns Kitas mit einer allfälligen Erhöhung der Betreuungstarife mehr finanzielle Ressourcen bieten kann.»
Kindertagesstätte «Zwärgehuus»
svr. Die Kindertagesstätte setzt sich aus zwei Gruppen zusammen: Gruppe «Krümelmonster» mit der Kindergarten- und Schülergruppe, die pro Tag bis 20 Plätze anbietet. Die Kinder dieser Gruppe werden ab dem Kindergartenalter bis Ende der Primarschulzeit aufgenommen. Gruppe «Zipfälmützä», die zehn Plätze pro Tag im Alter bis 4 Jahre anbietet. Die Kindertagesstätte ist geöffnet von Montag bis Freitag, 7 bis 18 Uhr (19 Uhr).


