Wohlstand ist kein Selbstläufer
09.06.2026 PolitikSimon Tschendlik, Landrat Grüne, Bubendorf
Wir sprechen in der Schweiz gern über Wohlstand, als wäre er einfach da. Genau das ist gefährlich. Denn es verführt uns, zu vergessen, wie fragil er in Wahrheit ist. Ein Land wird nicht reich, weil es ...
Simon Tschendlik, Landrat Grüne, Bubendorf
Wir sprechen in der Schweiz gern über Wohlstand, als wäre er einfach da. Genau das ist gefährlich. Denn es verführt uns, zu vergessen, wie fragil er in Wahrheit ist. Ein Land wird nicht reich, weil es einfach Glück hat. Auch nicht bloss wegen tüchtiger Unternehmer oder tiefer Steuern. Wohlstand entsteht dort, wo eine Gesellschaft bereit ist, in ihre Zukunft zu investieren, obwohl niemand weiss, wie sie aussehen wird. In Schulen. In Forschung. In Institutionen, denen man trauen kann. Das kostet zuerst Geld, Geduld und Nerven. Der Ertrag zeigt sich oft erst viel später.
Darin liegt die eigentliche Zumutung moderner Gesellschaften: Man muss Entscheidungen treffen, bevor alles klar ist, und Weichen stellen, obwohl der Verlauf offen bleibt. Wer erst handeln will, wenn keine Unsicherheit mehr besteht, wird abgehängt. Die Schweiz war in dieser Disziplin lange ziemlich gut. Nicht, weil wir hellseherische Fähigkeiten hätten, sondern weil wir Strukturen aufgebaut haben, die vernünftiges Handeln unter Unsicherheit ermöglichen: ein starkes Bildungswesen, verlässliche Regeln, Föderalismus, direkte Demokratie und die Fähigkeit, Konflikte so auszutragen, dass am Ende mehr daraus entsteht als bloss Lärm.
Unser Wohlstand ist auch nicht im luftleeren Raum entstanden. Ein kleines, roh- stoffarmes Land wie die Schweiz lebt nicht von Abschottung, sondern von Verbindungen: von offenen Märkten, von Forschung, von berechenbaren Beziehungen nach aussen. Gerade unsere Region spürt das täglich. Die Nordwestschweiz ist eng mit dem Ausland verflochten – über eine exportstarke Industrie, die Hochschulen und die vielen Menschen, die jeden Morgen über die Grenze zur Arbeit kommen. Wer diese Verflechtung aus einer Mischung von Nervosität und falschem Stolz aufs Spiel setzt, gefährdet die Brücken, die unseren Wohlstand seit Jahrzehnten mittragen.
Darum misstraue ich einfachen Parolen. Eine künstlich gedeckelte 10-Millionen-Schweiz klingt für manche nach Ordnung und Kontrolle. Tatsächlich löst sie eher das Gegenteil aus: mehr Unsicherheit und wirtschaftlichen Schaden. Wer mutwillig mit einem Bruch zu Europa spielt, sägt nicht an einem abstrakten Konstrukt, sondern an den konkreten Grundlagen unseres Wohlstands. Die Briten haben teuer dafür bezahlt, dass politische Sehnsucht und ökonomische Realität nicht dasselbe sind.
Auch das Baselbiet steht vor einer Richtungsentscheidung. Am 14. Juni wählt der Kanton zugleich einen neuen Regierungsrat, als Nachfolger des zurücktretenden Isaac Reber. Er braucht keine gereizte Abschottung und keine lauten Scheinlösungen, sondern einen ruhigen Kopf, strategischen Blick und den Mut, über den nächsten Applaus hinauszudenken. Für mich steht Philipp Schoch genau dafür: Der Prattler Gemeinderat und frühere Landratspräsident sucht Mehrheiten, statt Gräben zu ziehen – verlässlich, offen und mit dem richtigen Kompass für eine Zeit, in der man den Wohlstand nur bewahren kann, wenn man die Zukunft nicht verbarrikadiert, sondern klug gestaltet. Ihm gebe ich meine Stimme.
In der «Carte blanche» äussern sich Oberbaselbieter National- und Landratsmitglieder sowie Vertreterinnen und Vertreter der Gemeindebehörden zu einem selbst gewählten Thema.

