13 Frauen – oder einfach die Besten?

  13.08.2026 Politik

Andrea Kaufmann-Werthmüller, Landrätin FDP, Waldenburg

«13 Frauen mehr im Landrat.» Diese Forderung hat mich nachdenklich gemacht. Nicht, weil ich etwas gegen Frauen in der Politik hätte – im Gegenteil. Sondern weil ich mich frage, weshalb im Jahr 2026 das Geschlecht wieder stärker in den Mittelpunkt rücken soll. Ich bin überzeugt: Eine Kandidatin sollte nicht gewählt werden, weil sie eine Frau ist. Genauso wenig sollte ein Kandidat gewählt werden, weil er ein Mann ist. In einer Demokratie sollte entscheidend sein, wer mit Ideen, Fachwissen, Engagement und Glaubwürdigkeit überzeugt.

Immer wieder wird argumentiert, der Landrat müsse die Bevölkerung möglichst genau abbilden. Doch wohin führt dieser Gedanke? Brauchen wir künftig für jede Bevölkerungsgruppe Zielvorgaben? Entscheiden am Ende Quoten statt Wählerinnen und Wähler über die Zusammensetzung unseres Parlaments? Ich wünsche mir ausdrücklich, dass sich mehr Frauen politisch engagieren. Jede zusätzliche Kandidatin ist eine Bereicherung. Aber ich wünsche mir nicht, dass jemand aufgrund seines Geschlechts gewählt wird. Das wäre für mich keine Gleichstellung, sondern eine Bevorzugung.

Ich spreche dabei auch aus eigener Erfahrung. Ich bin seit vielen Jahren politisch aktiv und habe erlebt, dass Frauen in der Politik durchaus gefordert sind – manchmal vielleicht sogar stärker, als ihnen lieb ist. Aber ich habe nie erwartet, dass mir mein Geschlecht einen Vorteil verschafft. Ich wollte mit meiner Arbeit, meinen Überzeugungen und meinem Engagement überzeugen. Und ich glaube, genau darin liegt auch die Stärke von Frauen in der Politik: nicht darin, dass sie Frauen sind, sondern darin, was sie zu sagen und zu leisten haben.

Gerade in der Milizpolitik stehen wir vor einem ganz anderen Problem: Gemeinden und Parteien kämpfen zunehmend damit, überhaupt genügend Menschen zu finden, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Das betrifft Frauen und Männer gleichermassen. Statt über Zielzahlen zu diskutieren, sollten wir uns deshalb fragen, wie wir wieder mehr Menschen für politische Ämter begeistern können.

Vielleicht sollten wir uns wieder stärker auf das besinnen, was eine Demokratie ausmacht: freie Wahlen. Die Wählerinnen und Wähler entscheiden, wem sie ihr Vertrauen schenken. Nicht aufgrund von Zielvorgaben, sondern aufgrund von Persönlichkeit, Überzeugungen, Kompetenz und Glaubwürdigkeit. Für mich bedeutet Gleichberechtigung, dass alle dieselben Chancen haben – nicht, dass das Ergebnis im Voraus feststeht. Wer kandidiert, soll dieselbe Ausgangslage haben. Was am Ende zählt, ist die Entscheidung der Bevölkerung.

Deshalb wünsche ich mir für den nächsten Landrat nicht 13 Frauen mehr. Ich wünsche mir die 90 besten Köpfe – unabhängig davon, ob sie Frauen oder Männer sind. Denn Kompetenz, Überzeugungskraft und Einsatz kennen kein Geschlecht. Und genau das sollte auch in Zukunft das entscheidende Kriterium bleiben.


In der «Carte blanche» äussern sich Oberbaselbieter National- und Landratsmitglieder sowie Vertreterinnen und Vertreter der Gemeindebehörden zu einem selbst gewählten Thema.


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