Zivildienst-Abstimmung
09.06.2026 BRIEFEMilitär muss attraktiver werden
Zu meiner Zeit als junger Erwachsener wurde viel über die Möglichkeit eines Zivildienstes gesprochen und geschrieben. Um nicht den Weg für Leute, die sich einfach drücken wollten, zu ebnen, kam die Idee des ...
Militär muss attraktiver werden
Zu meiner Zeit als junger Erwachsener wurde viel über die Möglichkeit eines Zivildienstes gesprochen und geschrieben. Um nicht den Weg für Leute, die sich einfach drücken wollten, zu ebnen, kam die Idee des sogenannten Tatbeweises auf: Leute, die aus persönlichen Gründen keinen Dienst leisten können und wollen, müssen mit dem Leisten eines Ersatzdienstes in anderthalbfacher Länge beweisen, dass sie entschlossen sind, einen Dienst an der Gesellschaft in anderen Bereichen zu leisten. So war gesichert, dass alle, die den zivilen Ersatzdienst leisten, es ernst meinen. Auf diese Weise wurde dann der Zivildienst organisiert und eingeführt. Dies funktionierte die vergangenen Jahre bestens. Zusätzlich profitierten Organisationen in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen davon. Ich weiss von jungen Leuten, die im Zivildienst sehr anspruchsvolle Aufgaben hatten, die von ihnen gleichzeitig als sinnvoll empfunden wurden. Bei einigen von ihnen wurde sogar die Berufswahl durch das Erlebte im Zivildienst positiv beeinflusst.
Ich selbst habe vor mehr als 50 Jahren meine Rekrutenschule absolviert und dann alle geforderten Wiederholungskurse geleistet. Viel Leerlauf habe ich in all den Jahren im Militär erlebt. Leute wurden nicht ihren Fähigkeiten entsprechend eingeteilt. Oft waren Leute unterfordert und unsere Meinungen, unsere Ideen als Soldaten waren nicht gefragt, obwohl es Fachleute aus den verschiedensten Bereichen bei uns hatte. Wenn ich in den letzten Jahren aktuelle Berichte von Rekruten und Soldaten gelesen habe, scheint sich da nicht viel geändert zu haben. Da wird von stumpfsinnigen Tätigkeiten berichtet, von Leuten, die eigentlich gerne etwas Sinnvolles leisten wollten und in diesem Betrieb nicht können. Da ist es nur logisch, dass während oder nach der RS Leute in den Zivildienst wechseln, um dort etwas Sinnvolles für die Gesellschaft zu tun.
Wenn man nun den Zivildienst weniger attraktiv machen will, dann wird klar auf der falschen Seite etwas unternommen. Das Problem der unmotivierten Soldaten hat rein nichts mit dem Zivildienst zu tun. Wenn der Militärdienst so gestaltet würde, dass junge Leute mit Freude, Motivation und Engagement diesen leisten würden, so sähe das Ganze völlig anders aus. Die vorgeschlagenen Änderungen im Bereich des Zivildienstes sind eindeutig am falschen Ort vorgesehen und sollen deshalb abgelehnt werden.
Ueli Bieder, Gelterkinden
